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Geprüfter Artikel: Geschichte der Juden in Lindau (Bodensee) [Bearbeiten in Wikipedia]

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Allgemeine Anmerkungen (weitere unten in dem Wiki-Quelltext):

Legende:
Ist sehr selten sinnvoll.
Ist selten sinnvoll, bitte prüfen.
Ist manchmal sinnvoll, bitte prüfen.
Vorschlag, bitte prüfen, ob sinnvoll.



Wiki-Quelltext mit Anmerkungen:

Die '''Geschichte der Juden in [[Lindau (Bodensee)]]''' beginnt nachweislich spätestens im 13.&nbsp;Jahrhundert.<ref name="Steuer1241">[http://www.koeblergerhard.de/Fontes/Reichssteuermatrikel1241.htm Reichssteuerverzeichnis von 1241 (online einsehbar); Nr. 103]</ref> Das rege jüdische Leben war wiederholt durch antijüdische Ausschreitungen stark beeinträchtigt, die im [[Holocaust]] ihren Höhepunkt fanden. Auch heute leben jüdische Bürger eher unauffällig in der [[Schwaben (Bayern)|bayerisch-schwäbischen]] ehemaligen [[Reichsstadt]]. Die meisten von ihnen sind aus der ehemaligen [[Sowjetunion]] seit deren [[Auflösung der Sowjetunion|Auflösung]] zunächst als [[Kontingentflüchtling]]e zugewandert.

== Mittelalter ==
Urkundlich erstmals erwähnt werden in Lindau ansässige Personen jüdischen Glaubens im [[Reichssteuerverzeichnis von 1241]]. In diesem Dokument wird der Lindauer Judengemeinde gleich ihren [[Überlingen|Überlinger]] Glaubensgenossen eine Steuer von 2&nbsp;Mark Silber auferlegt.<ref name="Steuer1241" /> Das jüdische Leben konzentrierte sich im Mittelalter auf einige Straßenabschnitte auf der [[Insel Lindau|Lindauer Insel]], so lässt beispielsweise der ältere Name der westlichen ''Grub'', ''Judengasse'', den Schluss zu, hier habe eine Vielzahl von Juden gelebt.<br />[TAG2]
Als Standort des religiösen Zentrums, der [[Synagoge]], kommen den Quellen zufolge zwei Orte in Frage: Entweder befand sich das Gotteshaus auf dem Gelände des heutigen Reichsplatzes nahe dem Rathaus – das Zinsbuch des [[Kanonissenstift Lindau|Lindauer Damenstift]]s lokalisiert dort eine „[[Judenschule]]“, ein auch von [[Luther]] gebrauchtes gängiges Synonym für eine Synagoge – oder in der ''Alten Metzg'' auf dem Gebiet des heutigen ''Oberen Schrannenplatzes''; hier erwähnt das gleiche Dokument ein Haus „das der Juden war“. Ersteres gilt dabei als wahrscheinlicher, auch der Verfasser der Lindauer Gebäudechronik von 1818 beschreibt den Platz südlich des ''Lindavia-Brunnens'' als früheren Standpunkt der Synagoge.<ref name="Judenverbrennung">Karl Schweizer: [http://www.schwaebische.de/home_artikel,-Am-Nikolaustag-verbrannte-Lindau-erstmals-Juden-_arid,2565634.html ''Am Nikolaustag verbrannte Lindau erstmals Juden''], [[Lindauer Zeitung]] vom 6. Dezember 2008, abgerufen am 7. Januar 2014</ref>

[[Datei:St. Gall Abbot Wilhelm von Montfort-Feldkirch 1281-1301.jpg|mini|[[Wilhelm von Montfort]] (um 1300)]]

