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Geprüfter Artikel: Impfung [Bearbeiten in Wikipedia]

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Allgemeine Anmerkungen (weitere unten in dem Wiki-Quelltext):

Legende:
Ist sehr selten sinnvoll.
Ist selten sinnvoll, bitte prüfen.
Ist manchmal sinnvoll, bitte prüfen.
Vorschlag, bitte prüfen, ob sinnvoll.



Wiki-Quelltext mit Anmerkungen:

{{Begriffsklärungshinweis}}

[[Datei:Immunization retusche.jpg|mini|Schutzimpfung eines Kleinkindes]]

Eine '''Impfung''', auch[FILLWORD?] '''Schutzimpfung''' oder '''Vakzination''' (ursprünglich die Infektion mit Kuhpockenmaterial; von lateinisch ''vacca'', ‚Kuh‘) genannt, ist die Gabe eines [[Impfstoff]]es mit dem Ziel, vor einer (übertragbaren) Krankheit zu schützen.<ref>{{§|2|ifsg|juris}} Nr. 9 des [[Infektionsschutzgesetz]]es</ref> Sie dient der Aktivierung des Immunsystems gegen spezifische Stoffe. Impfungen wurden als vorbeugende Maßnahme gegen [[Infektionskrankheit]]en entwickelt. Später wurden für [[Krebsimmuntherapie]]n auch[FILLWORD?] [[Krebsimpfstoff]]e entwickelt.

Eine vorbeugende Impfung gegen eine Infektionskrankheit beruht auf einer spezifischen, aktiven '''Immunisierung'''[BOLD] gegen den [[Krankheitserreger]] und wird daher manchmal auch als ''Aktiv-Impfung'' bezeichnet. Ziel der aktiven Impfung ist es, das körpereigene [[Immunsystem]] zu befähigen, auf eine [[Infektion]] mit dem Erreger so rasch und wirksam zu reagieren, dass daraus keine oder nur eine abgeschwächte Infektionskrankheit resultiert. Es wird zwischen [[Lebendimpfstoff]]en und [[Totimpfstoff]]en unterschieden, zu letzteren gehören auch [[Toxoidimpfstoff]]e. Dagegen handelt es sich bei der [[#Passive Impfung|''Passiv-Impfung'']] (auch ''Heilimpfung'') um eine lediglich passive Immunisierung durch Gabe von [[Antikörper]]n.

Derzeit stehen Impfungen gegen eine Vielzahl von [[Viren|viralen]] und [[Bakterien|bakteriellen]] Infektionskrankheiten zur Verfügung. Weitere Impfstoffe gegen einige bedeutsame Infektionskrankheiten und gegen chronische Infektionen, die [[Krebs (Medizin)|Krebs]] begünstigen, sind derzeit[WORDS?] [[#Neue Impfungen und Entwicklungen|in Entwicklung]].

== Wirkungsweise und Wirksamkeit ==
=== Verabreichung von Impfungen ===
Je nach Impfstoff und Immunisierungsart (passive oder aktive Immunisierung) werden unterschiedliche Applikationsverfahren angewandt: Aktive Impfungen werden [[parenteral]] („unter Umgehung des Magen-Darm-Traktes“) mit einer [[Spritze (Medizin)|Spritze]] vorgenommen. Man unterscheidet dabei [[intradermal]]e („in die Haut“), [[subkutan]]e („unter die Haut“) oder [[intramuskulär]]e („in den Muskel“) [[Injektion (Medizin)|Injektionen]]. Die intradermale Impfung kann auch mit einer [[Lanzette]] oder einer [[Impfpistole]] erfolgen. Für einige wenige Immunisierungen wurde bzw.[ABBREVIATION] wird der Impfstoff [[Peroral|oral]] (in den Mund, „[[Schluckimpfung]]“) oder [[Applikationsform|nasal]] (in die Nase) verabreicht, versuchsweise auch mit Hautpflaster.
Die meisten aktiven Impfungen werden jedoch [[intramuskulär]] in den Oberarm ([[Musculus deltoideus]]) verabreicht. Bei Kindern ist auch[FILLWORD?] eine Injektion in den Oberschenkel ([[Musculus vastus lateralis]]) zulässig; bei kleinen Kindern kommt es nach bestimmten Impfungen zu weniger Lokalreaktionen, wenn diese in den Oberschenkel erfolgen.<ref>L. A. Jackson, D. Peterson, J. C. Nelson, S. M. Marcy, A. L. Naleway, J. D. Nordin, J. G. Donahue, S. J. Hambidge, C. Balsbaugh, R. Baxter, T. Marsh, L. Madziwa, E. Weintraub: ''Vaccination site and risk of local reactions in children 1 through 6 years of age.'' In: ''Pediatrics.'' Band 131, Nummer 2, Februar 2013, S.&nbsp;283–289, {{DOI|10.1542/peds.2012-2617}}, PMID 23319538.</ref> Die Injektion von aktiven Impfstoffen in den Gesäßmuskel ([[Musculus glutaeus maximus]]) gilt aufgrund geringerer Wirksamkeit und häufigerer Komplikationen laut der [[Ständige Impfkommission|Ständigen Impfkommission]] (STIKO) als obsolet.
Passive Immunisierungen hingegen werden häufig in den Gesäßmuskel verabreicht.
Die [[Pulverinjektion]] ist ein in der Entwicklung befindliches Impfverfahren, bei welchem der feste Impfstoff mit hoher Geschwindigkeit in die [[Epidermis (Wirbeltiere)|Epidermis]] geschossen wird.

[[Datei:Immunisierung export.png|mini|Schema der Aktiven/Passiven Immunisierung]]

=== Aktive Impfung ===
Die aktive Impfung ist die Impfung im medizinischen Sinne und beruht auf einer aktiven Immunisierung. Dabei wird das [[Immunsystem]] zur Bildung einer erregerspezifischen [[Immunkompetenz]] angeregt, ohne die Infektionskrankheit selbst durchmachen zu müssen.
Hierzu dienen Lebend- oder Totimpfstoffe. Der Lebendimpfstoff enthält abgeschwächte, noch vermehrungsfähige Erreger, welche die Krankheit beim immunkompetenten Impfling nicht auslösen. Bei einem Totimpfstoff wurden diese Erreger dagegen abgetötet oder es liegen nur noch Bruchstücke des Erregers vor. Nach Eindringen des Impfstoffs in den Körper werden seine Eiweiße ([[Protein]]e) und/oder [[Zucker]]moleküle durch im Blut zirkulierende und/oder gewebsständige immunkompetente [[Leukozyt|weiße Blutkörperchen]] als körperfremde Antigene erkannt. Es folgt die primäre [[Immunantwort]] durch erregerspezifische Prägung immunkompetenter [[Lymphozyt]]en in Form langlebiger [[Gedächtniszelle]]n. Entscheidend für den Schutz bei einer späteren Infektion ist, dass für den Körper die Antigene des Impfstoffs denen des Erregers der Infektionskrankheit weitgehend gleichen. Kommt es nun[FILLWORD?] zur Infektion, so erkennen die Gedächtniszellen am eingedrungenen Erreger die Antigene des früheren Impfstoffes und bewirken, dass sich einerseits Lymphozyten zu kurzlebigen [[Plasmazelle]]n differenzieren, die [[Humorale Antwort|Antikörper]] produzieren, andererseits zu [[T-Lymphozyt]]en und [[NK-Zelle]]n, welche die zelluläre Abwehr darstellen.<ref>A. F. Ochsenbein, D. D. Pinschewer, S. Sierro, E. Horvath, H. Hengartner, R. M. Zinkernagel: ''Protective long-term antibody memory by antigen-driven and T help-dependent differentiation of long-lived memory B cells to short-lived plasma cells independent of secondary lymphoid organs.'' In: ''[[Proceedings of the National Academy of Sciences]].'' Band 97, Nummer 24, November 2000, S.&nbsp;13263–13268, {{DOI|10.1073/pnas.230417497}}, PMID 11069289, {{PMC|27213}}.</ref> Die Impfung soll also das Vorbestehen einer [[Immunität (Medizin)|Immunität]] gegen den Erreger bewirken, so dass es auf Grund spezifischer und schneller Immunantwort nach Infektion nicht zur Infektionskrankheit kommt. Toxoidimpfstoffe, die nur den biologisch inaktiven Bestandteil (Toxoid) des [[Toxin]]s eines Erregers enthalten (z.&nbsp;B. das Tetanus-Toxoid), gehören ebenfalls zu den Totimpfstoffen. Sie vermindern nicht die Vermehrung der Erreger im Körper. Bei Infektionen, die übertragbar sind, unterbrechen sie also nicht die Infektionskette, verhindern aber[FILLWORD?] die Infektionskrankheit bei den Geimpften, insoweit bei ihnen die Toxine der Erreger nicht wirksam werden.

Unterschiedliche Lebendimpfstoffe können entweder simultan oder im Abstand von mindestens vier Wochen verabreicht werden. Für Totimpfstoffe unter sich oder in Kombination mit Lebendimpfstoffen gibt es keine notwendigen Abstände.

Zu den aktiven Immunisierungen, die keine Impfung darstellen, gehören [[Hyposensibilisierung]]en beispielsweise bei [[Heuschnupfen]] und Allergie gegen [[Hausstaubmilben]] oder [[Insektengiftallergie|Insekten]].

=== Passive Impfung ===
Wenn eine Person in Gefahr steht, eine ernsthafte Infektionskrankheit zu erleiden, weil sie Kontakt mit dem betreffenden Erreger hatte, ohne bereits durch [[stille Feiung]] oder Impfung hiergegen geschützt zu sein, ist die passive Impfung (ggf. eine Simultan-Impfung – s.&nbsp;u.) indiziert: Hierbei wird dem Empfänger [[Immunserum]] injiziert, welches in hoher Konzentration Antikörper gegen den Krankheitserreger enthält. Es handelt sich also nicht um eine Impfung im medizinischen Sinne, da das eigene Immunsystem nicht selbst Antikörper herstellt, also „passiv“ bleibt, sondern diese außerhalb des Impflings hergestellt werden. Hierzu verwendet man[WORDS?] bevorzugt gentechnologisch auf Zellkulturen hergestellte [[Monoklonaler Antikörper|monoklonale menschliche Antikörper]], oder, soweit solche nicht zur Verfügung stehen, Extrakte aus dem Blut von Menschen, die die betreffende Infektionskrankheit (ungewollt) durchgemacht haben, oder aus dem Blut von Tieren, die gezielt mit dem Erreger infiziert worden waren. Die passive Immunisierung ist also eine Notfallmaßnahme im Sinne einer [[Postexpositionsprophylaxe]]. Beispielhaft hierfür sind Verletzungen mit Verschmutzung der Wunde (Verdacht auf eine Infektion mit [[Tetanus|Wundstarrkrampf]]), Bisse durch oder Schleimhautkontakt mit bestimmten Wildtieren (Verdacht auf [[Tollwut]]) oder der Kontakt von medizinischem Personal mit Blut von Patienten, die Träger der Erreger von Hepatitis B sind (insbesondere nach [[Nadelstichverletzung]]).

Der Vorteil von Immunseren ist der schneller einsetzende Schutz: Die Antikörper müssen nicht erst innerhalb von ein bis zwei Wochen gebildet werden, sondern stehen gleich nach der Injektion des Immunserums zur Verfügung. Nachteilig ist, dass der Schutz nur einige Wochen anhält, danach sind die verabreichten Antikörper vom Empfänger abgebaut, und sein Organismus ist durch eine neuerliche Infektion mit demselben Erreger wieder gefährdet. Das liegt daran, dass das Immunsystem durch die Gabe von Immunserum nicht stimuliert wird, über Gedächtniszellen ein eigenes Immungedächtnis hinsichtlich der Erreger auszubilden.

Falls das Immunserum vom Tier oder Mensch stammt, kommt als weiterer Nachteil hinzu, dass es abgesehen von den gewünschten Antikörpern Spuren von [[Protein|Fremdeiweiß]] oder [[Polysaccharid]]en des Spenders enthalten kann. Das Immunsystem des Empfängers setzt dann[FILLWORD?] eine Kaskade immunologischer Reaktionen gegen diese als körperfremde Antigene empfundenen Bestandteile in Gang. Diese führen dazu, dass die im Impfserum angereicherten Antikörper schneller ausgeschieden werden und damit kürzer als gewünscht wirksam bleiben. Bei wiederholter Gabe von Fremdserum besonders derselben Tierart kann es außerdem zu einer unerwünschten allergischen Reaktion des Empfängers in Form einer [[Serumkrankheit]] oder eines [[Allergischer Schock|allergischen Schocks]] kommen. Daher werden solche Immunseren nach Möglichkeit durch monoklonale Antikörper ersetzt.

Bis circa 1965 gab es beispielsweise keine [[mensch]]lichen Antikörper gegen Tetanus, so dass man[WORDS?] auf tierische angewiesen war. Hierbei hatte sich die Reihenfolge [[Hauspferd|Pferd]], [[Hausrind|Rind]], [[Hausschaf|Hammel]] etabliert.<ref name="buch978-3-87870-482-9">Andreas Hummel: ''Arzneimittellehre.'' Vincentz Network, 2004, ISBN 3-87870-482-8, S. 544. {{Google Buch |BuchID=zjTZ9SjbIqIC |Seite=544}}</ref>

Eingeführt wurde die ''passive Immunisierung'' 1890 von [[Emil von Behring]], als er ein Heilverfahren gegen [[Diphtherie]] entwickelte, bei welchem er aus Pferdeblut isolierte Antikörper verwendete.

Eine wichtige und weit verbreitete ''natürliche'' Form der passiven Immunisierung gegen Infektionskrankheiten ist die [[#Mutter-Kind-Immunisierung|Mutter-Kind-Immunisierung]].

Zu den passiven Immunisierungen, die sich nicht gegen Infektionskrankheiten richten, gehören die Injektion von Anti-D-Immunserum an Schwangere, falls beim Neugeborenen ein [[Morbus haemolyticus neonatorum]] droht, und die Injektion von [[Antivenin]] nach Schlangenbissen.

=== Simultanimpfung ===
Wenn ein Patient mit möglicherweise oder bekannt unzureichendem Immunschutz im Verdacht steht, sich mit Erregern einer gefährlichen Infektionskrankheit infiziert zu haben, wird er neben der aktiven Schutzimpfung eine passive Immunisierung erhalten, um einer lebensbedrohlichen Infektion vorzubeugen. Eine solche gleichzeitige aktive und passive Immunisierung eines Patienten wird als ''Simultanimpfung'' bezeichnet. Hierbei spritzt man[WORDS?] den aktiven und passiven Impfstoff an verschiedenen Körperstellen, damit die injizierten Antikörper nicht sofort die Antigene (oder Toxine) der Schutzimpfung resorbieren.

=== Mutter-Kind-Immunisierung ===
Die Mutter-Kind-Immunisierung, auch[FILLWORD?] [[Nestschutz]] oder Leihimmunität genannt, beruht auf zwei möglichen Vorgängen:
Zum einen geben Schwangere, die nach Infektionen oder Impfungen einen entsprechenden Antikörpertiter entwickelt haben, diese Antikörper über die [[Placenta]] an das Ungeborene weiter, das dadurch nach der Geburt für einige Wochen bis Monate in gewissem Umfang geschützt ist.
Zum anderen versorgen stillende Mütter den Säugling mit ähnlicher Wirkung über die Muttermilch mit Antikörpern.<ref>{{Literatur |Titel=Immunschutz durch Muttermilch |Online=https://www.spektrum.de/magazin/immunschutz-durch-muttermilch/822831 |Abruf=2018-07-31}}</ref>
Diese von der Mutter aufgenommenen Antikörper schützen allerdings[FILLWORD?] nicht gegen alle Infektionskrankheiten. Die allgemein und in Deutschland insbesondere durch die Ständige Impfkommission empfohlenen Kinder-Impfungen sollen daher so frühzeitig erfolgen, dass keine Lücke in der Erreger-Abwehr entsteht.<ref>{{Internetquelle |url=https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/Bedeutung/Schutzimpfungen_20_Einwaende.html;jsessionid=25F15A5B1707C22C5CFAB83DA11B8161.2_cid363#doc2378400bodyText8 |titel=RKI - Bedeutung von Impfungen - Antworten des Robert Koch-Instituts und des Paul-Ehrlich-Instituts zu den 20 häufigsten Einwänden gegen das Impfen |zugriff=2018-07-31}}</ref>

=== Wirksamkeit ===
{| class="wikitable float-right"
|+ Historischer Vergleich jährlicher Infektionsfälle in den USA vor und nach der Einführung von Impfprogrammen <small>(Stand 1999)</small>.<ref name="CDC1999">{{Literatur |Autor=[[Centers for Disease Control and Prevention]] (CDC) |Titel=Impact of Vaccination Universally Recommended for Children – United States, 1900–1998 |Sammelwerk=MMWR, Morbidity and Mortality Weekly Report |Band=48 |Nummer=12 |Jahr=1999 |Monat=Apr. |Seiten=243–248 |PMID=10220251}}</ref>
|- class="hintergrundfarbe6"
! Impfstoff
! &nbsp;vorher<br />(Jahr)&nbsp;
! nachher<br />(Jahr)&nbsp;
|-
| [[Diphtherie]]&nbsp; &nbsp;
| 175.885&nbsp; &nbsp;<br />(1922) || 1<br />(1998)
|-
| [[Haemophilus influenzae b-Infektion|Haemophilus Influenzae B]]&nbsp; &nbsp; &nbsp; || 20.000&nbsp; &nbsp;<br />(1982) || 54<br />(1998)
|-
| [[Keuchhusten]]&nbsp; &nbsp; || 147.271<br />(1925) || 6.279<br />(1998)
|-
| [[Masern]]&nbsp; &nbsp; || 503.282<br />(1962) || 89<br />(1998)
|-
| [[Mumps]]&nbsp; &nbsp; || 152.209<br />(1968) || 606<br />(1998)
|-
| [[Pocken]]&nbsp; &nbsp; || 48.164<br />(1904) || 0<br />(1998)
|-
| [[Röteln]]&nbsp; &nbsp; || 47.745<br />(1968) || 345<br />(1998)
|}

Keine Impfung kann hundertprozentig vor der jeweiligen Erkrankung schützen. Impfungen senken aber[FILLWORD?] die Erkrankungswahrscheinlichkeit deutlich. Die Schutzwirkung unterscheidet sich je nach Impfung. Die jeweilige Wirksamkeit der unterschiedlichen Impfungen (englisch: ''vaccine efficacy'') ist durch umfangreiche Studien dokumentiert und von staatlichen Stellen bestätigt.<ref name="pink">Centers for Disease Control and Prevention; J. Hamborsky, A. Kroger, S. Wolfe (Hrsg.): ''Epidemiology and Prevention of Vaccine-Preventable Diseases – The Pink Book.'' 13. Auflage. 2. Druck. Public Health Foundation, Washington DC 2015, [https://www.cdc.gov/vaccines/pubs/pinkbook/index.html Onlineausgabe], abgerufen am 27. Juli 2017.</ref>

Die jeweilige Schutzwirkung lässt sich [[Labormedizin|laborchemisch]] durch die Messung der gegen den Erreger oder dessen Bestandteile gebildeten Antikörperkonzentration, den [[Titer (Medizin)|Antikörpertiter]], abschätzen. Entscheidend ist die Wirksamkeit im Rahmen von [[Klinische Studie|klinischen Studien]], nach Möglichkeit in Form [[Randomisierte, kontrollierte Studie|randomisierter kontrollierter Studien]]. Hierbei werden die Studienteilnehmer zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Man vergleicht dabei die Häufigkeit und Schwere der Infektionskrankheit in der [[Studiengruppe]], also bei Menschen oder Tieren, die den zu beurteilenden Impfstoff erhalten haben, mit derjenigen in der [[Kontrollgruppe]], also bei Menschen oder Tieren, die keinen oder einen bereits bekannten Impfstoff erhalten haben. Wirksamkeitsnachweise, bei welchen Menschen gezielt mit Erregern schwerwiegender Infektionskrankheiten infiziert werden, verbieten sich aus ethischen Gründen, da hierbei Kontrollgruppe und Studiengruppe einem unvertretbaren Risiko ausgesetzt werden. Die [[Arzneimittelzulassung|Zulassung]] von Impfstoffen erfolgt in Europa nach den Richtlinien der [[Europäische Arzneimittelagentur|Europäischen Arzneimittelagentur]] und der entsprechenden staatlichen Behörden. Sie setzt präklinische und klinische Prüfungen voraus und verlangt weitere Kontrollen nach Markteinführung. In Deutschland prüft und überwacht das [[Paul-Ehrlich-Institut]] die Zulassung von Impfstoffen. Kriterien und Vorgehen sind in anderen entwickelten Staaten wie etwa den USA und Kanada ähnlich.