Das Wirken von einigen Juden in Lindau ist durch zeitgenössische Schriften bezeugt. Es wird ein ''Süßkint Judeus de Lindow'', Bürger Lindaus, der 1343 auch das [[Ravensburg]]er Bürgerrecht erworben hatte, ebenso erwähnt wie ein ''Lassauer'' (Lazarus) und ein Elyas, der als Jude sogar zeitweise Mitglied des Stadtrats war. Ebenfalls um das Ravensburger Bürgerrecht bemüht haben sich die Lindauer Juden ''Henni'' und ''Hug Murer''.<br />[TAG2]
Außerdem kann nachgewiesen werden, dass Lindauer Juden im Geldverleihgeschäft tätig waren: Zu den Kunden der Lindauer Jüdin ''Maria'' gehörten unter anderem einflussreiche Persönlichkeiten wie [[Wilhelm von Montfort]], der [[Abt]] von [[Kloster St. Gallen|St.&nbsp;Gallen]]. Er lieh sich im Jahr 1286 30&nbsp;Mark Silber, im darauffolgenden Jahr nochmals 19&nbsp;Mark von Marias Berufsgenossen ''Berchtold''.<ref name="Judenverbrennung" /> Ein weiterer Berufszweig, den die Lindauer Juden ausübten, war der Fernhandel.

Das Verbot der jüdischen Ausübung von Handwerksberufen und ein Verbot für Christen, Zinsgeschäfte zu tätigen, führte 1344 zum Ruf eines jüdischen Geldverleihers in die Stadt. Dem vorangegangen war eine Welle der Empörung gegen einige Bürgerinnen, die zu Wucherzinsen Geld verliehen hatten und dies mit der einer angeblich erteilten Absolution durch die Mönche des [[Stadttheater Lindau#Geschichte der Barfüßerkirche|Barfüßerklosters]] gerechtfertigt hatten. Der jüdische Geldverleiher folgte der Bitte und erhielt als Dank das Lindauer Bürgerrecht.<ref name="Judenverbrennung" />

Mit dem Aufkommen der [[Pest]] 1348 wuchs auch[FILLWORD?] die Ausgrenzung der jüdischen Mitbürger. Für den ''Schwarzen Tod'' sowie für ein verheerendes Erdbeben, das im selben Jahr die Region erschütterte, wurden die Juden verantwortlich gemacht; dazu kamen etliche weitere Aufstachelungen von Seiten der christlichen Fanatiker, die letztendlich die Ermordung aller jüdischer Einwohner durch das Stadtregiment am 6.&nbsp;Dezember zur Folge hatte.<ref name="Judenverbrennung" /><br />[TAG2]
Die Juden Lindaus wurden zum in der darauffolgenden Zeit als ''Judenanger'' oder ''Judengerichtsstätte'' bekannten Stelle am Ufer des Lindauer Festlandes geschafft und verbrannt, 15 bis 18 Personen an der Zahl.<ref>Barbara Rösch: ''Der Judenweg. Jüdische Geschichte und Kulturgeschichte aus Sicht der Flurnamenforschung.'' [[Vandenhoeck & Ruprecht]], Göttingen 2009, S.&nbsp;315 ([http://books.google.de/books?id=rHPpijUvXD4C&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false online einsehbar] bei [[Google Books]])</ref> Der Tat, die den Schuldnern der Juden nicht ungelegen kam, waren ähnliche Pogrome in anderen Städten Süddeutschlands vorangegangen. Erst um 1378 wurde Lindau wieder von Juden bewohnt.<ref>[[Sabine Ullmann]]: [http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_45759 ''Judentum in Schwaben (bis 1800)''], [[Historisches Lexikon Bayerns]] vom 30. September 2013, abgerufen am 10. Januar 2014</ref>