Es gibt Impfungen, die bisher lediglich den Krankheitsverlauf abmildern und somit nur vor den schlimmsten Komplikationen schützen. Das ist vor allem dann[FILLWORD?] der Fall, wenn die betreffenden Erreger ihre Eigenschaften durch [[Antigenshift]] oder [[Antigendrift]] häufig ändern, wie bei den Erregern von Influenza, und wenn die Erreger in zahlreichen Antigen-Subtypen zirkulieren, wie bei den Pneumokokken. Staatliche Stellen bewerten die Impfstoffe hinsichtlich ihres Nutzens und sprechen anschließend eine amtliche Empfehlung aus.<ref name="RoKo1" /> Die Empfehlungen haben kassen-, haftungs- und arztrechtliche Folgen.

Moderne Impfstoffe gegen Tetanus, Hepatitis, Meningokokken, Pneumokokken und Gebärmutterhalskrebs enthalten als Wirkungsverstärker das Salz [[Aluminiumhydroxid#Wirkungsverstärker in Impfstoffen|Aluminiumhydroxid]], um die Anzahl der notwendigen Impfzyklen zu senken.

Seit Einführung der Impfungen in den USA sank die [[Inzidenz (Medizin)|Zahl der jährlichen Erkrankungen]] von Diphtherie, Mumps, Keuchhusten und Tetanus um mehr als 92 %, während die [[Mortalität|Zahl der an diesen Krankheiten Verstorbenen]] um mindestens 99 % zurückging. Poliovirus, Masern sowie das Rötelnvirus gelten in den Vereinigten Staaten als ausgerottet, 1980 konnte die Welt von der [[Weltgesundheitsorganisation]] (WHO) für pockenfrei erklärt werden.<ref name="PMID_18000199">{{Literatur |Autor=S. W. Roush, T. V. Murphy; Vaccine-Preventable Disease Table Working Group |Titel=Historical comparisons of morbidity and mortality for vaccine-preventable diseases in the United States |Sammelwerk=JAMA |Band=Band 298 |Nummer=18 |Datum=2007 |Seiten=2155–2163 |PMID=18000199}}</ref>

Umgekehrt starben weltweit nach Schätzung der WHO und der Global Alliance for Vaccines and Immunization ([[GAVI Alliance|GAVI]]) allein im Jahr 2002 über zwei Millionen Menschen an Infektionskrankheiten, die durch eine Impfung hätten verhindert werden können. Durch Impfprogramme diese Todesursachen zu verringern ist daher ein primäres Ziel der WHO. Die Erfolge dieser Impfprogramme belegen die Wirksamkeit des Impfens. Die meisten verfügbaren Impfstoffe sind im Abschnitt ''[[#Empfohlene Impfungen|Empfohlene Impfungen]]'' aufgelistet.

Zur Kosten-Nutzen-Relation am Beispiel der Pneumokokkenimpfung: Silvia Evers et al. von der Universität Maastricht haben dazu Zahlen berechnet. Als obere Schranke galten dabei 50.000&nbsp;Euro pro qualitätsgleichem Lebensjahr (QALY; 1 QALY entspricht kurz gesagt einem in völliger Gesundheit verbrachten Lebensjahr). Maßnahmen, die weniger als 50.000&nbsp;Euro pro QALY kosten, gelten Gesundheitsökonomen als kosteneffizient. Evers’ Analyse erstreckte sich auf zehn europäische Länder. Es ergaben sich Kosten-Nutzen-Verhältnisse zwischen 9239 (Dänemark) und 23.657&nbsp;Euro pro QALY (Schweden). Deutschland rangiert in diesen Berechnungen mit 17.093&nbsp;Euro pro QALY im Mittelfeld. In Deutschland wird die Pneumokokken-Impfung für chronisch Kranke (Diabetiker, Asthmatiker, COPD- und [[Herz-Kreislauf-Erkrankung|Herz-Kreislauf-Kranke]]) sowie für über 60-Jährige empfohlen.<ref>''Mehr Nutzen als Kosten.'' In: ''Ärztliche Praxis.'' 5. August 2008, S. 6.</ref>

=== Abschwächung der Wirksamkeit durch Wechselwirkung mit Schmerzmitteln ===
Impfstoffe sind Arzneimittel, und bei gleichzeitigem Einwirken mehrerer Arzneimittel können [[Arzneimittelwechselwirkung]]en auftreten. Sie können bestehen in einer Steigerung oder Senkung der Wirksamkeit, im Verstärken oder Vermindern bekannter oder im Auftreten neuer Nebenwirkungen. In letzter Zeit mehren sich die Hinweise, dass bestimmte Medikamente aus der Gruppe der [[Nichtsteroidales Antirheumatikum|nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) bzw.[ABBREVIATION] nichtsteroidale Antiphlogistika]] wie Acetylsalicylsäure (Aspirin), aber auch andere [[Nichtopioid-Analgetikum|Nichtopioid-Analgetika]] wie [[Paracetamol]] und davon abgeleitete Substanzen die Wirksamkeit von Impfstoffen herabsetzen können.<ref name="Blaho_2009">V. A. Blaho, M. W. Buczynski, E. A. Dennis, C. R. Brown: ''Cyclooxygenase-1 orchestrates germinal center formation and antibody class-switch via regulation of IL-17.'' In: ''Journal of Immunology.'' Band 183, Nummer 9, November 2009, S.&nbsp;5644–5653, {{DOI|10.4049/jimmunol.0901499}}, PMID 19843949, {{PMC|2857380}}.</ref><ref name="Prymula_2009">R. Prymula, C. A. Siegrist, R. Chlibek, H. Zemlickova, M. Vackova, J. Smetana, P. Lommel, E. Kaliskova, D. Borys, L. Schuerman: ''Effect of prophylactic paracetamol administration at time of vaccination on febrile reactions and antibody responses in children: two open-label, randomised controlled trials.'' In: ''[[The Lancet]].'' Band 374, Nummer 9698, Oktober 2009, S.&nbsp;1339–1350, {{DOI|10.1016/S0140-6736(09)61208-3}}, PMID 19837254. {{Webarchiv|text=(PDF) |url=http://soniped.org/articulos/FCKeditor/UserFiles/File/Efecto%20Profilactico%20del%20Paracetamol.pdf |wayback=20111114151511 |archiv-bot=2018-03-25 13:40:43 InternetArchiveBot }}</ref><ref name="UnivRo031109">{{Internetquelle |url=http://www.urmc.rochester.edu/news/story/index.cfm?id=2675 |titel=Common Pain Relievers May Dilute Power of Flu Shots |zugriff=2011-07-27 |hrsg=University of Rochester Medical Center (URMC)}}</ref><ref name="Spiegel online_2009">{{Internetquelle |url=http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,661478,00.html |titel=Schmerzmittel schwächen Impfschutz |zugriff=2009-12-04 |hrsg=Spiegel online}}</ref> Das wird darauf zurückgeführt, dass diese Pharmaka ihre fiebersenkende und (bei den NSAR) auch entzündungsmindernde Wirkung dadurch erzielen, dass sie hemmend auf bestimmte [[Enzym]]e, die [[Cyclooxygenasen]] (COX), einwirken, weshalb sie auch [[COX-2-Hemmer|Cyclooxygenasehemmer]] genannt werden. Die an der [[Prostaglandinsynthese]] beteiligten COX spielen aber eine wichtige Rolle auch bei der [[Immunabwehr]]. Das Blockieren des Enzyms hat offenbar die Nebenwirkung, die Produktion schützender [[Antikörper]] nach einer Impfung zu verringern, da die terminale Differenzierung der [[B-Zelle]]n zu antikörperproduzierenden [[Plasmazelle]]n beeinträchtigt wird.<ref name="PMID20050331">{{Literatur |Autor=M. P. Bernard, R. P. Phipp |Titel=Inhibition of cyclooxygenase-2 impairs the expression of essential plasma cell transcription factors and human B-lymphocyte differentiation |Sammelwerk=Immunology |Band=129 |Nummer=1 |Datum=2010 |Seiten=87–96 |PMID=20050331}}</ref><ref name="Bancos_2009">{{Literatur |Autor=S. Bancos, M. P. Bernard, D. J. Topham, R. P. Phipps |Titel=Ibuprofen and other widely used non-steroidal anti-inflammatory drugs inhibit antibody production in human cells |Sammelwerk=Cell Immunol |Band=258 |Nummer=1 |Datum=2009 |Seiten=18–28 |PMID=19345936}}</ref> Daher wird empfohlen, einige Zeit vor und nach der Impfung auf COX-hemmende Medikamente zu verzichten.<ref name="WXXI">{{Internetquelle |url=http://wxxinews.org/post/over-counter-pain-drugs-may-affect-vaccine-strength |titel=Over-the-Counter Pain Drugs May Affect Vaccine Strength |zugriff=2011-07-27 |hrsg=WXXI}}</ref><ref name="Lungenärzte_im_Netz_2009">{{Internetquelle |url=http://www.lungenaerzte-im-netz.de/lin/linaktuell/show.php3?id=1745&nodeid=18 |titel=Impfeffekt kann durch manche Medikamente deutlich abgeschwächt werden |zugriff=2009-12-04 |hrsg=Lungenärzte im Netz}}</ref><ref name="Medscape Today">{{Internetquelle |url=http://www.medscape.com/viewarticle/713336/ |titel=Effect of Prophylactic Paracetamol Administration at Time of Vaccination on Febrile Reactions and Antibody Responses in Children F1000 Ranking: „Exceptional“ and Changes Clinical Practice" |zugriff=2011-07-26 |hrsg=Medscape}}</ref>

=== Auffrischung ===
Nach der ''Grundimmunisierung'' sind für die langfristige Erhaltung der Immunität gegen die meisten Erreger regelmäßige ''Auffrischimpfungen'' notwendig. Die Auffrischimpfung (auch als ''Boosterimpfung'' oder ''Wiederholungsimpfung'' bezeichnet) unterscheidet sich von der Grundimmunisierung dadurch, dass sie schon mit der einmaligen Gabe einer geringeren Impfstoffdosis innerhalb kurzer Zeit wieder zu einem ausreichenden klinischen Schutz des Patienten führt.
Die Empfehlungen für den Zeitpunkt solcher Auffrischimpfungen basieren auf Anwendungsbeobachtungen einzelner Impfstoffe und hängen sowohl von der Art des Erregers als auch des Impfstoffs ab: Einige Impfungen können auch ohne Auffrischung einen Schutz vermitteln, der sehr wahrscheinlich ein Leben lang reicht. So konnte bei gegen Pocken geimpften Personen noch bis zu 88&nbsp;Jahre nach der Impfung die Immunität nachgewiesen werden, die vergleichbar war mit einer überstandenen Erkrankung.<ref name="PMID19028201">D. D. Taub, W. B. Ershler, M. Janowski, A. Artz, M. L. Key, J. McKelvey, D. Muller, B. Moss, L. Ferrucci, P. L. Duffey, D. L. Longo: ''Immunity from smallpox vaccine persists for decades: a longitudinal study.'' In: ''The American journal of medicine.'' Band 121, Nummer 12, Dezember 2008, S.&nbsp;1058–1064, {{DOI|10.1016/j.amjmed.2008.08.019}}, PMID 19028201, {{PMC|2610468}}.</ref>
Bei Personen, die gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft wurden, fanden sich zum größten Teil noch nach 20 Jahren ausreichend hohe Antikörpertiter.<ref name="PMID18419470">I. Davidkin, S. Jokinen, M. Broman, P. Leinikki, H. Peltola: ''Persistence of measles, mumps, and rubella antibodies in an MMR-vaccinated cohort: a 20-year follow-up.'' In: ''The Journal of infectious diseases.'' Band 197, Nummer 7, April 2008, S.&nbsp;950–956, {{DOI|10.1086/528993}}, PMID 18419470.</ref> Ähnliches gilt offenbar für Impfungen gegen Hepatitis A. Andere Impfstoffe, wie beispielsweise der Impfstoff gegen Keuchhusten, benötigen nach aktueller Empfehlung alle zehn Jahre eine Auffrischimpfung, da der Antikörperspiegel nach vier bis zwölf Jahren nachlässt. Eine natürliche Immunität durch Infektion mit Keuchhusten lässt jedoch ebenfalls nach vier bis 20 Jahren nach.<ref name="PMID15876927">A. M. Wendelboe, A. Van Rie, S. Salmaso, J. A. Englund: ''Duration of immunity against pertussis after natural infection or vaccination.'' In: ''The Pediatric infectious disease journal.'' Band 24, Nummer 5 Suppl, Mai 2005, S.&nbsp;S58–S61, PMID 15876927.</ref> Dagegen muss die [[Grippeimpfung|Impfung gegen Influenza]] mit den bisherigen Impfstoffen jährlich wiederholt werden.

Nicht verwechselt werden sollte die Auffrischimpfung mit den notwendigen Teilimpfungen, die je nach Impfstoff für eine abgeschlossene Grundimmunisierung notwendig sind.

=== Nebenwirkungen ===
Die Nebenwirkungen der heute amtlich empfohlenen Impfungen sind in der Regel[WORDS?] so gering, dass sie nicht oder als nicht wesentlich wahrgenommen werden. Unterschieden wird dabei zwischen ''Impfreaktion'' und ''Impfkomplikation''.

Bei der Bewertung von Reaktionen nach einer Impfung muss stets bedacht werden, dass Impfungen bei gesunden Menschen durchgeführt werden und eine anschließende Erkrankung stark empfunden wird. Die Erwartung schwerer Nebenwirkungen kann zu einer gesteigerten Selbstbeobachtung führen ([[Nocebo-Effekt]]). Als Folge können zufällig auftretende Befindlichkeitsstörungen, die normalerweise gar nicht beachtet werden, plötzlich bewusst wahrgenommen und irrtümlich der Impfung angelastet werden.

Als sogenannte ''Impfreaktion'' werden kurzzeitig und vorübergehende Lokal- und Allgemeinreaktionen bezeichnet. Diese können als temporäre, leichtere Nebenwirkungen Schmerzen, Spannung und Schwellung an der Injektionsstelle, Abgeschlagenheit oder Kopf- und Gliederschmerzen auftreten. In [[Blindstudie|Doppelblind]]-Versuchen ohne Einwirkung von Erregern, bei denen die eine Hälfte der Freiwilligen den Impfstoff, die andere Hälfte eine Kochsalzlösung oder ein [[Aluminiumhydroxid]]-haltiges [[Adjuvans]] injiziert bekommt, berichten beide Gruppen bei den meisten amtlich empfohlenen Impfstoffen über quantitativ und qualitativ ähnliche Nebenwirkungen: z.&nbsp;B. Schwindel, Kopfschmerzen, Schwächegefühl, Muskelschmerzen.