Im Jahr 1430 kam es zu weiteren gewalttätigen Ausschreitungen gegen die Lindauer Juden. Ein Teil von diesen befand sich auf der Rückreise von einer jüdischen Hochzeit in Ravensburg, als ein 13-jähriger Knabe ermordet wurde. Das Opfer, ein Christ, wurde zwischen Ravensburg und [[Weingarten (Württemberg)|Weingarten]] erhängt aufgefunden. Der zunächst Angeklagte wälzte die Schuld auf die Ravensburger Juden ab und unterstellte ihnen, einen [[Ritualmordlegende|Ritualmord]] begangen und des Jungen Blut getrunken zu haben, was zu dieser Zeit eine weit verbreitete, Vorurteilen geschuldete, Vorstellung war. In der allgemeinen antijüdischen Stimmung wurde den Beschuldigungen stattgegeben und ein Großteil der Ravensburger Juden ermordet. Die Gewaltwelle gegen Juden sprang auch[FILLWORD?] auf andere Städte der Region über, darunter Lindau. Dort wurde die gesamte Judengemeinde am 3.&nbsp;Juli verbrannt.<ref>[http://www.alemannia-judaica.de/ravensburg_juedgeschichte.htm Jüdische Geschichte von Ravensburg auf alemannia-judaica.de], abgerufen am 8. Januar 2014</ref><br />[TAG2]
Der Stadtrat beschloss daraufhin, den Juden ein dauerhaftes Siedlungsverbot in ihrer Stadt aufzuerlegen,<ref>[[Josef Würdinger]]: ''Urkunden-Auszüge zur Geschichte der Stadt Lindau, ihrer Klöster, Stiftungen und Besitzungen. Band III, 1400–1621.'' Stettner Verlag, Lindau 1872, S.&nbsp;66 ([http://books.google.de/books?id=2xNUAAAAcAAJ&printsec=frontcover&dq=josef+w%C3%BCrdinger&hl=de&sa=X&ei=yhDQUpPCH8TGswad7YHQBg&ved=0CEUQ6AEwAw#v=onepage&q&f=false online einsehbar] bei [[Google Books]])</ref> was sich im Lauf der Geschichte jedoch als nicht ewig während herausstellte.

== Neuzeit ==
Dennoch weist die Geschichte der Juden in Lindau Lücken auf: Im 16., 17. und 18.&nbsp;Jahrhundert war den Juden das Wohnrecht in Lindau verweigert, das Ansiedlungsverbot zuletzt 1605 erneuert worden.<ref name="Begräbnis">Karl Schweizer: [http://edition-inseltor-lindau.de/Juedische%20Beerdigung%20eines%20Jungen%20in%20Lindau%201772.pdf ''Am Karfreitag 1772 wird ein jüdischer Junge in Lindau beerdigt''], [[Lindauer Zeitung]] vom 3. September 2011, abgerufen am 10. Januar 2014</ref><ref name="Hochzeit">Karl Schweizer: [http://www.schwaebische.de/region/bodensee/lindau/stadtnachrichten-lindau_artikel,-1793-darf-in-Lindau-ein-juedisches-Paar-auf-traditionelle-Weise-heiraten-_arid,3560842.html ''1793 darf in Lindau ein jüdisches Paar auf traditionelle Weise heiraten''], [[Lindauer Zeitung]] vom 3. September 2009, abgerufen am 10. Januar 2014</ref>

Eine weitere Episode der jüdischen Geschichte Lindaus ist überliefert, die Aufschluss über jüdische Beerdigungsrituale gibt: Auf dem Weg nach [[Hohenems]] befindlich verstarb ein jüdischer Junge von 14 Jahren namens Moyses an Entkräftung. Er war mit einer Gruppe von neun weiteren „Betteljuden“ von [[Buttenwiesen]] nahe [[Dillingen an der Donau]] nach der [[vorarlberg]]ischen Stadt aufgebrochen, um mit finanzieller und materieller Unterstützung der dortigen Judengemeinde das [[Pessach]]fest zu begehen. Der Jugendliche fand seinen Tod am 16.&nbsp;April 1772 in Leiblachsberg bei [[Sigmarszell]]. Um der Geruchsentwicklung durch den Leichnam vorzubeugen, brachte eine Lindauer Abordnung unter Führung des [[Registrator]]s Daniel Riesch den toten Jungen nach Lindau, um ihn auf dem heutigen ''[[Alter Friedhof (Lindau)|Alten Friedhof]]'' in der „Armsünderecke“ beerdigen zu lassen. Die Beerdigungszeremonie nach jüdischem Ritus wurde von einem herbeigerufenen Hohenemser Rabbiner wie folgt[WORDS?] abgehalten: Zuerst wurde der Leichnam mit warmem Wasser gereinigt und in frisches Leinen gekleidet. Danach wurden ihm [[pergament]]ene Abschriften der [[Zehn Gebote]] als [[Tefillin]] um den Kopf gewunden und tönerne Scherben auf Augen und Mund gelegt. Nachdem jeder Anwesende etwas Erde unter den Kopf des Toten geschoben hatte und das Gebet gesprochen war, beglichen die Hohenemser Juden die angefallenen Kosten.<ref name="Begräbnis" />

Die restriktive Lindauer Judenpolitik der vorigen Jahrhunderte erfuhr im 18.&nbsp;Jahrhundert eine leichte, im darauffolgenden Jahrhundert aber[FILLWORD?] eine starke Lockerung. Schon 1793 wurde einer jüdischen Hochzeitsgesellschaft erlaubt, die Feierlichkeiten im Hof des ''Gullmannschen Hauses'' am Paradiesplatz, ehemals Wohnhaus von [[Daniel Heider]], abzuhalten. Der aus Augsburg stammende Bräutigam und seine Hohenemser Braut wählten Lindau wegen seiner Lage zwischen den beiden Städten. Geladen waren etwa 50 Personen aus Augsburg, meist Kaufleute, und circa 30 von Seiten der Braut.<ref name="Hochzeit" />

=== 19. und 20. Jahrhundert ===
Die erste nach der Vertreibung dauerhaft in Lindau lebende jüdische Familie war die des [[München|Münchner]] Fabrikanten ''Jakob Alexandersohn'', der um 1810 in die Stadt zog und erste Impulse für die beginnende [[Industrialisierung]] in Lindau gab.<ref name="Hochzeit" /> Die Kaufmannsfamilie ''Nördlinger'' folgte aus [[Laupheim]] 1840 nach, der 1869 geborene Sohn Max war als Rechtsanwalt und 1925 ernannter bayerischer [[Justizrat]] eine einflussreiche Persönlichkeit.

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[[Datei:Siebert Fenster St. Stephan Lindau.jpg|mini|Von [[Ludwig Siebert]] 1934 gestiftetes Kirchenfenster in der evangelischen Kirche St. Stephan. Das rechte Bild zeigt u.&nbsp;a. eine von antisemitischen Vorurteilen geprägte Darstellung eines Juden]]

Das auch[FILLWORD?] heute noch von katholischen Angehörigen der ursprünglich jüdischen Familie ''Spiegel'' geführte Bekleidungsgeschäft auf der Insel wurde 1886 eröffnet. Der jüdische Modeunternehmer ''Max Spiegel'' errichtete damit eine Filiale des renommierten Konstanzer Hauses ''Spiegel & Wolf''. Das Lindauer Haus wurde 1899 vom aus Westfalen stammenden ''Emil Spiegel'', vermutlich ein Neffe, übernommen.<ref name="SpiegelNördlinger">Karl Schweizer: ''Jüdisches Leben und Leiden in Lindau. Ein Überblick.'', Lindau 1989, S. 70</ref><ref name="Spiegel">Karl Schweizer: [http://www.schwaebische.de/region/bodensee/lindau/stadtnachrichten-lindau_artikel,-Die-Lindauerin-Martha-Spiegel-wird-zum-Opfer-des-NS-Holocaust-_arid,5383276.html ''Die Lindauerin Martha Spiegel wird zum Opfer des NS-Holocaust''], [[Lindauer Zeitung]] vom 25. Januar 2013, abgerufen am 12. Januar 2014</ref>