{| class="wikitable float-right"
|+ Gegenüberstellung der Komplikationen von Erkrankung und nach Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR).<ref name="Meyer2004" />
|- style="background:#DDDDDD;"
! Symptom/Erkrankung
! &nbsp;Komplikationsrate &nbsp;<br />bei Erkrankung&nbsp;
! Komplikationsrate<br />nach Impfung&nbsp;
|- style="background:#DDDDDD;"
! !! Masern !! MMR
|-
| [[Exanthem]]
| 98 % || 5 %, abgeschwächt
|-
| [[Fieber]]&nbsp; &nbsp; || 98 %, meist hoch || 3 bis 5 %, sehr selten hoch
|-
| [[Fieberkrampf|Fieberkrämpfe]] || 7 bis 8 % || ≤ 1 %
|-
| Verminderung der [[Thrombozyt]]enzahl || 1/3000 || 1/30.000 bis 1/50.000
|-
| [[Enzephalitis]] || 1/1000 bis 1/10.000 || < 1/1.000.000 (unsicher)
|- style="background:#EEEEEE;"
| [[Letalität]] || 1/1000 bis 1/20.000 || 0
|- style="background:#DDDDDD;"
! !! Mumps !! MMR
|-
| Entzündung der [[Speicheldrüse]] || 98 % || 0,5 %
|-
| [[Bauchspeicheldrüse]] || 2 bis 5 % || 0,5 %
|-
| [[Hodenentzündung]] bei Jugendlichen &nbsp;<br />und erwachsenen Männern || 20 bis 50 % || 1/1.000.000
|-
| [[Meningitis]] || ~ 15 % || 1/1.000.000
|-
| Taubheit || 1/20.000 || 0
|- style="background:#DDDDDD;"
! !!Röteln !! MMR
|-
| Gelenkbeschwerden<br />bei Frauen || 40 bis 70 %, anhaltend || 1/10.000, meist<br />kurz und schwach
|-
| [[Enzephalitis]] || 1/6000 || 0
|- style="background:#EEEEEE;"
| Verminderung der Thrombozytenzahl || 1/3000 || 1/30.000 bis 1/50.000
|-
| [[Rötelnembryofetopathie]] bei<br />Infektion in der Schwangerschaft || > 60 % || 0
|}

Eine ''Impfkomplikation'' ist dagegen eine über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehende Komplikation infolge einer Impfung. Lebendimpfstoffe können in seltenen Fällen zu einem Ausbruch der Krankheit führen, gegen welche geimpft wurde. Zum Beispiel treten bei drei bis fünf Prozent der Impfungen gegen Masern so genannte „Impfmasern“ auf. Die Nebenwirkungen der Impfung beinhalten dann die Symptome der Krankheit, beispielsweise leichter Ausschlag, Fieber und andere bei Impfmasern, jedoch verläuft diese in der Regel leichter als die „natürliche“ Infektion. In sehr seltenen Fällen kann es zu einem [[allergisch]]-[[Anaphylaktischer Schock|anaphylaktischen Schock]] als Reaktion auf die Inhaltsstoffe einer Impfdosis kommen. Neben dem Wirkstoff selber können enthaltene Zusatzstoffe wie z.&nbsp;B. Aluminiumverbindungen, Quecksilberverbindungen [[Thimerosal|(Thiomersal)]], [[Formaldehyd]] und [[Antibiotikum|Antibiotika]] oder Stoffe aus der Herstellung des Wirkstoffs wie [[Eiklar|Hühnereiweiß]] eine solche Reaktion auslösen. Über dieses Risiko, ebenso wie über das Risiko der Impfung, haben die Ärzte vor der Impfung [[Ärztliche Aufklärung|ausreichend aufzuklären]]. Wer impft, muss durch Übung und geeignete Ausrüstung darauf vorbereitet sein, mögliche lebensbedrohliche allergische Reaktionen auf eine Impfung zu behandeln.

Seit dem 1. Januar 2001 gilt für Ärzte in Deutschland die im [[Infektionsschutzgesetz]] (IfSG) verankerte „Meldeverpflichtung eines Verdachtes einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung“.<ref>[http://www.pei.de/DE/arzneimittel/impfstoff-impfstoffe-fuer-den-menschen/informationen-zu-impfstoffen-impfungen-impfen.html Meldeverpflichtung] [[Paul-Ehrlich-Institut]].</ref> Nach §&nbsp;6 Abs.&nbsp;1, Nr.&nbsp;3 IfSG besteht eine Meldepflicht für Ärzte an das Gesundheitsamt, wenn nach einer Impfung auftretende Symptome, die über eine Impfreaktionen hinausgehen, in einem ursächlichen Zusammenhang mit der Impfung stehen könnten. Dieses Meldesystem ist ein sogenanntes Spontanerfassungssystem, um frühzeitig Risikosignale von Impfnebenwirkungen zu erkennen, welche bei der Zulassung nicht erfasst wurden. Bis zum 31. Dezember 2003 wurden in allen Altersgruppen 3328 Fälle von möglichen Impffolgen registriert (in drei Jahren, bei etwa 30 Millionen Impfdosen/Jahr). Von diesen Betroffenen trugen vier Prozent einen bleibenden Schaden davon und 1,6 % verstarben (hauptsächlich belegte Koinzidenzen). In der Mehrzahl der dem [[Paul-Ehrlich-Institut]] (PEI) gemeldeten Verdachtsfälle wurde der [[Kausalität|Kausalzusammenhang]] zwischen Impfung und Erkrankung als unwahrscheinlich bewertet. In den anderen Fällen war der kausale Zusammenhang mit der Impfung wegen fehlender valider wissenschaftlicher Daten nicht beurteilbar. Ein Zusammenhang zwischen Impfung und Reaktion gilt nur bei 0,2 % aller IfSG-Meldungen als gesichert. In Deutschland besteht ein Anspruch auf Leistungen der Versorgungsämter, wenn eine Gesundheitsstörung ''möglicherweise'' auf eine öffentlich empfohlene Impfung zurückzuführen ist. Der Patient braucht jedoch nicht zu beweisen, dass die Impfung ursächlich für seine Krankheit war.<ref>Vergl. [https://www.gesetze-im-internet.de/ifsg/__61.html Infektionsschutzgesetz, 12. Abschnitt, § 61 Gesundheitsschadensanerkennung]</ref>

Im Vergleich der Zahlen der möglichen Impfreaktionen mit den erfolgten Impfungen im selben Zeitraum ergibt sich ein sehr geringes Risiko, beispielsweise 250 IfSG-Meldungen zu möglichen Reaktionen von etwa sechs bis acht Millionen Impfdosen auf den MMR-Impfstoff im selben Zeitraum.<ref name="Keller2004">B. Keller-Stanislawski et al.: ''Verdachtsfälle von Impfkomplikationen nach dem IfSG und Verdachtsfälle von Nebenwirkungen nach dem Arzneimittelgesetz vom 1. Januar 2001 bis zum 31. Dezember 2003.'' In: ''Bundesgesundheitsbl.'' 47, 2004, S. 1151–1164 [[doi:10.1007/s00103-004-0946-9]].</ref> Die Rate der Meldungen hängt trotz der gesetzlichen Meldepflicht von der Motivation und Fähigkeit der Ärzte ab, weshalb mit einer Dunkelziffer gerechnet werden muss. Daher ist die Spontanerfassung allein nicht geeignet, die Häufigkeit von Impfnebenwirkungen abzuschätzen. Hierfür dienen aktiv erfassende [[Pharmakovigilanz]]systeme und auf die jeweilige Impfkomplikation ausgerichtete Studien.

=== „Falsche“ Gegenanzeigen ===
Häufig unterbleiben indizierte Impfungen (oder werden auf unbestimmte Zeit verschoben und schließlich vergessen), weil bestimmte Umstände irrtümlich als Impfhindernis angesehen werden. Nach Angaben des [[Robert-Koch-Institut]]s<ref name="STIKO-Bulletin-34">STIKO: Mitteilung der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (RKI). [https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2014/Ausgaben/34_14.pdf?__blob=publicationFile ''Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut/Stand: August 2014.''] In: ''Epidemiologisches Bulletin.'' Nr. 34, 2014.</ref>{{Rp|319–320}} sind dies insbesondere:
* banale Infekte, auch[FILLWORD?] wenn sie mit leichtem Fieber einhergehen (bis 38,5&nbsp;°C),
* Fieberkrämpfe in der Patienten-Vorgeschichte,
* Antibiotika-Einnahme,
* Immunschwäche (Ausnahme sind bestimmte Lebendimpfstoffe; allgemein gilt jedoch, dass gerade immungeschwächte Personen auf den Impfschutz besonders angewiesen sind) und
* chronische Krankheiten (im Gegenteil ist gerade bei chronisch Kranken eine Impfung besonders wichtig).

== Wirkungsweise auf die Verbreitung von Infektionskrankheiten ==
Der vorstehende Abschnitt beschreibt die Wirkung einer Impfung auf ein Individuum, im Folgenden wird die Wirkung einer Impfung auf die Verbreitung von Infektionskrankheiten in einer Bevölkerung beschrieben. Das Spezialgebiet der [[Mathematische Modellierung der Epidemiologie|mathematischen Modellierung in der Epidemiologie]] untersucht das epidemiologische Verhalten von Infektionskrankheiten und kann die Auswirkungen von Impfprogrammen berechnen. Außer bei Toxoidimpfstoffen gewähren hohe Durchimpfungsraten in einer [[Population (Biologie)|Population]] zusätzlich zur [[Immunität (Medizin)|Immunität]] der Geimpften eine [[Herdenimmunität]] (kollektive Immunität), die die Ungeimpften ebenso vor einer Erkrankung schützt, weil mit der hohen Impfrate die Zirkulation des Erregers innerhalb der Population eingeschränkt wird. Die fehlende [[Exposition (Medizin)|Exposition]] bewahrt auch[FILLWORD?] ungeimpfte Personen wie [[Säugling]]e, ältere Menschen oder [[Immundefizienz|immundefiziente]] [[Patient]]en vor Infektionskrankheiten, gegen welche sie selbst nicht immun sind. Wird beim lokalen Ausbruch einer Infektionskrankheit versucht, durch eine rasche Impfaktion noch eine Herdenimmunität aufzubauen, spricht man[WORDS?] auch[FILLWORD?] von einer [[Riegelimpfung]].

Nach Einschätzung des [[Robert-Koch-Institut]]s gehören Impfungen zu den ''„wichtigsten und wirksamsten [[Krankheitsprävention|präventiven Maßnahmen]], die in der Medizin zur Verfügung stehen“''.<ref name="RoKo2">{{Internetquelle |url=http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/impfen.html |titel=Impfen |zugriff=2012-05-09 |hrsg=[[Robert-Koch-Institut]]}}</ref> So haben umfassende Impfprogramme seit Mitte des 20. Jahrhunderts zur massiven Reduktion verschiedener [[Infektionskrankheit]]en oder sogar[WORDS?] zu deren regionaler oder – wie im Falle der [[Pocken]] – globaler Ausrottung geführt.<ref name="CDC1">{{Internetquelle |url=http://www.cdc.gov/mmwr/preview/mmwrhtml/00056803.htm |titel=Achievements in Public Health, 1900–1999 Impact of Vaccines Universally Recommended for Children -- United States, 1990–1998 |zugriff=2012-05-09 |hrsg=[[Centers for Disease Control and Prevention]]}}</ref><ref name="ÄZ1">{{Internetquelle |url=http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/impfen/article/803336/kommentar-impfprogramm-beispiellosem-erfolg.html |titel=Impfprogramm mit beispiellosem Erfolg |zugriff=2012-05-09 |hrsg=[[Ärzte Zeitung]]}}</ref> Mithin zählt die Gesundheitsbehörde der USA, die [[Centers for Disease Control and Prevention]] (CDC), die Impfung zu den zehn herausragenden Errungenschaften der Medizin und des [[öffentliches Gesundheitswesen|öffentlichen Gesundheitswesens]].<ref name="CDC2">{{Internetquelle |url=http://www.cdc.gov/mmwr/preview/mmwrhtml/mm6024a4.htm |titel=Ten Great Public Health Achievements --- Worldwide, 2001–2010 |zugriff=2012-05-09 |hrsg=[[Centers for Disease Control and Prevention]]}}</ref><ref name="CDC3">{{Internetquelle |url=http://www.cdc.gov/mmwr/preview/mmwrhtml/00056796.htm |titel=Ten Great Public Health Achievements – United States, 1900–1999 |zugriff=2012-05-09 |hrsg=[[Centers for Disease Control and Prevention]]}}</ref> Die Impfung ist damit der bedeutsamste Teil der [[Dispositionsprophylaxe]] innerhalb des allgemeinen [[Infektionsschutz]]es.

Noch im zwanzigsten Jahrhundert kam es bis zur [[Eradikation]] der Pocken 1978 zu weltweit geschätzten 375 Millionen Todesfällen, weitere inzwischen durch Impfung kaum noch auftretende Infektionskrankheiten forderten in den USA im zwanzigsten Jahrhundert noch 39 Millionen Erkrankungen. Es wird geschätzt, dass weiterhin jährlich 1,5 Millionen Kinder (drei pro Minute) an durch Impfung verhinderbaren Infektionen sterben.<ref>Gary J. Nabel: ''Designing Tomorrow's Vaccines'' [[New England Journal of Medicine]] 2013; Band 368, Ausgabe 6 vom 7. Februar 2013, S. 551–560.</ref>

== Impfprogramme ==
=== Pocken ===
[[Datei:Smallpox.jpg|mini|Pocken]]

Die [[Pocken]], auch[FILLWORD?] Blattern genannt, sind eine gefährliche Infektionskrankheit. Das Pockenvirus kann direkt von Mensch zu Mensch durch [[Tröpfcheninfektion]] beim Husten übertragen werden. Symptome sind starkes Fieber, Schüttelfrost und die typischen Bläschen an fast allen Stellen des Körpers, die zu Pockennarben führen. In schwereren Fällen können [[Erblindung]], [[Gehörlosigkeit|Taubheit]], [[Lähmung]]en oder Hirnschäden auftreten sowie in 30 % der Fälle der Tod.

Durch ein konsequentes Impf- und Bekämpfungsprogramm der Weltgesundheitsorganisation WHO und anderer Gesundheitsorganisationen wurde erreicht, dass 1980 die Welt von der WHO für pockenfrei erklärt werden konnte. Der weltweit letzte Fall wurde im Jahr 1977 in [[Merka]] (Somalia) bei einem nicht geimpften Koch dokumentiert. Durch die Impfung von über 50.000 Menschen in seiner Umgebung wurde sichergestellt, dass von dort keine Epidemie mehr entstehen konnte.<ref>Colette Flight: [http://www.bbc.co.uk/history/british/empire_seapower/smallpox_01.shtml#four Smallpox: eradicating the scourge] BBC. Publiziert am 17. Februar 2011. Abgerufen am 4. Januar 2015.</ref>

Die [[Pockenimpfstoff|Pockenimpfung]] selbst ist eine nicht ganz komplikationsfreie Impfung mit einem [[Lebendimpfstoff]] und wird heutzutage nicht mehr durchgeführt, da keine unmittelbare Bedrohung mehr besteht. Dennoch sind weitere Pockeninfektionen, z.&nbsp;B. durch Laborunfälle oder [[Bioterrorismus]], nicht völlig ausgeschlossen.

=== Kinderlähmung ===
[[Datei:Polio sequelle.jpg|mini|hochkant|Mädchen mit deformiertem rechten Bein als Folge einer Kinderlähmung]]

Die [[Kinderlähmung]] oder Poliomyelitis ist eine durch das Poliovirus übertragene Infektionskrankheit. Während die meisten Erkrankungen einen unkomplizierten und nahezu symptomfreien Verlauf aufweisen, verlaufen 10–20 % schwerwiegender mit starken Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, [[gastrointestinal]]en Symptomen und Muskelschmerzen. Bei 0,1 % aller Infektionen werden weiterhin die [[Nervenzelle]]n des [[Rückenmark]]es und/oder des [[Gehirn]]s von dem Virus direkt befallen: dies ist die ''paralytische'' Poliomyelitis-Form, bei der dauerhafte [[Lähmung]]en auftreten. Bei den letzten größeren Epidemien in Deutschland 1952/53 wurden immerhin 15.000&nbsp;paralytische Fälle bekannt. Diese Lähmungen führen in 1–4 % der Fälle zum Tode. Neben diesen akuten Folgen entwickeln bis zu 60 % der Menschen, die früher wegen akuter Poliomyelitis im Krankenhaus behandelt werden mussten, noch Jahre später [[Post-Poliomyelitis-Syndrom|Post-Poliomyelitis-Symptome]], etwa in Form von starken Ermüdungserscheinungen, Muskelkrämpfen, Schmerzen.

Im Jahr 1962 (in der [[Deutsche Demokratische Republik|DDR]] bereits ab 1960) wurde die orale Poliomyelitis-Schutzimpfung in Deutschland wie auch[FILLWORD?] in anderen europäischen Ländern eingeführt. Bereits 1965, nur vier Jahre nach Beginn der ersten Impfkampagne, hatte sich die Zahl der im Bundesgebiet erfassten Erkrankungen auf weniger als 50&nbsp;Neuerkrankungen reduziert. Im Vergleich zu den 4.670 gemeldeten Neuerkrankungen im Jahr 1961 war das ein Rückgang um 99 %. Die letzten beiden einheimischen Erkrankungen durch Polio-Wildviren traten in Deutschland in den Jahren 1986 und 1990 auf, die letzten importierten Fälle wurden 1992 erfasst.

Die „[[Schluckimpfung]]“ gegen Polio war die Ursache für eine seltene, aber[FILLWORD?] schwerwiegende Impfkomplikation. Die vermehrungsfähigen abgeschwächten Impfviren konnten in das Wildtypvirus rückmutieren und mit einer Häufigkeit von 1:890.000 bei der Erstimpfung eine ''Vakzine-assoziierte Poliomyelitis'' (VAPP) verursachen. Da das Poliovirus inzwischen aus Europa weitgehend verschwunden ist, wurde dieses Risiko als nicht mehr akzeptabel erachtet. Deshalb wird seit 1998 gegen Polio ein Totimpfstoff (IPV) ohne dieses Nebenwirkungsrisiko injiziert.

[[Datei:Vaccination-polio-india.jpg|mini|hochkant|Durchführung der Schluckimpfung gegen Poliomyelitis in Indien]]

Im Jahr 1980, nach offizieller Ausrottung der Pocken, setzte sich die WHO die globale Ausrottung der Poliomyelitis als Ziel. Drei der sechs WHO-Regionen werden inzwischen als „Polio-frei“ bezeichnet (Amerika 1994, Westpazifik 2000, Europa 2002). Durch ausgedehnte Impfprogramme konnte Polio auch[FILLWORD?] weitestgehend in Afrika und Asien zurückgedrängt werden. Inzwischen gelten nur noch wenige Länder als endemisch für Polioviren (Nigeria, Pakistan, Afghanistan). Bei nachlassenden Impfbemühungen in den Nachbarländern kommt es jedoch immer wieder zu Ausbrüchen der Poliomyelitis durch Re-Importe, zuletzt 2006 in Namibia.<ref>WHO: [http://www.who.int/csr/don/2006_06_07/en/index.html ''Poliomyelitis in Namibia'']. Disease Outbreak News, 6. Juni 2006.</ref> Seit Januar 2014 gilt die Poliomyelitis in Indien als ausgerottet.<ref>{{Internetquelle |url=http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2014/03/Art_03.html |titel=Indien ist poliofrei |werk=rki.de |datum=2014-01-20 |zugriff=2014-12-27}}</ref>

Da die Poliomyelitis noch nicht ausgerottet ist, ist die Gefahr auch[FILLWORD?] für Europa noch nicht gebannt. So kam es beispielsweise in einem Teil der [[Niederlande]] in den Jahren 1992/93 – also mitten im sonst schon Polio-freien Europa – zu einer regionalen Polio-Epidemie, die innerhalb weniger Wochen trotz der relativ kleinen Bevölkerungszahl Dutzende von lebenslang Gelähmten und einige Tote zur Folge hatte. Ein Teil der Bevölkerung dort verweigert aus religiösen Gründen jede Impfung. Abgesehen davon ist dieser Teil der niederländischen Bevölkerung genau so gut gebildet, gesundheitlich und mit Nahrung und Wohnungen versorgt usw. wie der Rest des Landes. Die Analyse des Virus ergab, dass der spezielle für diesen Ausbruch verantwortliche Virusstamm wahrscheinlich nicht von außen importiert worden war, sondern innerhalb der nicht geimpften Population überlebt hatte.<ref>P. M. Oostvogel, J. K. van Wijngaarden, H. G. van der Avoort, M. N. Mulders, M. A. Conyn-van Spaendonck, H. C. Rümke, G. van Steenis, A. M. van Loon: ''Poliomyelitis outbreak in an unvaccinated community in The Netherlands, 1992-93.'' In: ''[[The Lancet]].'' Band 344, Nummer 8923, September 1994, S.&nbsp;665–670, PMID 7915354.</ref> Bei Nachlassen der Polio-Durchimpfungsraten könnte die Kinderlähmung somit rasch wieder nach Europa zurückkehren.

=== Masern ===
[[Datei:RougeoleDP.jpg|mini|hochkant|Typisches [[Exanthem]] bei Masern]]
[[Datei:Masern in den USA, 1950 - 2016.png|mini|Abnahme der Zahl der Masernerkrankungen und Masern-Todesfälle nach Einführung der Impfung (Datensatz USA)]]

Neben der Poliomyelitis hat die WHO auch[FILLWORD?] die globale Eliminierung der [[Masern]] als Ziel vorgegeben. Derzeit ist dies auf den Kontinenten Amerika und Australien sowie in Skandinavien erreicht worden. Seit 1973 wird die Masern-Impfung in Deutschland empfohlen, und heutzutage werden etwa 90 % Durchimpfungsraten bei Schulanfängern erreicht. Die bundesweite [[Inzidenz (Medizin)|Inzidenz]] der Masern im Jahr 2004 betrug deutschlandweit 0,15 pro 100.000&nbsp;Einwohner (121&nbsp;gemeldete Masernfälle insgesamt). Sie lag damit erstmals in allen Bundesländern unter dem Schwellenwert von 1 pro 100.000&nbsp;Einwohner. Dennoch entstehen immer wieder lokale Ausbrüche der Masern, von denen insbesondere ungeimpfte Kinder betroffen sind, beispielsweise Masernepidemien mit schweren Komplikationen und Todesfällen in Hessen, Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen in den Jahren 2005 bis 2008.<ref name="rki_masern">Robert-Koch-Institut: ''Masern im Jahr 2005 und Ausbrüche in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen in der ersten Hälfte des Jahres 2006.''In: ''Epidemiologisches Bulletin.'' Nr. 27, 7. Juli 2006 [http://edoc.rki.de/documents/rki_fv/rebX9rKkzYgIQ/PDF/2614gZ347n8OCg2.pdf (PDF)]</ref> Im Jahr 2005 wurden dem [[Robert-Koch-Institut]] 780&nbsp;Masernerkrankungen gemeldet (0,95&nbsp;Fälle pro 100.000&nbsp;Einwohner), 2006 waren es bis September bereits 2242 (2,72 Fälle pro 100.000 Einwohner).<ref name="survstat">[http://www3.rki.de/SurvStat/ Robert-Koch-Institut – SurvStat@RKI], Datenstand 4. Oktober 2006.</ref> Diese Ausbrüche bleiben Dank der hohen Durchimpfung jedoch meist regional begrenzt.

Die Schweiz wurde seit 1999 von drei Masernepidemien betroffen: im Jahr 2003, von Ende 2006 bis Sommer 2009 und im Jahr 2011. Der Ausbruch 2006–2011 war erheblich, insgesamt wurden 4371&nbsp;Fälle gemeldet.<ref>Masernepidemiologie in der Schweiz: heute und in
jüngster Zeit. BAG Bulletin Nr. 17 vom 22. April 2013, S. 276–277.</ref> Eine schlechte Durchimpfungsrate wird für den starken Ausbruch verantwortlich gemacht.<ref>BAG: ''Neue Welle der Masernepidemie Anfang 2009: Beschreibung und Maßnahmen'' 2009 ([{{Toter Link|inline=ja|date=2017-06-08|url=http://www.bag.admin.ch/themen/medizin/00682/00684/01087/index.html?lang=de&download=NHzLpZig7t,lnp6I0NTU042l2Z6ln1acy4Zn4Z2qZpnO2Yuq2Z6gpJCHe31_g2ym162dpYbUzd,Gpd6emK2Oz9aGodetmqaN19XI2IdvoaCUZ,s-}} PDF])</ref> Weltweit sind die der WHO gemeldeten Erkrankungen von etwa vier Millionen (Durchimpfung 13 %) im Jahr 1980 auf etwa 500.000&nbsp;Fälle (Durchimpfung 80 %) im Jahr 2003 und 139.300&nbsp;Fälle (Durchimpfung 85 %) im Jahr 2010 gesunken.<ref name="who">{{Internetquelle |url=http://www.who.int/immunization/documents/control/ISBN_978_92_4_150339_6/en/ |titel=Global Measles and Rubella Strategic Plan 2012–2020 |hrsg=Weltgesundheitsorganisation (WHO) |datum=2012-05-03 |zugriff=2015-01-04 |format=PDF |sprache=en}} ISBN 978-92-4-150339-6.</ref>

=== Weitere laufende Impfprogramme ===
Bei anderen Infektionskrankheiten wie [[Diphtherie]], [[Tetanus]], [[Keuchhusten]] und anderen ist zwar eine weltweite Ausrottung nicht erreichbar, aber[FILLWORD?] die in deutschsprachigen und vielen anderen Ländern erreichten Erfolge der Schutzimpfung sind sehr eindrucksvoll. Beispielsweise wurde seit 2000 kein Erkrankungsfall der Diphtherie mehr in Deutschland gemeldet. Gegenwärtig sind 97 % der Kinder mit vorhandenem [[Impfausweis]] ausreichend gegen Diphtherie geimpft. Bei den Erwachsenen haben nur noch etwa 30 % [[Antikörper]] in schützender Menge, weil ihnen vielfach Auffrischimpfungen fehlen, die in 10-jährigem Abstand vorgenommen werden sollten. Ungeschützte Jugendliche und Erwachsene sind daher gegenwärtig Nutznießer der hohen Populationsimmunität bei den Kindern. Bei Kontakt zu einem importierten Erkrankungsfall, bei Kontakten zu infizierten Personen aus [[Epidemie]]- oder [[Endemie]]gebieten oder bei Reisen in Endemiegebiete sind sie jedoch gefährdet.

Bei der Bekämpfung des [[Keuchhusten]]s (Pertussis) wurden im alten Bundesgebiet und in der DDR unterschiedliche Strategien verfolgt. Von 1974 bis 1991 wurde die Impfung in der BRD aus Furcht vor einzelnen Impfnebenwirkungen nur noch für Kinder mit individuell hohem Erkrankungsrisiko empfohlen. Dies führte zu einer sehr niedrigen Impfrate (weniger als zehn Prozent) und einer entsprechend hohen Erkrankungsrate bei Säuglingen und Kindern. In der DDR war die Pertussis-Schutzimpfung seit 1964 etabliert, es wurden Impfraten von rund 90 % erreicht. Der Keuchhusten war bei den Klein- und Schulkindern weitgehend eliminiert, die noch nicht geschützten Säuglinge profitierten vom Impfschutz ihrer älteren Geschwister. Direkt nach der Wiedervereinigung kam es in den neuen Bundesländern zu einem deutlichen Rückgang der Impfraten und nachfolgend zu einem Wiederanstieg der [[Morbidität]], was sich aufgrund der fortgesetzten Erfassung durch Meldung der Pertussis in den neuen Bundesländern nachweisen lässt: es folgte ein Anstieg von 0,2 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner im Jahr 1991 auf 20,4 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner im Jahr 2000. Weder die Impfung noch die abgelaufene Erkrankung mit Keuchhusten garantieren einen lebenslangen Schutz vor einer neuen Erkrankung. Keuchhusten ist nur für Kleinkinder gefährlich, für alle anderen belastend und langwierig. Zudem führt die Behandlung auch zu einem massiven Antibiotika-Einsatz in den betroffenen Familien mit der Gefahr einer vermehrten [[Resistenzentwicklung]] in der Bevölkerung. Dies wäre bei einer Erhöhung der Impfimmunität vermeidbar (diese liegt bei Kindern derzeit[WORDS?] bei 87 %). Der Versuch einer weitgehenden Eliminierung dieser Erkrankung würde regelmäßige Wiederimpfungen sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen erfordern.<ref name="rki2002">Robert-Koch-Institut: ''Impfpräventable Krankheiten in Deutschland bis zum Jahr 2000.'' In: ''Epidemiologisches Bulletin.'' Nr. 7, 2002 [http://edoc.rki.de/documents/rki_fv/rewfsQVGV4llc/PDF/271jHKpuyo1.pdf (PDF)]</ref><ref name="rki23-2005">Robert-Koch-Institut: ''Zum Auftreten von Pertussis in den neuen Bundesländern.'' In: ''Epidemiologisches Bulletin.'' Nr. 23, 2005 [http://edoc.rki.de/documents/rki_fv/rey9xGVfxOWE/PDF/206TfK.pdf (PDF)]</ref>

Mittlerweile konnte die [[Pneumokokken-Impfung]] ihre Wirksamkeit auf epidemiologischer Ebene nachweisen. Sie senkte bei den unter Zweijährigen drastisch die Zahl der Hospitalisierungen durch [[Pneumonie]]n.<ref name="aerzteblatt-28086">{{Internetquelle |url=http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/28086/Pneumokokkenimpfung-Weniger-Pneumonie-Hospitalisierungen-und-weniger-Otitis-media |titel=Pneumokokkenimpfung: Weniger Pneumonie-Hospitalisierungen und weniger Otitis media |werk=[[Deutsches Ärzteblatt|aerzteblatt.de]] |datum=2007-04-10 |zugriff=2014-12-27}}</ref>

=== Neue Impfungen und Entwicklungen ===
Impfstoffe gegen die meisten Arten von [[Enterovirus|Enteroviren]], gegen [[Hepatitis C]], [[Tuberkulose]], [[Syphilis]], [[Gonorrhoe]], [[HIV]], [[Ebolavirus|Ebola]] und durch [[Parasit]]en wie [[Plasmodien]] ausgelöste Krankheiten wie insbesondere die [[Malaria]] stehen bisher nicht zur Verfügung. Mehrere neue Impfstoffe befinden sich aber[FILLWORD?] in der Entwicklung, Zulassung oder bereits Markteinführung:

In Europa und den USA sind seit 2006 zwei Impfstoffe<ref name="aerzteblatt-52955">{{Literatur |Autor=Renate Leinmüller, Rüdiger Meyer |Titel=[http://www.aerzteblatt.de/archiv/52955/Rotavirus-Infektionen-Orale-Impfstoffe-bieten-umfassenden-Schutz Rotavirus-Infektionen: Orale Impfstoffe bieten umfassenden Schutz] |Sammelwerk=[[Deutsches Ärzteblatt]] |Band=103 |Nummer=40 |Verlag=[[Deutscher Ärzte-Verlag]] |Datum=2006-10-06 |Seiten=A-2650}}</ref> gegen [[Humane Rotaviren]], die Erreger schwerer Durchfallerkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern, zugelassen. Die [[Food and Drug Administration]] ließ im Frühjahr/Sommer 2006 in den USA einen Impfstoff gegen bestimmte [[Humanes Papillomvirus|Papillomaviren]] zu,<ref name="aerzteblatt-24492">{{Internetquelle |url=http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/24492/USA-Zulassung-des-ersten-Impfstoffes-gegen-das-Zervixkarzinom |titel=USA: Zulassung des ersten Impfstoffes gegen das Zervixkarzinom |werk=[[Deutsches Ärzteblatt|aerzteblatt.de]] |datum=2006-06-09 |zugriff=2014-12-27}}</ref> welche neben [[Genitalwarze]]n auch[FILLWORD?] [[Gebärmutterhalskrebs]] verursachen. Dieser Impfstoff, der inzwischen in Deutschland zugelassen wurde und in den meisten Ländern Europas schon erhältlich ist, ist somit neben dem gegen das [[Hepatitis-B-Virus]] ein weiterer, der auch[FILLWORD?] der Prävention gegen bestimmte Krebsarten dient. Im Jahr 2010 wurde in den USA ein therapeutischer Impfstoff zur Behandlung von [[Prostatakrebs]] zugelassen.<ref>{{Literatur |Autor=Eric von Hofe |Titel=Immuntherapie gegen Krebs |Verlag=[[Spektrum der Wissenschaft]] |Ort=Heidelberg |Datum=2012-03 |ISSN=0170-2971 |Seiten=24–30 |Online=http://www.spektrum.de/artikel/604909 |Abruf=2012-02-27}}</ref>

Auch alte Impfstoffe werden im Zuge eines [[Impfstoffdesign]]s beständig weiterentwickelt, um die Reinheit der Produkte zu verbessern, die [[Wirkung (Pharmakologie)|Wirkung]] und die Ansprechraten zu erhöhen. So werden heute viele Impfstoffe nicht mehr durch chemische [[Virusinaktivierung|Inaktivierung]] eines Erregers hergestellt, sondern durch [[Gentechnik]] lassen sich gezielt bestimmte [[immunogen]]e Teile eines Erregers produzieren. Durch die gezielte [[Antigen]]-Auswahl wird so das Immunsystem eines Patienten trotz größerer Anzahl an verfügbaren Impfstoffen weniger Antigenen insgesamt ausgesetzt. Auch neue Applikationsformen werden entwickelt, beispielsweise soll die nasale Applikation eines neuen Influenza-Impfstoffs den natürlichen Infektionsweg besser imitieren.<ref name="PMID17301299">R. B. Belshe, K. M. Edwards, T. Vesikari, S. V. Black, R. E. Walker, M. Hultquist, G. Kemble, E. M. Connor: ''Live attenuated versus inactivated influenza vaccine in infants and young children.'' In: ''[[The New England Journal of Medicine]].'' Band 356, Nummer 7, Februar 2007, S.&nbsp;685–696, {{DOI|10.1056/NEJMoa065368}}, PMID 17301299.</ref> Durch einen [[Adoptiver Zelltransfer|adoptiven Zelltransfer]] kann eine Immunisierung ''[[ex vivo]]'' durchgeführt werden.

Aussichtsreich sind aber auch neue Impfstoffe, beispielsweise gegen ''[[Helicobacter pylori]]'', den Haupterreger von [[Magengeschwür|Magen-]] und [[Ulcus duodeni|Zwölffingerdarmgeschwüren]], und gegen das ''[[Herpes-simplex-Viren|Herpes-simplex-Virus]]'', einen Verursacher von [[Herpes simplex]]. An verschiedenen Impfstoffen gegen die Tropenkrankheit [[Malaria]] wird geforscht.<ref name="PMID12535387">P. Graves, H. Gelband: ''Vaccines for preventing malaria.'' In: ''The Cochrane database of systematic reviews.'' Nummer 1, 2003, S.&nbsp;CD000129, {{ISSN|1469-493X}}, [[doi:10.1002/14651858.CD000129]]. PMID 12535387. (Review).</ref>

Die Entwicklung von Impfstoffen gegen [[HIV]], das [[Epstein-Barr-Virus]] (Auslöser des [[Pfeiffer-Drüsenfieber|Pfeifferschen Drüsenfiebers]]), viele [[Krebs (Medizin)|Krebs-Arten]], weitere Durchfallerkrankungen und viele andere Infektionskrankheiten befinden sich noch in einer frühen klinischen Entwicklungsphase.<ref>WHO-Initiative for Vaccine Research: ''[http://www.who.int/vaccine_research/documents/en/Status_Table.pdf New Vaccines against Infectious Diseases: Research and Development Status].'' (PDF; 85&nbsp;kB). Feb. 2006.</ref>

== Impfmüdigkeit und Gegenmaßnahmen ==
Durch die sogenannte ''„Impfmüdigkeit“'', d.&nbsp;h.[ABBREVIATION] die Vernachlässigung oder bewusste Ablehnung der empfohlenen Schutzimpfungen, treten manche Infektionskrankheiten wieder vermehrt auf. Sinkt die Durchimpfungsrate unter die kritische Schwelle für die [[Herdenimmunität]], stellt die Impfmüdigkeit zudem eine für Risikogruppen wie [[Säugling]]e, [[Alter|Alte]] und immundefiziente [[Patient]]en lebensbedrohende Verhaltensweise dar.