Weitere in Lindau ansässige Juden waren die Textilunternehmer ''Kochmann'' und ''Weil'' sowie ''Dr.&nbsp;Cohn'', die Familie ''Persich'', der Fabrikant ''Julius Herzberger'' und sein Bruder ''Alfons''.<ref name="Gedenkweg-Einleitung">Karl Schweizer, Heiner Stauder: ''Lindauer Gedenkweg. Verfolgung und Widerstand 1933–1945.'', Lindau 2010, S. 6 ff</ref> Die im Mittelalter existente Lindauer Synagoge war inzwischen abgebrochen, also musste man[WORDS?] zum Synagogenbesuch nach Hohenems oder Konstanz reisen. Wegen verwandtschaftlichen Beziehungen zogen manche jedoch den Besuch der Laupheimer oder [[Gailingen am Hochrhein|Gailinger]] Synagoge vor.

''Siegfried Kochmann'', ''Emil Spiegel'', ''Werner Nördlinger'', ein Spross der oben erwähnten Familie Nördlinger, sowie ''Dr.&nbsp;Cohn'' wendeten sich 1920 in einem Schreiben an den Stadtrat, in dem sie eine unverhohlene Besorgnis über eine bevorstehende Veranstaltung des [[Deutsch-Völkischer Schutz- und Trutzbund|Deutsch-Völkischen Schutz- und Trutzbundes]] zum Ausdruck brachten.<br />[TAG2]
[[Ludwig Siebert]], seit 1919 für die [[Bayerische Volkspartei]] Bürgermeister der Stadt, antwortete ihnen, sie hätten keine antijüdischen Ausschreitungen zu befürchten. Die Deutschnationalen, schon in den 1920er Jahren eine starke Kraft in Lindau, zeigten unter anderem durch Anbringen von Hetzschriften an Hauswänden Präsenz. Der NSDAP-Ortsverband gründete sich 1922 und konnte bei den Kommunalwahlen zwei Jahre darauf zwei der 30 Stadtratssitze erringen. Durch Beziehungen zu Lindauer Parteifunktionären – der Lindauer [[Töpfer|Hafner]]meister ''Emil Bogdon'' war ein aktiver Unterstützer des [[Hitler-Putsch]]es – kam [[Adolf Hitler]] schon 1923 nach Lindau. ''Ludwig Siebert'', durch seinen Eintritt in die [[Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei]] 1931 erster NSDAP-Bürgermeister Bayerns, wurde nach der [[Machtergreifung]] Hitlers zum bayerischen Ministerpräsidenten ernannt.<ref name="Gedenkweg-Einleitung" />

In den Ergebnissen der [[Reichstagswahl Juli 1932|Reichstagswahlen im Juli]] und im [[Reichstagswahl November 1932|November 1932]] zeigt sich die gefestigte Position der rechten Parteien in der gesamtdeutschen sowie lokalen Politiklandschaft. In Lindau erreichte die NSDAP jedoch ein um fast einen Prozentpunkt besseres Ergebnis und die nationalkonservative [[DNVP]] sogar[WORDS?] fast das Doppelte im Vergleich zum deutschen Gesamtwert.<ref name="Gedenkweg-Einleitung" />

Nach der Einsetzung der nationalsozialistischen Regierung unter Hitler begannen massive Repressalien gegen Juden und Feinde des Systems. Die Anzahl der jüdischen Lindauer belief sich 1930 auf 16 Personen (zuzüglich getaufte „Rassejuden“). Die bis 1938 in Lindau verbliebenen Juden litten unter der [[Reichspogromnacht]], in deren Rahmen sie in das Haus der Spiegels, das damit als eine Art [[Ghetto]] fungierte, eingewiesen wurden.<ref name="Spiegel" />
Der zum evangelischen Glauben konvertierte Arzt Otto Davidson wurde kurzzeitig in das Stadtgefängnis einquartiert.<ref name="Gedenkweg-Davidson">Karl Schweizer, Heiner Stauder: ''Lindauer Gedenkweg. Verfolgung und Widerstand 1933–1945.'', Lindau 2010, S. 56 ff.</ref> Die Geschäfte jüdische Besitzer wurden in der Folgezeit „[[Arisierung|arisiert]]“.