Eine Ursache der Impfmüdigkeit liegt neben der unten dargestellten [[#Contra Impfung|Impfkritik]] in der großen Wirksamkeit der Impfungen selbst und dem durchschlagenden Erfolg der staatlichen Impfprogramme begründet: Zahlreiche Krankheiten, die vor wenigen Generationen noch weit verbreitet und gefürchtet waren, haben ihren Schrecken verloren, da sie heute kaum noch jemand aus eigener Anschauung kennt.<ref name="Thieme_Impfmüdigkeit">{{Internetquelle |url=http://www.thieme.de/viamedici/medizin/krankheiten/impfmuedigkeit.html |titel=Impfmüdigkeit – Folge eines trügerischen Gefühls der Sicherheit |zugriff=2012-05-11 |hrsg=Thieme (Nachdruck aus: ''Deutsche Medizinische Wochenschrift.'' 2005, Band 130, Nr. 7l}})</ref> Infolgedessen bestehen bei Kindern vor allem bei der Mumps-Masern-Röteln- und der Hepatitis-B-Impfung mittlerweile große Impflücken. Termine zur Nachimpfung werden häufiger nicht wahrgenommen, und insbesondere Erwachsene versäumen Auffrischimpfungen gegen Tetanus und Diphtherie. Deshalb kommt es immer wieder zu lokalen Epidemien von Infektionskrankheiten, zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen 2006 zu einer Masern-Epidemie mit über 2000 Erkrankten.<ref name="rki_masern" /> Epidemiologen beobachten mit wachsender Sorge ein Absinken der Impfraten in Deutschland und anderen Industrienationen: so lag die Durchimpfungsrate z. B. bei Masern im Jahr 2009 in manchen Fällen schon bei unter 80&nbsp;Prozent der Bevölkerung, in Deutschland sogar nur um 70&nbsp;Prozent.<ref name="infection-research_01">{{Internetquelle |url=http://www.infection-research.de/perspectives/detail/pressrelease/vaccine_fatigue_the_danger_of_measles/ |titel=Vaccine fatigue: the danger of measles |zugriff=2012-05-11 |hrsg=Infection Research}}</ref><ref name="PMID_20460089">{{Literatur |Autor=P. L. Lopalco, R. Martin |Titel=[http://www.eurosurveillance.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=19557 Measles still spreads in Europe: who is responsible for the failure to vaccinate?] |Sammelwerk=Euro Surveill |Band=15 |Nummer=17 |Datum=2012 |Seiten=pii: 19557 |PMID=20460089}}</ref> Dies liegt weit unter der von der WHO für die hochansteckenden Masern empfohlenen Durchimpfung von mindestens 95&nbsp;Prozent der Bevölkerung, die notwendig wäre, um Krankheitsausbrüche in der Bevölkerung wirksam zu verhindern.<ref name="PMID_20460089" /><ref name="10.1016/S0140-6736(08)61849-8">M. Muscat, H. Bang, J. Wohlfahrt, S. Glismann, K. Mølbak: ''Measles in Europe: an epidemiological assessment.'' In: ''[[The Lancet]].'' Band 373, Nummer 9661, Januar 2009, S.&nbsp;383–389, {{DOI|10.1016/S0140-6736(08)61849-8}}, PMID 19131097.</ref><ref name="Stern_01">''Masern sind nur schwer auszurotten'' [http://www.stern.de/gesundheit/kinderkrankheiten/masern-gefahren-und-warum-die-kinderkrankheit-kein-kinderkram-ist-632744.html Warum Masern so gefährlich sind]</ref>

Daher ist es erklärtes Ziel der Gesundheitsbehörden, die Grundimmunisierungen und Auffrischimpfungen flächendeckend durchzuführen, um die Herdenimmunität der Bevölkerung aufrechtzuerhalten. Als Maßnahmen gegen die Impfmüdigkeit gibt es [[öffentliche Impfempfehlung]]en der Gesundheitsämter ([[Impfkalender]]) und die [[Europäische Impfwoche]] der [[Weltgesundheitsorganisation]] (WHO).

Laut geplantem Epidemiologie-Gesetz, das am 1. Juni 2017 vom deutschen Bundestag verabschiedet werden soll, sollen Eltern, die an der verpflichtenden Impfberatung für ihre Kinder nicht teilnehmen, künftig von Kitas beim Gesundheitsamt gemeldet werden.<ref>[https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/05/26/groehe-will-haertere-strafen-fuer-impfmuede-eltern ''Epidemiologie-Gesetz: Gröhe will härtere Strafen für impfmüde Eltern''], [[Deutsche Apotheker-Zeitung]], 26. Mai 2017.</ref>

== Empfohlene Impfungen ==
Der [[Impfkalender]] der ständigen Impfkommission, der einen Überblick über die in Deutschland empfohlenen Impfungen gibt, sieht wiederholte Impfungen ab dem Säuglingsalter vor: beginnend mit dem 3. Lebensmonat (9. Lebenswoche) bis zum 18. Lebensjahr sollen Kinder gegen verschiedene Krankheitserreger geimpft werden. Für die betreuenden Ärzte besteht die Pflicht, über Vor- und mögliche Nachteile der Impfung aufzuklären. Eine Impfung stellt – wie andere medizinische Behandlungsmaßnahmen auch[FILLWORD?] – juristisch gesehen eine Körperverletzung dar. Die Körperverletzung ist nur dann[FILLWORD?] nicht rechtswidrig, wenn die Einwilligung des Behandelten oder der Eltern vorliegt oder ein Vormundschaftsgericht die Einwilligung der Eltern ersetzt.<ref>[http://www.medizinrecht-aktuell.de/strafverteidigung/13/ Körperverletzung bei Impfung eines Kindes gegen den Willen der Mutter?] Urteil vom 13. Juli 2007, Az.: 5 Cs 135 Js 52229/04 (241/05)</ref> Die Aufklärung des Behandelten oder der Eltern ist die Grundlage dieser Einwilligung. Die Verantwortung der Eltern bezieht sich dabei in erster Linie darauf, ihr Kind vor schweren Krankheiten zu schützen, in zweiter jedoch auch[FILLWORD?] auf die Gesellschaft. Seuchenartige Ausbrüche von Infektionskrankheiten können nur dann[FILLWORD?] wirkungsvoll verhindert werden, wenn ein möglichst hoher Prozentsatz der Bevölkerung geimpft ist. Um dieses Ziel zu erreichen, sind je nach Krankheit und Wirksamkeit des Impfstoffs [[Durchimpfung]]sraten von etwa 90 % erforderlich. ''Näheres zur Berechnung dieser Durchimpfungsraten siehe [[Epidemiologie#Reproduktionsrate|Epidemiologie: Reproduktionsrate]], [[Mathematische Modellierung der Epidemiologie]].'' Eine ''Impfpflicht'' besteht in Deutschland nicht.

Die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission sind in Deutschland Grundlage für die Festlegung der „öffentlich empfohlenen Impfungen“. Letztere werden durch die Gesundheitsbehörden der Bundesländer definitiv festgelegt. Falls durch eine öffentlich empfohlene Impfung ein bleibender Schaden entsteht (dann[FILLWORD?] ''[[Impfschaden]]'' genannt – im Gegensatz zur ''Impfreaktion'' und ''Impfkomplikation''), besteht ein Anspruch auf Entschädigung durch das Versorgungsamt. Seit 1. April 2007 ist der [[Kostenträger]] für alle Impfungen, die laut der Kommission empfohlen werden, die [[Krankenkasse]]. Der Patient braucht hierzu nichts zu zahlen. In der Schweiz erfolgt die Empfehlung durch das Bundesamt für Gesundheit und die Schweizerische Kommission für Impffragen. In Österreich wird der Impfplan vom Obersten Sanitätsrat (Impfausschuss) des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen herausgegeben.

=== Empfehlungen für Deutschland, Schweiz und Österreich ===
Folgende Impfungen werden im August 2014 von der Ständigen Impfkommission in Deutschland empfohlen.<ref>{{Internetquelle |url=http://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/Impfempfehlungen_node.html |titel=Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut |datum=2014-08-25 |zugriff=2015-01-04}}</ref> Diese Empfehlungen entsprechen weitestgehend dem Impfplan der Schweiz<ref>[https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/themen/mensch-gesundheit/uebertragbare-krankheiten/richtlinien-und-empfehlungen/richtlinien-empfehlungen-impfungen-prophylaxe.html Schweizerischer Impfplan 2017]</ref> und dem Impfplan von Österreich.<ref>[https://www.bmgf.gv.at/home/Impfplan Impfplan Österreich]</ref>

{| class="wikitable centered"
|- style="background:#E0E0E0;"
! style="text-align:left;"| Impfung gegen
! style="text-align:left;"| Empfehlung der STIKO
|-
| [[Cholera]]
| nur im Ausnahmefall: auf Verlangen eines Ziel- oder Transitlandes bei Reisen
|-
| [[Diphtherie]]
| Standard für Kinder ab zwei Monaten, Auffrischung für Erwachsene alle zehn Jahre
|-
| [[FSME]]
| Exponierte zu [[Zecken]] in FSME-Risikogebieten (Anwohner, Forstarbeiter u.&nbsp;a.[ABBREVIATION])
|-
| [[HPV-Impfstoff|Gebärmutterhalskrebs/ HPV]]
| Mädchen und junge Frauen vom 9. bis zum vollendeten 17. Lebensjahr
|-
| [[Gelbfieber]]
| bei Reisen in gefährdete Gebiete (tropisches Afrika, Südamerika), teilweise sogar vorgeschrieben
|-
| [[HIB-Impfung|Haemophilus influenzae Typ b]]
| Standard für Kinder ab zwei Monaten<br /> Personen mit anatomischer oder funktioneller [[Asplenie]]
|-
| [[Hepatitis A]]
| Risikogruppen<br />Gefährdetes Personal (Gesundheitsdienst, Forschung, Kanalisation u.&nbsp;a.[ABBREVIATION])
|-
| [[Hepatitis B]]
| Standard für Kinder ab zwei Monaten<br />Risikogruppen<br />Gefährdetes Personal in Gesundheitsdienst
|-
| [[Influenza]]
| Personen über 60 Jahre<br />Personen mit geschwächtem Immunsystem<br />Personen mit chronischen Erkrankungen
|-
| [[Japanische Enzephalitis]]
| Bei Reisen in Endemiegebiete
|-
| [[Masern]]
| Standard für Kinder ab elf Monaten
|-
| [[Meningokokken]] Typ C
| Standard für Kinder ab zwölf Monaten<br /> Personen mit geschwächtem Immunsystem<br />Gefährdetes Personal (Labor, Entwicklungszusammenarbeit u.&nbsp;a.[ABBREVIATION])<br />Jugendliche mit Langzeitaufenthalt in gefährdeten Ländern
|-
| [[Meningokokken]] Typ A, C, W135, Y
| Gefährdetes Personal (Labor, Entwicklungszusammenarbeit u.&nbsp;a.[ABBREVIATION])<br />Jugendliche mit Langzeitaufenthalt in gefährdeten Ländern<br />Reisen in Endemiegebiete
|-
| [[Mumps]]
| Standard für Kinder ab elf Monaten
|-
| [[Keuchhusten|Pertussis (Keuchhusten)]]
| Standard für Kinder ab zwei Monaten, Auffrischung mit fünf bis sechs Jahren, und zwischen dem 9. und 17. Lebensjahr.<br />Alle Erwachsenen, vor allem bei möglichem Kontakt zu Neugeborenen und Säuglingen (Paare mit Kinderwunsch, werdende Eltern und Großeltern etc.)
|-
| [[Pneumokokken]]
| Standard für Kinder ab zwei Monaten bis zwei Jahren<br />Personen über 60 Jahre<br />Personen mit geschwächtem Immunsystem
|-
| [[Poliomyelitis]]
| Standard für Kinder ab zwei Monaten / u.&nbsp;U. Auffrischung
|-
| [[Röteln]]
| Standard für Kinder ab elf Monaten
|-
| [[Rotavirus]]
| Schluckimpfung ab der sechsten Lebenswoche, je nach Impfstoff zwei- oder dreimal im Abstand von vier Wochen
|-
| [[Tetanus]]
| Standard für Kinder ab zwei Monaten, Auffrischung für Erwachsene alle zehn Jahre und ggf. im Verletzungsfall
|-
| [[Tollwut]]
| Personen mit Umgang mit Tieren in Gebieten mit Wildtiertollwut<br />(Tierärzte, Jäger, Forstpersonal u.&nbsp;a.[ABBREVIATION])
|-
| [[Tuberkulose]]
| derzeit nicht empfohlen
|-
| [[Typhus]]
| Bei Reisen in Endemiegebiete
|-
| [[Windpocken]]
| Standard für Kinder ab elf Monaten<br />Seronegative Personen bei Indikation (Organtransplantation, Kinderwunsch bei Frauen u.&nbsp;a.[ABBREVIATION])<br />Seronegatives Personal im Gesundheitswesen
|}

=== Schwangerschaft und Stillzeit ===
Nach aktuellen Empfehlungen des in Deutschland dafür zuständigen [[Robert-Koch-Institut]]s sind Impfungen ''mit Lebendimpfstoffen'' ab drei Monaten vor einer und während der gesamten Schwangerschaft [[Kontraindikation|kontraindiziert]]. Dagegen können fällige Impfungen ''mit Totimpfstoffen'' den werdenden Müttern ''im zweiten und dritten Drittel'' der Schwangerschaft bedenkenlos verabreicht werden; ''im ersten Drittel'' sollten zum Ausschluss jeglichen Risikos für das Kind dagegen nur diejenigen Totstoff-Impfungen vorgenommen werden, die individuell dringend [[Indikation|indiziert]] sind. In der anschließenden [[Stillzeit]] sind Impfungen generell ohne Beschränkungen möglich.<ref>[http://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/AllgFr_AllgemeineFragen/FAQ08.html FAQ des Robert-Koch-Instituts: ''Kann in der Schwangerschaft geimpft werden? Sind Impfungen in der Stillzeit möglich?'' Stand: 21.&nbsp;November 2012]</ref>

=== Kombinationsimpfungen ===
Kombinationsimpfstoffe sind Impfstoffe, die unterschiedliche Komponenten gegen verschiedene Infektionskrankheiten in sich vereinigen und somit Schutz gegen diese Krankheiten mit einer Impfung gewährleisten können. Empfohlen werden Kombinationsimpfungen mit diesen Impfstoffen, weil sie die Handhabung vereinfachen, die Zahl der Injektionen sowie der Impftermine verringern und somit die Kosten senken sowie die Durchimpfungsrate der Bevölkerung verbessern. Die geringere Anzahl der Injektionen ist insbesondere für den Patienten, gerade bei Kindern, angenehmer. Nähere Informationen zu den einzelnen Mehrfachimpfstoffen können den jeweiligen Artikeln zu diesen Impfstoffen entnommen werden.

Der [[MMR-Impfstoff]] ist eine Kombinationslebendimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln. Seit 2006 ist auch[FILLWORD?] ein [[MMRV-Impfstoff]] in Deutschland zugelassen, mit einer zusätzlichen Komponente gegen Varizellen (Windpocken).<ref>Ärzte Zeitung, 28. Juli 2006.</ref> Die ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut empfiehlt im September 2011, dass für die erste Impfung gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen zunächst die getrennte Gabe der kombinierten Masern-Mumps-Röteln-Impfung einerseits und einer Varizellen-Impfung andererseits bevorzugt werden sollte und die zweite Impfung dann[FILLWORD?] mit dem MMRV-Kombinationsimpfstoff erfolgen kann.<ref>[http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2011/Ausgaben/38_11.pdf?__blob=publicationFile Epidemiologisches Bulletin Nr. 38] des Robert-Koch-Instituts vom 26. September 2011, S. 353.</ref>

Im Oktober 2000 wurden erstmals auch [[Hexavalenter Impfstoff|hexavalente Impfstoffe]] in der Europäischen Union zugelassen, die gegen sechs Infektionskrankheiten schützen sollen: [[Kinderlähmung]], [[Diphtherie]], [[Tetanus]], [[Keuchhusten]], [[Haemophilus influenzae]] Typ B-Infektionen sowie [[Hepatitis B]]. Als Alternative bietet sich für Säuglinge die Fünffachimpfung mit gesonderter Immunisierung gegen Hepatitis B an. Dies bedeutet aber[FILLWORD?] jeweils[FILLWORD?] eine zusätzliche Injektion. Eine Infektion mit Hepatitis B ist bei Säuglingen zwar sehr selten, jedoch sind die Folgen schwerwiegend, so dass die Sechsfach-Impfung in Deutschland empfohlen wird und sich inzwischen durchsetzt.

Als weitere Kombinationen kennt man[WORDS?] u.&nbsp;a.[ABBREVIATION] [[DTP-Impfstoff]]e gegen Diphtherie, Tetanus und Pertussis (Keuchhusten), DTP-IPV-Impfstoffe gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis (Keuchhusten) und [[Poliomyelitis]] (Kinderlähmung) sowie einen Kombinationsimpfstoff gegen Hepatitis A und B.

=== Impfpflicht ===
Der Begriff „[[Impfpflicht]]“ wird für eine oder mehrere gesetzlich vorgeschriebene Impfung(en) verwendet.

In Deutschland besteht im Juli 2017 keine Impfpflicht.

Italien beschloss im Mai 2017 die Einführung einer Impfpflicht. Sie gilt für 12 Krankheiten. Kinder ohne Impfung werden in Zukunft nicht mehr in Kindergärten aufgenommen. Eltern drohen hohe Bußgelder, wenn ihre schulpflichtigen Kinder ab sechs Jahren nicht geimpft sind. Auslöser war eine Masernepidemie mit circa 2.395 Fällen.<ref name="Tagesschau-Mai-2017">{{Internetquelle |url=https://www.tagesschau.de/ausland/impfpflicht-italien-101.html |titel=Nach Masernepidemie |titelerg=Italien führt Kinder-Impfpflicht ein |werk=tagesschau.de| datum=2017-05-19 |zugriff=2017-07-17}}</ref>

In der DDR bestand für bestimmte Impfungen im Kindes- und Jugendalter eine gesetzliche Impfpflicht. Eine gesetzlich verankerte Impfpflicht für den Menschen besteht dagegen weder in Deutschland, der Schweiz noch in Österreich, seit in den 1980er Jahren die bis dahin bestehende gesetzliche Impfpflicht gegen Pocken aufgehoben wurde. Allerdings besteht die Möglichkeit, im Notfall entsprechende Anordnungen zu treffen und so mittels Impfpflicht die Bevölkerung zu schützen. In Deutschland ist dies im [[Infektionsschutzgesetz]] (IfSG) mit dem folgenden Wortlaut geregelt: „''§&nbsp;20 (6) Das Bundesministerium für Gesundheit wird ermächtigt, durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates anzuordnen, dass bedrohte Teile der Bevölkerung an Schutzimpfungen oder anderen Maßnahmen der spezifischen Prophylaxe teilzunehmen haben, wenn eine übertragbare Krankheit mit klinisch schweren Verlaufsformen auftritt und mit ihrer epidemischen Verbreitung zu rechnen ist. Das Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit (Artikel 2 Abs. 2 Satz 1 Grundgesetz) kann insoweit eingeschränkt werden.'' […]“. In der Schweiz sieht Artikel 23 Absatz 2 des Epidemiengesetzes<ref>{{Internetquelle |url=http://www.admin.ch/ch/d/sr/818_101/a23.html |titel=SR 818.101 Art. 23 Impfungen (Bundesgesetz über die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten des Menschen) |werk=admin.ch |zugriff=2014-12-27}}</ref> die Möglichkeit für Kantone vor, obligatorische Impfungen einzuführen.

Auch bei Tierimpfungen existieren ähnliche Regelungen, die in Deutschland im [[Tierseuchengesetz (Deutschland)|Tierseuchengesetz]] (TierSG) festgehalten sind. Auf Grund dieses Gesetzes wurde beispielsweise eine Impfpflicht für Rinder, Schafe und Ziegen gegen die Blauzungenkrankheit angeordnet.<ref name="PEI_Blauzungenkrankheit">{{Internetquelle |autor=Andreas Hoffmann, Klaus Cußler |hrsg=Paul Ehrlich Institut |url=http://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/vigilanz/pharmakovigilanz-veterinaermedizin/uaw-impfstoffe-blauzungenkrankheit.pdf?__blob=publicationFile&v=1 |format=PDF |titel=Impfkampagne zur Bekämpfung der Blauzungenkrankheit |titelerg=Erste Analyse und Bewertung der 2008 gemeldeten Impfreaktionen |werk=Pharmakovigilanz |zugriff=2015-01-04 |kommentar=Kopie aus Deutsches Tierärzteblatt 2/2009, S. 166–168}}</ref> Auch in der Schweiz wurde diese Impfpflicht eingeführt.<ref name="BLV">[{{Toter Link|inline=ja|date=2017-06-11|url=http://www.blv.admin.ch/gesundheit_tiere/01973/index.html?lang=de}} Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen zur Blauzungenkrankheit]</ref>

== {{Anker|Contra Impfung}} Impfkritik ==
Bei den Impfkritikern unterscheiden manche Autoren zwischen sogenannten ''Impfgegnern'' und ''Impfskeptikern''. Als Impfgegner bezeichnen sie Personen, die das Impfen generell ablehnen, teilweise auch[FILLWORD?] die Existenz oder Pathogenität von Viren leugnen.<ref>{{Internetquelle|url=http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=38172|titel=Pharmazeutische Zeitung online: Impfgegner: Von Aids-Leugnern und Verschwörungstheoretikern|autor=Avoxa Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH |zugriff=2017-07-24}}</ref> Mit Impfskeptikern sind dagegen Personen gemeint, die lediglich in Einzelaspekten, wie dem richtigen Impfzeitpunkt, von der STIKO abweichen. Während Impfgegner häufig [[pseudowissenschaft]]lich oder [[alternativmedizin]]isch, bisweilen [[dogma]]tisch bis [[Verschwörungstheorie|verschwörungstheoretisch]]<ref name="faz-1840356">{{Internetquelle |url=http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/kritik-an-impfungen-die-schweinegrippe-verschwoerung-1840356.html |titel=Die Schweinegrippe-Verschwörung |autor=Peter-Philipp Schmitt |werk=[[Frankfurter Allgemeine Zeitung#FAZ.NET|FAZ.net]] |datum=2009-08-20 |zugriff=2014-12-27}}</ref> argumentieren, besitzt die Argumentation von Impfskeptikern teilweise eine medizinische Basis.<ref name="Meyer2004">{{Literatur |Autor=C. Meyer, S. Reiter |Titel=Impfgegner und Impfskeptiker – Geschichte, Hintergründe, Thesen, Umgang |Sammelwerk=Bundesgesundheitsbl – Gesundheitsforsch – Gesundheitsschutz, Springer Medizin Verlag |Band=47 |Datum=2004 |Seiten=1182–1188 |Online=http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/Bedeutung/Downloads/Impfgegner_Impfskeptiker.pdf?__blob=publicationFile |DOI=10.1007/s00103-004-0953-x |Abruf=2015-04-30}}</ref> Letztere haben zwar häufig einen akademischen, selten jedoch einen naturwissenschaftlichen Hintergrund.<ref>{{Internetquelle|url=http://faktenfinder.tagesschau.de/impfgegner-103.html|titel=Braucht Deutschland eine Impfpflicht?|autor=tagesschau.de |zugriff=2017-07-24}}</ref>

Von Personen mit ablehnender Haltung wurde bereits bei der ersten Impfung am Anfang des 19. Jahrhunderts berichtet, die sich gegen die gefürchteten [[Pocken]] richtete. Laut [[Robert-Koch-Institut|RKI]] sind schätzungsweise[WORDS?] drei bis fünf Prozent der deutschen Bevölkerung Impfgegner, eine Befragung kam 2014 auf zwei bis vier Prozent.<ref>{{Internetquelle|url=http://faktenfinder.tagesschau.de/impfgegner-103.html|titel=Braucht Deutschland eine Impfpflicht?|autor=tagesschau.de |zugriff=2017-07-24}}</ref> In Ländern mit niedrigerem [[Bildungsstandard]] liegt der Anteil teils deutlich höher.<ref name="RoKo1">{{Internetquelle |url=http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/Bedeutung/Schutzimpfungen_20_Einwaende.html |titel=Schutzimpfungen – 20 Einwände und Antworten des Robert-Koch-Instituts und des Paul-Ehrlich-Instituts |zugriff=2015-01-04 |hrsg=[[Robert-Koch-Institut|date=2013-10-23]]}}</ref> Negative Berichte über [[Impfschaden|Impfschäden]] oder die Leugnung des Impfprinzips selber werden von Impfgegnern in Büchern und in wissenschaftskritischen [[Internetforum|Internet-Foren]] publiziert. Eine Befragung von deutschen [[Hebamme]]n im Mai 2007 ergab, dass zwei Drittel von ihnen die Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) befürworteten, ein Viertel lehnten die MMR-Impfung ab.<ref>[[Robert-Koch-Institut|RKI]]: ''Impfstatus sowie Einstellung und Verhalten von Hebammen zu Impfungen – Ergebnisse einer Querschnittsstudie'', [http://edoc.rki.de/documents/rki_fv/reYq8gLvybNOo/PDF/24iEyYcdYnnL2Y.pdf Epi Bull 21, 2008]</ref> Letzteres verunsichert manche junge Eltern und kann dazu führen, dass sie aus Angst vor der Impfung den Schutz ihrer Kinder vor Infektionskrankheiten verweigern. Impfgegner sind oft durch [[Homöopathie|alternativmedizinische]], [[Anthroposophie|anthroposophische]] oder [[Esoterik|esoterische]] Ansichten motiviert. Nachweislich erhalten die Kinder von Anhängern der Alternativmedizin signifikant seltener die empfohlenen Schutzimpfungen,<ref name="PMID19043817">T. J. Zuzak, I. Zuzak-Siegrist, L. Rist, G. Staubli, A. P. Simoes-Wüst: ''Attitudes towards vaccination: users of complementary and alternative medicine versus non-users.'' In: ''Swiss medical weekly.'' Band 138, Nummer 47–48, November 2008, S.&nbsp;713–718, -R-R0-R-PMID 19043817.</ref> auch[FILLWORD?] unter den Eltern, die [[Attachment Parenting]] nach [[William Sears (Mediziner)|Sears]] praktizieren, finden sich überdurchschnittlich viele Impfgegner.<ref>{{Internetquelle |url=http://www.sciencebasedmedicine.org/cashing-in-on-fear-the-danger-of-dr-sears/ |titel=Cashing In On Fear: The Danger of Dr. Sears |zugriff=2015-01-27}}</ref> So werden [[Masern]]erkrankungen in der [[Schweiz]] seit Jahren im Wesentlichen aus den [[Kanton (Schweiz)|Kantonen]] [[Kanton Basel-Landschaft|Basel-Landschaft]] und [[Kanton Luzern|Luzern]] gemeldet, in welchen Anthroposophen und deren Einrichtungen sehr aktiv sind.<ref name="Tagesanzeiger, 26. Februar 2008">{{Webarchiv |url=http://sc.tagesanzeiger.ch/dyn/news/wirtschaft/845722.html |archive-is=20120927213428 |text=Tages-Anzeiger vom 26. Februar 2008}}: Viele entscheiden sich bewusst, nicht zu impfen</ref> Mehrere hundert[WORDS?] Kinder mussten seither wegen schwerer Masern-Komplikationen in Krankenhäuser eingewiesen werden, ein Mädchen starb.<ref name="BAG">[{{Toter Link|inline=ja|date=2017-06-08|url=http://www.bag.admin.ch/aktuell/00718/01220/index.html?lang=de&msg-id=25194}} BAG, Neue Masernausbrüche in der Schweiz und ein Todesfall], 4. Februar 2009.</ref> Diese Entwicklung ist auch[FILLWORD?] in Deutschland zu beobachten. So starb ein Kleinkind in Berlin während eines größeren Masernausbruchs mit einigen hundert[WORDS?] registrierten Fällen im Herbst 2014.<ref name="Tagesanzeiger, 23. Februar 2015">[http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/medizin-und-psychologie/In-Berlin-stirbt-ein-Kleinkind-an-Masern/story/12780893 Tages-Anzeiger vom 23. Februar 2015]: In Berlin stirbt ein Kleinkind an Masern.</ref>

Zu solchen Ansichten tragen oft übertriebene Angst vor Impfschäden, Misstrauen gegenüber staatlichen Einrichtungen, gegenüber der [[Pharmahersteller|Pharmaindustrie]] und gegenüber der [[Schulmedizin|Medizin im Allgemeinen]] sowie Unwissenheit und irreführende [[Massenmedien|Medienberichte]] bei.<ref>[http://www2.aap.org/immunization/pediatricians/pdf/refusaltovaccinate.pdf Bericht] der [[American Academy of Pediatrics|AAP]] (englisch, pdf; 340&nbsp;kB)</ref> Im Gegensatz dazu stellten die [[Vereinte Nationen|Vereinten Nationen]] und [[UNICEF]] im Jahr 2002 fest, dass jedes Kind ein ''Recht auf Impfung'' gegen verhütbare Krankheiten hat. In der Ausgestaltung des Paragraph 24 der UN-Kinderrechtskonvention,<ref>{{enS|''Convention on the Rights of the Child'', CRC}}</ref> der Kindern das [[Kinderrechtskonvention#Zehn Grundrechte|Recht auf größtmögliche Gesundheit]] zuspricht, wurde zu Impfungen die Position eingenommen, dass „''die Routineimpfung von Kindern notwendig ist, um das Recht der Kinder auf Gesundheit zu gewährleisten''“.<ref name="UNRIC">{{Internetquelle |url=http://www.unric.org/html/german/kinder/presse/7.htm |titel=Sondertagung über Kinder (08.-10. Mai 2002, New York), Vereinte Nationen, UNICEF |zugriff=2012-05-04 |hrsg=Regionales Informationszentrum der Vereinten Nationen für Westeuropa (UNRIC)}}</ref><ref name="impfinformationen">Impfungen und Kinderrechtskonvention. Kurze Stellungnahme, Dr. Wolfgang Maurer {{Webarchiv |url=http://www.impfinformationen.de/startseite/rechtliches/kinderrechtskonvention.html |wayback=20070810092610 |text=Impfungen und Kinderrechtskonvention Kurze Stellungnahme – Autor: DDr. Wolfgang Maurer}}</ref><ref name="PMID_20728762">{{Literatur |Autor=D. N. Durrheim, P. Cashman |Titel=Addressing the immunization coverage paradox: A matter of children's rights and social justice |Sammelwerk=Clin Ther |Band=32 |Nummer=8 |Datum=2010 |Seiten=1496–1498 |PMID=20728762}}</ref>

Nach Angaben der Vereinten Nationen sterben noch immer „''jedes Jahr rund drei Millionen Kinder an Krankheiten, die mit einer bis drei [[Dosis|Einheiten]] einfach erhältlicher Impfstoffe leicht hätten verhindert werden können, vor allem in [[Entwicklungsland|Entwicklungsländern]]. Millionen weiterer Kinder werden durch diese Krankheiten geschwächt oder [[Schwerbehinderter|schwerbehindert]]''“.<ref name="UNRIC" />

Dagegen sind viele schwerwiegende Infektionskrankheiten in den [[Industrienation]]en durch Impfprogramme und gute [[Durchimpfung]] der Bevölkerung selten geworden.<ref name="PMID_18000199" /> Auch Impfverweigerer werden dabei Nutznießer der hohen Populationsimmunität durch das Impfen. Vergessen oder verharmlost werden in der Folge die Konsequenzen von Infektionskrankheiten mit ihren Komplikationen, angefangen bei Entwicklungsschäden über bleibende körperliche Behinderungen bis hin zum Tod.<ref name="Heininger2004">U. Heininger: ''Risiken von Infektionskrankheiten und der Nutzen von Impfungen.'' Bundesgesundheitsbl. 47/2004, [[doi:10.1007/s00103-004-0951-z]]</ref> Diese Risiken werden auch[FILLWORD?] bei den so genannten [[Masernparty]]s unterschätzt. Die empfohlene Masernimpfung bietet einen sicheren und sehr gut verträglichen Schutz, ohne das Risiko einer Lungen- oder Hirnentzündung. Die Kontroversen im Detail werden in den Artikeln über Impfstoffe erörtert ([[MMR-Impfstoff]], [[hexavalenter Impfstoff]] u.&nbsp;a.[ABBREVIATION]).

Impfgegnerschaft stützt sich auf fünf typische Gründe, die in der Forschung die ''5C'' genannt werden:<ref>[[Zeit Online]]: [https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2018-08/eingeimpft-impfung-masern-david-sieveking-cornelia-betsch/komplettansicht ''So beantworte ich keine Fragen, so arbeiten Verschwörungstheoretiker'']. Abgerufen am 18. September 2018.</ref><ref>Cornelia Betsch et. al.: ''Beyond confidence: Development of a measure assessing the 5C psychological antecedents of vaccination.'' 11. August 2018, abgerufen am 18. September 2018. [[DOI:10.31234/osf.io/ytb7w]] </ref>
* ''Confidence'': mangelndes Vertrauen in die Sicherheit von Impfungen
* ''Complacency'': ein als niedrig wahrgenommenes Krankheitsrisiko
* ''Constraints'': Einschränkungen wie Stress oder Zeitnot, die Impfungen im Alltag entgegenstehen
* ''Calculation'': eigene Versuche, sich Informationen zu beschaffen, was zu Falschinformationen führen kann
* ''Collective responsibility'': den Impfschutz anderer ohne eigene Impfung auszunutzen

Die Argumente der Impfgegner beziehen sich im übrigen in der Regel[WORDS?] auf einen oder mehrere der in den folgenden vier Abschnitten genannten, sich hiermit teilweise überdeckenden Kritikpunkte.<ref name="RoKo1" />

=== Wirksamkeit ===
Einige Impfgegner behaupten, es gebe keine Nachweise für die Wirksamkeit von Impfungen, die „wissenschaftlichen Kriterien“ standhielten. Dabei übersehen sie, dass zahlreiche Studien veröffentlicht sind, die den Anforderungen der [[Evidenzbasierte Medizin|evidenzbasierten Medizin]] genügen und die Wirksamkeit der untersuchten Impfstoffe bestätigen. Wie bereits am Anfang dieses Artikels im Abschnitt [[Impfung#Wirksamkeit|Wirksamkeit]] beschrieben, kann keine Impfung hundertprozentig vor der jeweiligen Erkrankung schützen. Eine Impfung senkt allerdings[FILLWORD?] die Erkrankungswahrscheinlichkeit deutlich. Die Wirksamkeit des Schutzes unterscheidet sich je Impfung.