Die Lindauer Juden wurden bis zum Ende des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] gänzlich ermordet, inhaftiert oder zur unfreiwilligen Ausreise gedrängt.<br />[TAG2]
Zu den Opfern der Gewaltherrschaft zählen ''Julius Herzberger'', im italienischen Exil zum Selbstmord getrieben, samt Ehefrau, die Familie ''Schlumberger'', deren Mitglied Ernst wider der [[Nürnberger Rassengesetze]] geheiratet und ein Kind gezeugt hatte, sowie die Familien ''Spiegel'' und ''Weil''. Letztere kamen fast vollständig in [[Konzentrationslager]]n um. ''Werner Nördlinger'' und ''Joseph Spiegel'' gelang die rechtzeitige Emigration in die [[Vereinigte Staaten|Vereinigten Staaten]]<ref name="SpiegelNördlinger" />; andere, wie ''Dr.&nbsp;Davidson'', der 1945 seine Praxis wiedereröffnete, überlebten das Konzentrationslager.<ref name="Gedenkweg-Davidson" /> An die Ermordeten erinnert eine Gedenktafel in der [[Peterskirche (Lindau)|Lindauer Peterskirche]].

Auf dem Lindauer Friedhof gedenkt man[WORDS?] mittels einer Tafel Arbeiterinnen und Arbeitern aus [[Ostarbeiter|Osteuropa]], die in den Lagern Friedrichshafen und Saulgau zu Tode gekommen waren, unter ihnen befanden sich auch[FILLWORD?] Juden.<ref>[http://www.alemannia-judaica.de/schwaben_friedhoefe.htm#Lindau%20(LI) Jüdische Friedhöfe in Bayern, Abschnitt Lindau auf alemannia-judaica.de], abgerufen am 12. Januar 2014</ref><ref>Karl Schweizer, Heiner Stauder: ''Lindauer Gedenkweg. Verfolgung und Widerstand 1933–1945.'', Lindau 2010, S.&nbsp;54 ff.</ref>

In der frühen Nachkriegszeit bot ein [[DP-Lager]] in Lindau Platz für etwa 30 heimatlose Juden. Das Lager im Ortsteil [[Zech (Lindau)|Zech]] bestand aus [[Displaced Person]]s, die vom französischen Sektor Berlins überstellt worden waren.<ref>[http://www.after-the-shoah.org/index.php?id=31&tx_aftertheshoah_aftertheshoah%5Bobject%5D=212&tx_aftertheshoah_aftertheshoah%5Baction%5D=show&tx_aftertheshoah_aftertheshoah%5Bcontroller%5D=Object&cHash=7edc1fd5420f1e9f2e4a7eadeabb9f16 ''Lindau – Jüdisches DP-Lager'' auf after-the-shoah.org], abgerufen am 12. Januar 2014</ref>

In heutiger Zeit ist wieder eine kleine Anzahl von Juden in der Stadt wohnhaft. Die zuständige Israelitische Kultusgemeinde in Konstanz schweigt sich zum Schutz ihrer Lindauer Mitglieder über deren genaue Zahl aus.

== Siehe auch ==
* [[Geschichte der Juden in Deutschland]]
* [[Jüdisches Leben in Hohenems]]

== Literatur ==
* Karl Schweizer: ''Jüdisches Leben und Leiden in Lindau. Ein Überblick.'' Lindau 1989
* Karl Schweizer, Heiner Stauder: ''Lindauer Gedenkweg. Verfolgung und Widerstand 1933–1945.'' Lindau 2010

== Einzelnachweise ==
<references />

[[Kategorie:Jüdische Geschichte (Bayern)]]
[[Kategorie:Lindau (Bodensee)]]
[[Kategorie:Geschichte (Landkreis Lindau (Bodensee))]]

Erläuterungen

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