Gegner bemängeln ferner die Wirksamkeitsmessung mittels [[Antikörpertiter]]. Zahlreiche Interventions-Studien und [[Epidemiologie|epidemiologische Analysen]] beweisen aber[FILLWORD?] eine gute Übereinstimmung zwischen Antikörperwerten und Schutz vor der Infektionskrankheit.<ref name="pink" /> Die Erkrankungszahlen von Infektionskrankheiten brechen in der Regel[WORDS?] kurz nach Einführung der Impfungen ein. Beispielsweise wurden vor der Einführung der Masernimpfung in den USA im Jahr 1963 ungefähr 500.000 jährliche Masernerkrankungen mit 500 Toten erfasst (geschätzt wurden 3–4 Millionen). Wenige Jahre nach der Einführung wurde ein Rückgang der Erkrankungen um 98 % registriert.<ref>{{Literatur |Autor=R. T. Perry, N. A. Halsey |Titel=The clinical significance of measles: a review |Sammelwerk=[[The Journal of Infectious Diseases]] |Band=189 |Nummer=1 |Datum=2004 |Seiten=4–16 |Online=http://jid.oxfordjournals.org/content/189/Supplement_1/S4.full |PMID=15106083 |Abruf=2011-11-19}}</ref>

Auch der [[Herdenimmunität|Herdenschutz]] durch Impfungen ist gut belegt. Eine britische Studie kam 2006 zu dem Ergebnis, dass eine routinemäßige [[Grippeimpfung]] des Personals in Jahren mit einer starken Grippewelle die Sterblichkeitswahrscheinlichkeit von Senioren- und Pflegeheimbewohnern deutlich senken kann. Während bei Senioren die Schutzwirkung einer Impfung zwischen 50 und 70 Prozent liegt, lag der Wirksamkeitgrad bei dem meistens deutlich jüngeren Personal bei bis zu 90 Prozent.<ref name="aerzteblatt-26633">{{Internetquelle |url=http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/26633/Pflegeheime-Grippeimpfung-des-Personals-senkt-Sterblichkeit-der-Bewohner |titel=Pflegeheime: Grippeimpfung des Personals senkt Sterblichkeit der Bewohner |werk=[[Deutsches Ärzteblatt|aerzteblatt.de]] |datum=2006-12-01 |zugriff=2014-12-27}}</ref> Die Ständige Impfkommission des RKI empfiehlt Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen sowie medizinischem Personal aufgrund eines beruflichen Risikos oder zum Schutz Dritter unter anderem Impfungen gegen Influenza.<ref name="STIKO-Bulletin-34" />{{Rp|311}}

=== Unerwünschte Wirkungen ===
Impfgegner argumentieren, dass es Krankheiten und Spätfolgen gebe, die als Nebenwirkungen der Impfung oder ihrer Inhaltsstoffe gesehen werden könnten.
Als Spätfolgen von Impfungen wurden unter anderem [[Allergie]]n, [[Asthma]], [[Autismus]], [[Diabetes mellitus|Diabetes]], [[Heuschnupfen]], [[HIV]], [[Homosexualität]], [[Krebs (Medizin)|Krebs]], [[Kriminalität]], [[Morbus Crohn]], [[Multiple Sklerose]] oder [[plötzlicher Kindstod]] angeführt. Diese Aussagen basieren zum Teil auf Fälschungen<ref>Siehe auch: [[MMR-Impfstoff#Der Fall Wakefield|Der Fall Wakefield]] zum gefälschten Zusammenhang zwischen [[MMR-Impfstoff]]en und Autismus</ref> und wurden durch viele Studien entkräftet,<ref name="Heininger2004" /><ref name="Koppen2004">{{Literatur |Autor=S. Koppen, R. de Groot, H. J. Neijens, N. Nagelkerke, W. van Edene, H. C. Rümke |Titel=No epidemiological evidence for infant vaccinations to cause allergic disease. |Sammelwerk=Vaccine |Band=22 |Datum=2004 |Seiten=3375–3385 |Online=http://www.corvelva.org/pubblicazioni/allergie/Vaccine%202004%2022%2825-26%29%203375-85.pdf |PMID=15308362 |Abruf=2011-11-18}}</ref><ref name="Roost2004">H. P. Roost, M. Gassner, L. Grize, B. Wüthrich, F. H. Sennhauser, H. S. Varonier, H. Zimmermann, C. h. Braun-Fahrländer: ''Influence of MMR-vaccinations and diseases on atopic sensitization and allergic symptoms in Swiss schoolchildren.'' In: ''Pediatric allergy and immunology : official publication of the European Society of Pediatric Allergy and Immunology.'' Band 15, Nummer 5, Oktober 2004, S.&nbsp;401–407, {{DOI|10.1111/j.1399-3038.2004.00192.x}}, PMID 15482514.</ref><ref>{{Literatur |Autor=Stanley A. Plotkin et al. |Titel=Plotkin's Vaccines |Auflage=7 |Verlag=Elsevier |Ort=Philadelphia |Datum=2017 |ISBN=978-0-323-35761-6 |Seiten=1590ff. |Online=https://www.elsevier.com/books/plotkins-vaccines/plotkin/978-0-323-35761-6}}</ref> wobei die Widerlegungen oftmals von Impfgegnern ignoriert werden. Epidemiologische Vergleiche zeigen beispielsweise, dass Allergien in der Bevölkerung der früheren DDR, in der eine [[Impfpflicht]] bestand, erst nach der [[Wende (DDR)|Wende]] signifikant zunahmen – gleichzeitig mit einem Rückgang der Schutzimpfungen.<ref name="Schneew." />

Auch die Behauptung, Impfungen könnten Krebs verursachen, erweist sich im Lichte der Forschung als falsch: Aufgrund der Tatsache, dass weltweit jede sechste Tumorerkrankung auf Infektionen mit pathogenen Bakterien oder Viren, wie z.&nbsp;B. ''[[Helicobacter pylori]]'', [[Hepatitis-B-Virus|Hepatitis-B-]] und [[Hepatitis-C-Virus|C-Viren]], zurückzuführen ist, ergibt sich im Gegenteil, dass die meisten dieser infektionsbedingten Krebserkrankungen mit einer geeigneten Impfung vermeidbar wären.<ref name="10.1016/S1470-2045">C. de Martel, J. Ferlay, S. Franceschi, J. Vignat, F. Bray, D. Forman, M. Plummer: ''Global burden of cancers attributable to infections in 2008: a review and synthetic analysis.'' In: ''[[The Lancet Oncology]].'' Band 13, Nummer 6, Juni 2012, S.&nbsp;607–615, {{DOI|10.1016/S1470-2045(12)70137-7}}, PMID 22575588.</ref> Ein möglicher Zusammenhang zwischen Leukämien, gerade bei Kindern, und Impfungen (MMR, Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Polio, Hepatitis B, ''Haemophilus influenzae b''-Infektion) wurde durch zahlreiche Studien widerlegt.<ref name=":4">{{Literatur |Autor=Stanley A. Plotkin et al. |Titel=Plotkin's Vaccines |Hrsg= |Sammelwerk= |Band= |Nummer= |Auflage=7 |Verlag=Elsevier |Ort=Philadelphia |Datum=2017 |ISBN=978-0-323-35761-6 |Seiten=1590 |Online=https://www.elsevier.com/books/plotkins-vaccines/plotkin/978-0-323-35761-6}}</ref>

Angeführt wird von Impfgegnern auch[FILLWORD?], dass Zulassungsstudien von Impfungen aufgrund ihrer beschränkten Größe nur einen Bruchteil der Nebenwirkungen erfassen könnten und so Nebenwirkungen, die seltener als 1:500 auftreten, nicht ermittelt würden. Darüber hinaus sei das Meldesystem des Infektionsschutzgesetzes nicht in der Lage, das tatsächliche Ausmaß der Impfkomplikationen in Deutschland zu erfassen; infolgedessen werde das Verhältnis von Nutzen und Schaden falsch eingeschätzt.

Tatsächlich müssen Impfstoffe – ebenso wie alle anderen Medikamente – vor ihrer Einführung ein komplexes [[Arzneimittelzulassung|Zulassungsverfahren]] durchlaufen.<ref name="Schneew.">{{Literatur |Autor=Burkhard Schneeweiß, Michael Pfleiderer, Brigitte Keller-Stanislawski |Titel=[http://www.aerzteblatt.de/archiv/61244/Impfsicherheit-heute Impfsicherheit heute] |Sammelwerk=[[Deutsches Ärzteblatt]] |Band=105 |Nummer=34–35 |Verlag=[[Deutscher Ärzte-Verlag]] |Datum=2008-08-25 |Seiten=590–595 |DOI=10.3238/arztebl.2008.0590}}</ref> Für diese Zulassung müssen vom Hersteller umfangreiche Studien vorgelegt werden, welche die Wirksamkeit und Verträglichkeit belegen. Nach Einführung eines Impfstoffes muss den zuständigen Zulassungsbehörden periodisch in vorgeschriebenen Zeitabständen ein Bericht vorgelegt werden, der die aktuelle Datenlage zur Unbedenklichkeit – wie beispielsweise unabhängige Folgestudien von Universitätskliniken und anderen Forschungseinrichtungen oder Meldungen von Nebenwirkungen an die Gesundheitsbehörden – zusammenfasst.<ref>Artikel 104 Absatz 6 der [[Richtlinie 2001/83/EG]], umgesetzt durch [https://www.gesetze-im-internet.de/amg_1976/__63b.html §&nbsp;63b AMG]</ref> Das Meldesystem ist dabei ein wichtiges Instrument für erste, möglichst zeitnahe Ermittlungen von möglichen Nebenwirkungen. Aufgrund dieses Verfahrens wurde beispielsweise die mangelhafte Langzeitwirkung der Hepatitis-B-Komponente des [[Sechsfachimpfstoff]]es ''Hexavac'' erkannt, so dass dieser Impfstoff vom Markt zurückgezogen wurde.<ref name="PEI">[http://www.pei.de/DE/arzneimittelsicherheit-vigilanz/archiv-sicherheitsinformationen/2005-1998/ablage2000-2005/2005-09-20-hexavac-suspension.html ''Ruhen der Zulassung für den Sechsfachimpfstoff Hexavac''] Website des Paul-Ehrlich-Instituts. Abgerufen am 4. Januar 2015.</ref>

=== Neutralität der Datenlage ===
Von Impfkritikern wird angeführt, dass die Impfstoffhersteller Einfluss auf die zuständigen Gesundheitsbehörden (z. B. die [[Ständige Impfkommission|STIKO]] des [[Robert-Koch-Institut]]s in Deutschland und das [[Centers for Disease Control and Prevention|CDC]] in den USA) sowie auf die Wissenschaftler in diesem Feld ausüben würden, so dass nur mangelhafte neutrale Aufklärung geboten werden würde.<ref name="aerzteblatt-57820">{{Literatur |Autor=Sabine Rieser |Titel=[http://www.aerzteblatt.de/archiv/57820/Staendigen-Impfkommission-Unter-Anwendungsbeobachtung Ständigen Impfkommission: Unter Anwendungsbeobachtung] |Sammelwerk=[[Deutsches Ärzteblatt]] |Band=104 |Nummer=49 |Verlag=[[Deutscher Ärzte-Verlag]] |Datum=2007-12-07 |Seiten=A-3361 / B-2957 / C-2853}}</ref>

Für die Zulassung von Impfungen müssen Studien bei den zuständigen Zulassungsbehörden (z. B. das [[Paul-Ehrlich-Institut]] in Deutschland und die [[Food and Drug Administration|U.S. FDA]]) vorgelegt werden, welche die Wirksamkeit und Verträglichkeit belegen und in der Tat vom Antragsteller finanziert werden. Ausgeführt werden diese Studien in einer Klinik oder mehreren Kliniken. Im Rahmen der [[Pharmakovigilanz]] finden jedoch durchaus auch[FILLWORD?] Studien statt, welche mit öffentlichen Mitteln finanziert werden.

Gegen den Vorwurf fehlender Neutralität und persönlicher Bereicherung wird erwidert, dass die Gesundheitsbehörden von Regierungen unterschiedlichster politischer Ausrichtung (z.&nbsp;B. die ehemaligen Ostblockstaaten) zu im Wesentlichen gleichen Empfehlungen gelangten.

=== Wirtschaftliche Interessen ===
Impfstudien werden – wie alle Medikamentenstudien – größtenteils von der Pharmaindustrie finanziert.<ref>{{Internetquelle |url=http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/impfen/article/536253/vertrauen-schaffen-ehrlichen-transparenten-informationen-impfungen.html |titel='Vertrauen schaffen mit ehrlichen und transparenten Informationen zu Impfungen' |autor=Ärzte Zeitung |werk=aerztezeitung.de |datum=2009-03-06 |zugriff=2014-12-27}}</ref> Aus den Tatsachen, dass einige Mitglieder der Ständigen Impfkommission früher Kontakt zu Pharmaunternehmen hatten<ref>[http://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Mitgliedschaft/Mitglieder/mitglieder_node.html Robert-Koch-Institut], Selbstauskunft der Mitglieder der STIKO</ref> sowie ein wirtschaftlicher Kontakt zu einer Firma bestand, die auch[FILLWORD?] Impfstoffe herstellt,<ref>{{Literatur |Autor=Christina Berndt |Titel=Ständige Impfkommission: Experten mit den falschen Freunden |Sammelwerk=sueddeutsche.de |Datum=2010-05-17 |ISSN=0174-4917 |Online=http://www.sueddeutsche.de/wissen/staendige-impfkommission-experten-mit-den-falschen-freunden-1.271784 |Abruf=2015-02-25}}</ref> mutmaßen einige Impfkritiker, dass die STIKO anstelle der Volksgesundheit hauptsächlich die Unternehmensinteressen verfolge.

Umgekehrt wird von manchen Impfbefürwortern angeführt, dass es Impfkritiker gebe, die mit ihrer Kritik ein wirtschaftliches Interesse verfolgen. Beispielsweise zahlte eine Anwaltskanzlei, welche Impfgegner vertrat, mehrere Millionen britische Pfund an Wissenschaftler, um einen Nachweis für Nebenwirkungen zu erhalten (siehe dazu den Artikel [[MMR-Impfstoff]]).<ref name="faz-1411323">{{Internetquelle |url=http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/impfstoff-vergoldete-bedenken-1411323.html |titel=Vergoldete Bedenken |autor=H. Kaulen |werk=[[Frankfurter Allgemeine Zeitung#FAZ.NET|FAZ.net]] |datum=2007-01-08 |zugriff=2014-12-27}}</ref> Auch mit impfgegnerischen Büchern, Seminaren und Beratungen gegen das Impfen sowie mit alternativmedizinischen Behandlungen der Krankheit oder dem „Ausleiten“ angeblicher Impfnebenwirkungen werden Gewinne erzielt.

Ebenso muss beachtet werden, dass sich die wirtschaftlichen Interessen der Pharmaindustrie nicht einseitig auf Impfungen als Vorsorgemaßnahmen beschränken. Viele der durch Impfung verhinderbaren Infektionen führen zu Erkrankungen mit chronischem Verlauf. Bei der [[Hepatitis B]] zum Beispiel stehen die Einnahmen aus der in der Regel[WORDS?] dreimaligen Impfung den Einnahmen gegenüber, die aus medikamentöser antiviraler Therapie erzielt werden, die über viele Jahre aufrechterhalten werden muss.<ref>M. Cornberg, U. Protzer, M. M. Dollinger, J. Petersen, H. Wedemeyer, T. Berg, W. Jilg, A. Erhardt, S. Wirth, P. Schirmacher, W. E. Fleig, M. P. Manns: ''[Prophylaxis, Diagnosis and Therapy of Hepatitis-B-Virus-(HBV-)Infection: upgrade of the guideline, AWMF-Register 021/011].'' In: ''Zeitschrift fur Gastroenterologie.'' Band 45, Nummer 6, Juni 2007, S.&nbsp;525–574, {{DOI|10.1055/s-2007-963232}}, PMID 17554641.</ref> Die Hepatitis-B-Therapie kostet im Monat etwa 1000&nbsp;Euro pro Patient, andere chronische Erkrankungen stehen dem in nichts nach. Die Impfungen hingegen kosten einmalig durchschnittlich 50 bis 100&nbsp;Euro und erzielen bei der Hepatitis B hohe Immunitätsraten.

Das Unternehmen [[Sanofi Pasteur MSD]] hat auf der 4. Nationalen Impfkonferenz 2015 eine Rechnung vorgestellt, nach der die [[gesetzliche Krankenversicherung]] für eine Frau im Schnitt 1.976&nbsp;Euro für den lebenslangen Impfschutz vor 15 verschiedenen Infektionskrankheiten ausgibt, darunter 1.530&nbsp;Euro für die Impfstoffe und 446&nbsp;Euro für die Honorarkosten der Ärzte.<ref name="sanofipasteur">Sanofi Pasteur MSD: ''[http://www.presseportal.de/pm/73913/3051270 Für 1.500 Euro ein Leben lang geschützt].'' Auf: ''presseportal.de'' vom 19. Juni 2015.</ref> Die Kosten für Männer liegen wegen der kürzeren Lebenserwartung und der fehlenden [[Humane Papillomviren|HPV]]-Impfung etwa 400&nbsp;Euro darunter, bei Menschen mit [[Grunderkrankung]]en liegen die Kosten höher.<ref name="sanofipasteur" /> Der Anteil der Impfstoffkosten an den Leistungsausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen betrage 0,4 %.<ref name="sanofipasteur" />

== Geschichte ==
Bis in das 19. Jahrhundert waren Ärzte in Europa in der Regel[WORDS?] machtlos gegen die weitverbreiteten und immer wiederkehrenden großen [[Seuche]]n und [[Epidemie]]n. Eine dieser weitverbreiteten Infektionskrankheiten waren die [[Pocken]], an denen etwa 30 % der Erkrankten starben. Überlebende waren häufig durch Narben entstellt. Früh erkannte man[WORDS?] jedoch, dass das einmalige Durchstehen der Pockenkrankheit gegen weitere Ansteckungen durch die Pocken [[Immunität (Medizin)|immun]] machte. Daher waren die Pocken die erste Krankheit, bei der versucht wurde, Individuen durch absichtliche [[Infektion]] zu immunisieren. Es wird angenommen, dass Versuche mit dieser Technik (der [[Variolation]]) entweder in Indien oder China bereits 200&nbsp;v.&nbsp;Chr. begannen. Chinesische Ärzte wählten zur Gewinnung des Impfstoffs Personen mit leichtem Krankheitsverlauf aus und entfernten Krustenstücke der Pocken dieser Infizierten. Die Stücke wurden zu einem Pulver zermahlen und in die Nase der zu impfenden Person eingeführt. Lady [[Mary Wortley Montagu]] berichtete 1718, dass die Türken sich in ähnlicher Weise den Körperflüssigkeiten von leicht Infizierten aussetzten, und wendete diese Methode bei ihren eigenen Kindern an.

[[Datei:Edward Jenner.jpg|mini|hochkant|Edward Jenner gilt als Vater der aktiven Immunisierung]]

Die [[Pockenepidemie in Boston 1721]] war das erste Auftreten einer Virusepidemie in [[Nordamerika]], bei der eine Impfung zur Eindämmung der Krankheit eingesetzt wurde. Zum damaligen Zeitpunkt war noch nicht bekannt, dass bei der Verabreichung von abgeschwächten Pockenviren eine [[Immunantwort]] ausgelöst wird, in der Regel[WORDS?] jedoch keine Erkrankung. Es kam im Zuge der Epidemie zu einer heftig geführten Kontroverse um die [[Variolation]] in deren Mittelpunkt der puritanische Prediger [[Cotton Mather]] und der Arzt [[William Douglass (Arzt)|William Douglass]] standen.<ref>John B. Blake: ''[http://www.jstor.org/stable/362582 The Inoculation Controversy in Boston: 1721–1722].'' In: ''The New England Quarterly.'' 25, 4, 1952, S. 489–506.</ref>
Das Überstehen der [[Kuhpocken]] (eine beim Menschen leicht verlaufende Rinderkrankheit) machte gegen weitere Ansteckungen durch die Pocken immun. Nachdem schon sechs Personen Menschen mit Kuhpockenlymphe immunisiert hatten (unter anderem Sevel, Jensen, [[Benjamin Jesty]] 1774, Rendall, [[Peter Plett]] 1791),<ref name="Sudhoffs Archiv">''Sudhoffs Archiv.'' Zs. f. Wissenschaftsgeschichte, Band 90, Heft 2, 2006, S. 219–232.</ref> experimentierte auch[FILLWORD?] der englische Arzt [[Edward Jenner]] (1749–1823) mit diesem Wissen und infizierte im Jahr 1796 einen Jungen mit den Kuhpocken. Der Junge erwies sich später als immun gegen gewöhnliche Pocken. Da der Impfstoff von Kühen stammte, nannte Jenner seinen Impfstoff [[Vakzine|Vaccine]] (von [[Latein|lat.[ABBREVIATION]]] ''vacca'' „Kuh“) und die Technik der künstlichen Immunisierung „Vaccination“ (von lat.[ABBREVIATION] ''vaccinus'' „von Kühen stammend“). Ein Pionier der Schutzimpfung in Deutschland war der aus [[Hannover]] stammende Arzt und Hofmedikus Georg Friedrich Ballhorn (1770–1805), der Jenners Publikation von 1798 bereits 1799 ins Deutsche<ref>Georg Friedrich Ballhorn: '' Eduard Jenners der Arzneywissenschaft Doktors und Mitglieds der Königl. Societät der Wissenschaften Untersuchungen Über die Ursachen und Wirkungen Der Kuhpocken einer Krankheit die man in einigen westlichen Provinzen Englands vorzüglich in Gloucestershire bemerkt hat.'' 2. Ausgabe, Gebrüder Hahn, Hannover 1799.</ref> übersetzte, ab dem Frühjahr 1799 selbst Forschungen dazu anstellte und ab Januar 1800 erste Gegenimpfversuche unternahm.<ref>Irmtraut Sahmland: ''Ballhorn, Georg Friedrich.'' In: [[Werner E. Gerabek]], Bernhard D. Haage, [[Gundolf Keil]], Wolfgang Wegner (Hrsg.): ''Enzyklopädie Medizingeschichte.'' de Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 134 f.</ref><ref>Georg Friedrich Ballhorn, [[Christian Friedrich Stromeyer]]: ''Traité de l'inoculation Vaccine avex l'exposé et les résultats des observations faites sur cet objet à Hannovre et dans les environs de cette capitale, par Mr. Ballhorn, Medecin de la cour et Mr. Stromeyer, Chirurgien de la cour.'' Rein, Leipzig 1801 ([https://archive.org/details/traitdelinocul00ball Digitalisat.]).</ref> Der Arzt [[Jean de Carro]] hatte als erster 1799 die Impfung auf dem europäischen Kontinent durchgeführt.<ref>{{Wien Geschichte Wiki|Johann Carro|Johann Carro}}</ref> Diese erste ''moderne'' Art der Impfung gegen die Menschenpocken wurde rasch in Europa aufgegriffen. Seit etwa 1810 wurde die Vaccination zur Pflicht.<ref>In Dänemark und Schleswig-Holstein mussten Konfirmanden und Brautpaare seit 1811 nachweisen, dass sie gegen Pocken geimpft waren. Dazu: Gerda Bonderup: ''Die Rolle der Geistlichen bei der Einführung der Pockenschutzimpfung in Dänemark.'' In: Manfred Jakubowski-Tiessen: ''Geistliche Lebenswelten: zur Sozial- und Mentalitätsgeschichte in Spätmittelalter und Früher Neuzeit. Studien zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Schleswig-Holstein,'' Neumünster 2005, S. 253–270.</ref> Die Ursache der Infektionskrankheiten war jedoch nach wie vor unbekannt.

Dies änderte sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts. [[Louis Pasteur]] formulierte 1864 die Keimtheorie, [[Robert Koch]] erbrachte 1876 den Nachweis der Krankheitserreger von [[Milzbrand]] (''[[Bacillus anthracis]]'') und 1881 den Nachweis des [[Tuberkulose]]-Bakteriums (''[[Mycobacterium tuberculosis]]''). Diese Entdeckung gilt als der endgültige Beweis der Existenz bakterieller Krankheitserreger. Schüler von Koch und Pasteur bauten das Konzept weiter aus. Pasteur entwickelte 1881 gemeinsam mit [[Émile Roux]] Impfstoffe gegen Milzbrand und 1885 gegen die [[Tollwut]]. [[Paul Ehrlich]], [[Emil von Behring]] und [[Shibasaburo Kitasato]] nutzten 1890 das Wissen zur passiven Immunisierung gegen [[Diphtherie]] und [[Wundstarrkrampf]].

{{Anker|IG}}Mit der Standardisierung von Impfstoffen begannen ab dem Ende des 19. Jahrhunderts die ersten nationalen Impfprogramme. Den Anfang machten Schutzimpfungen gegen [[Pocken]], die u.&nbsp;a.[ABBREVIATION] in England (1867) und im Deutschen Reich (1874) per Gesetz als Pflichtimpfungen eingeführt wurden. Während in England die Impfpflicht bereits 1898 und 1907 wieder gelockert wurde, hielt man[WORDS?] im Deutschen Reich an dem Impfzwang fest.<ref>Malte Thießen: ''Vom immunisierten Volkskörper zum präventiven Selbst. Impfungen als Biopolitik und soziale Praxis vom Kaiserreich zur Bundesrepublik.'' In: ''Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte.'' Band 61, 2013, S. 34–65, [[doi:10.1524/vfzg.2013.0002]].</ref> Allerdings kam es durch Verunreinigungen in den frühen Impfstoffen auch[FILLWORD?] zu Unfällen wie dem [[Lübecker Impfunglück]] im Jahr 1930, bei dem 77&nbsp;Kinder infolge eines kontaminierten Impfstoffes starben, was in der deutschen Öffentlichkeit und unter Gesundheits-Experten für eine Diskussion um staatliche Impfprogramme sorgte. Der diesem Fall folgende [[Calmette-Prozess]] bildet in Deutschland den Anfang des modernen [[Medizinrecht (Deutschland)|Medizinrechts]].

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wurden systematisch zahlreiche weitere Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten entwickelt, beispielsweise von [[Jonas Salk]] und [[Albert Sabin]] gegen die Kinderlähmung sowie ein Impfstoff gegen [[Gelbfieber]] durch [[Max Theiler]]. Während des Kalten Krieges kam es zum Teil zu einem „Wettlauf um die bessere Immunisierung“<ref>Malte Thießen: ''Vorsorge als Ordnung des Sozialen: Impfen in der Bundesrepublik und der DDR.'' In: ''Zeithistorische Forschungen.'' 10, 2013, S. 428. [http://www.zeithistorische-forschungen.de/16126041-Thiessen-3-2013 (online)]</ref> zwischen den beiden Blöcken. Vor allem die DDR versuchte in Propagandaaktionen auf die Überlegenheit des ostdeutschen Gesundheitswesens hinzuweisen und dem Westen dessen „Impflücken“ vorzuhalten. Seit 1967 werden unter der Schirmherrschaft der Weltgesundheitsorganisation ([[Weltgesundheitsorganisation|WHO]]) weltweite Impfprogramme aufgelegt. In den folgenden Abschnitten sind einige Beispiele dazu aufgeführt.

'''Chronologie der Entwicklung und Einführung von Impfstoffen'''[BOLD-INSTEAD-OF-SECTION?]
{| class="wikitable sortable"
|- class="hintergrundfarbe6" style="text-align:left; vertical-align:top;"
! Infektionskrankheit
! Auslöser
! Impfstoff
! Einführung
! Anmerkungen
|- style="vertical-align:top"
| [[Pocken]]
| [[Orthopoxvirus|Variola]]-Virus
| [[Pockenimpfstoff]]
| 1796
| erster Großversuch bereits 1714 in [[Konstantinopel]].<ref>[http://www.istanbulpark.de/news.php?extend.72.1 Der große Impfversuch von Konstantinopel]</ref> Ab 1798 in internationalen Impfkampagnen angewendet.<ref name= "Ritzmann: Impfung, S. 663" >Iris Ritzmann: ''Impfung.'' Berlin 2005, S. 663.</ref>
|- style="vertical-align:top"
| [[Tollwut]]
| [[Rabiesvirus]]
| [[Tollwutimpfstoff]]
| 1885
|
|- style="vertical-align:top"
| [[Typhus]]
| Salmonella Typhi-Bakterien
| [[Typhusimpfstoff]]
| 1896
|
|- style="vertical-align:top"
| [[Cholera]]
| Vibrio cholerae-Bakterien
| [[Choleraimpfstoff]]
| 1896
|
|- style="vertical-align:top"
| [[Pest]]
| [[Yersinia pestis]]
| [[Pestimpfstoff]]
| 1897<ref name= "Ritzmann: Impfung, S. 663" />
|
|- style="vertical-align:top"
| [[Diphtherie]]
| [[Corynebacterium diphtheriae]]-Bakterien
| [[Diphtherieimpfstoff]]
| 1923
| passive Immunisierung ab 1890 mit dem [[Diphtherie-Antitoxin]]
|- style="vertical-align:top"
| [[Keuchhusten]]
| [[Bordetella pertussis]]-Bakterien
| [[Pertussisimpfstoff]]
| 1926
|
|- style="vertical-align:top"
| [[Tuberkulose]]
| [[Mykobakterien]]arten
| [[Tuberkuloseimpfstoff]]
| 1927
| Impferfolg mit [[Bacillus Calmette-Guérin|BCG]] unsicher, seit 1998 nicht mehr empfohlen
|- style="vertical-align:top"
| [[Tetanus]]
| [[Clostridium tetani]]-Bakterien
| [[Tetanusimpfstoff]]
| 1927
|
|- style="vertical-align:top"
| [[Grippe]]
| [[Influenzavirus]]
| [[Influenzaimpfstoff]]
| 1936
|
|- style="vertical-align:top"
| [[Gelbfieber]]
| [[Gelbfieber-Virus]]
| [[Gelbfieberimpfstoff]]
| 1937
|
|- style="vertical-align:top"
| [[Fleckfieber]]
| [[Rickettsien]]
| [[Fleckfieberimpfstoff]]
| 1938<ref name= "Ritzmann: Impfung, S. 663" />
|
|- style="vertical-align:top"
| [[Kinderlähmung]]
| [[Poliovirus]]
| [[Polioimpfstoff]]
| 1955/1960
| breite Anwendung in DDR ab 1960, BRD ab 1962, IPV seit 1998
|- style="vertical-align:top"
| [[Mumps]]
| [[Mumpsvirus]]
| [[Mumpsimpfstoff]]
| 1967
|
|- style="vertical-align:top"
| [[Masern]]
| [[Masernvirus]]
| [[Masernimpfstoff]]
| 1968
|
|- style="vertical-align:top"
| [[Röteln]]
| [[Rötelnvirus]]
| [[Rötelnimpfstoff]]
| 1969
|
|- style="vertical-align:top"
| [[Frühsommer-Meningoenzephalitis|FSME]]
| [[FSME-Virus]]
| [[FSME-Impfstoff]]
| 1973
|
|- style="vertical-align:top"
| [[Windpocken]]
| [[Varizella-Zoster-Virus]]
| [[Varizellaimpfstoff]]
| 1974
| seit 2004 allgemeine Kinderimpfung in D empfohlen
|- style="vertical-align:top"
| [[Lungenentzündung]]
| [[Pneumokokken]]-Bakterien
| [[Pneumokokkenimpfstoff]]
| 1977/2000
| seit 2006 allgemeine Kinderimpfung in D empfohlen
|- style="vertical-align:top"
| [[Hepatitis B]]
| [[Hepatitis-B-Virus]]
| [[Hepatitis-B-Impfstoff]]
| 1981
| seit 1995 allgemeine Kinderimpfung in D empfohlen
|- style="vertical-align:top"
| [[Meningitis]]
| [[Meningokokken]]-Bakterien
| [[Meningokokkenimpfstoff]]
| 1982/1999
| z.Zt. nur wirksam gg. Meningokokken Typ C, nicht gg. den hier häufigsten Erregertyp B; seit 2006 in D empfohlen
|- style="vertical-align:top"
| [[Haemophilus influenzae b-Infektion|Haemophilus Influenzae Typ B]]
| [[Haemophilus#Haemophilus influenzae|Haemophilus influenzae]]-Bakterien
| [[Haemophilusimpfstoff]]
| 1985
| seit 1990 allgemeine Kinderimpfung in D empfohlen
|- style="vertical-align:top"
| [[Hepatitis A]]
| [[Hepatitis-A-Virus]]
| [[Hepatitis-A-Impfstoff]]
| 1992
|
|- style="vertical-align:top"
| [[Humane Rotaviren|Schwerer Durchfall]]
| [[Rotavirus]]
| [[Rotavirusimpfstoff]]
| 1998/2005
| für Kinder unter 6 Monaten
|- style="vertical-align:top"
| [[Zervixkarzinom|Gebärmutterhalskrebs]]
| [[Humane Papillomviren]]
| [[HPV-Impfstoff]]
| 2006
| auch[FILLWORD?] Krebsvorstufen und [[Condylomata acuminata]] im Anogenitalbereich („Feigwarzen“)
|- style="vertical-align:top"
| [[Japanische Enzephalitis]]
| Japanische Enzephalitis
| [[Japanische-Enzephalitis-Impfstoff]]
| 2009 (in Europa)
| Vorher anderer Impfstoff in Asien erhältlich, in den USA wurde dieser 1992 eingeführt
|- style="vertical-align:top"
| [[Meningokokken]] Typ B
| [[Neisseria meningitidis]]-Bakterien Typ B
| [[Meningokokkenimpfstoff]]
| 2013 (in Europa)
| durch [[Europäische Arzneimittel-Agentur|EMA]] zugelassen,<ref>[http://www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/EPAR_-_Public_assessment_report/human/002333/WC500137883.pdf EMA Zulassung] (PDF; 1,9&nbsp;MB)</ref> seit Dezember 2013 in Deutschland erhältlich<ref>{{Internetquelle |url=https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2015/Ausgaben/37_15.pdf |titel=RKI - Archiv 2015 - Epidemiologisches Bulletin 37/2015 |werk=www.rki.de |zugriff=2017-01-01 |format=PDF}}</ref>
|}

== Impfungen für Tiere ==
[[Datei:Chicken vaccination.jpg|mini|Schluckimpfung von Hühnern (Afghanistan)]]

Auch viele Haustiere können und sollten nach herrschender Meinung geimpft werden. Die empfohlenen Impfungen werden vom Tierarzt verabreicht und ebenso wie beim Menschen in einem [[Impfpass]] dokumentiert. In Deutschland erarbeitet die [[Ständige Impfkommission#StIKo Vet.|Ständige Impfkommission Vet.]] (StIKo Vet.) im [[Bundesverband Praktizierender Tierärzte]] ''Impfempfehlungen für die Deutsche Kleintierpraxis''.<ref>{{Webarchiv |url=http://www.tieraerzteverband.de/bpt/berufspolitik/Impfkommission/index.php |wayback=20120318011858 |text=Information zur StIKo Vet.}}</ref> Im Gegensatz zu den Impfungen beim Menschen werden die meisten Impfungen bei Tieren unter die Haut ([[subkutan]]) – meist im Bereich der Flanken oder im Nackenbereich – verabreicht. 2011 wurde in Deutschland ein Umsatz von 191 Millionen Euro mit Tierimpfstoffen erzielt, je etwa zur Hälfte bei Nutz- und Heimtieren.<ref>''Mäßiger Umsatz bei Tierarzneimitteln.'' In: ''Dt. TÄBl.'' 60, Nr. 2012, S. 849.</ref>

Die Impfung gegen Tollwut und der Nachweis im neuen [[EU-Heimtierausweis]] sind gesetzlich in praktisch allen europäischen Staaten für die Einreise von Hunden, Katzen und Frettchen erforderlich. Sie muss nach Vorschrift des Impfstoffherstellers wiederholt werden (ein bis drei Jahre) und die letzte muss für die meisten Staaten mindestens 30&nbsp;Tage zurückliegen. Nach Änderung der deutschen Tollwutimpfverordnung ist seit 2006 eine jährliche Auffrischung nicht mehr vorgeschrieben, wenn der Hersteller eine längere Frist angibt.

=== Hunde ===
Haushunde werden zumeist gegen [[Staupe]], [[Hepatitis contagiosa canis]], [[Leptospirose der Hunde|Leptospirose]] (Stuttgarter Hundeseuche), [[Parvovirose]] (Katzenseuche des Hundes), [[Zwingerhusten|Parainfluenza]] und [[Tollwut]] geimpft. Jüngere Untersuchungen zeigen, dass ein Impfschutz (mit Ausnahme Leptospirose) über drei Jahre und mehr bestehen kann, mittlerweile weisen viele Hersteller ihre Impfstoffe mit einer Wirkdauer von drei Jahren aus. Weniger verbreitet ist die Impfung gegen [[Lyme-Borreliose]] und die bakterielle Komponente des Zwingerhustens ([[Bordetella bronchiseptica]]). Nur im züchterischen Bereich spielen ferner Impfungen gegen das [[Welpensterben]] eine Rolle.

Die Impfung gegen Tollwut und deren Dokumentation im [[EU-Heimtierausweis]] ist nur noch bei Reisen zwingend erforderlich. Beißt das Tier einen Menschen, wird allerdings[FILLWORD?] der behandelnde Arzt unter Umständen den Verdacht äußern, das Tier sei tollwütig. Dieser Verdacht zieht zwingend die Tötung des Tieres nach sich und kann nur entkräftet werden durch den Nachweis einer Impfung des Hundes oder der Katze gegen Tollwut innerhalb der letzten drei Jahre. Ansonsten wird innerhalb Deutschlands diese Impfung nicht mehr für nötig gehalten. Kann bei Kontrollen eine gültige Impfung nicht anhand EU-Heimtierausweises nachgewiesen werden, wird die Einreise in das Zielland verwehrt. Gleiches kann bei der Einreise bei der Rückkehr nach Deutschland, Österreich oder der Schweiz passieren. Eine jährliche Auffrischungsimpfung für Tollwut ist (lt. EU-Verordnung (EG) Nr. 998/2003 für Reisen innerhalb der EU, außer den Sonderbestimmungen oben genannter Länder) nicht mehr erforderlich, es gelten die Wiederholungsimpftermine der Impfstoffhersteller.<ref>Uwe Truyen: [http://www.vdh.de/tl_files/media/pdf/sp_nobivac_vdh_sonderdruck_2501.pdf ''Die Impfung des Hundes.''] (Uwe Truyen ist Vorsitzender der StIKo Vet.; PDF; 547&nbsp;kB)</ref>

[[Datei:Katzenschnupfen Herpes.jpg|mini|Klinisches Bild des durch Herpesviren verursachten Katzenschnupfens]]

=== Katzen ===
Hauskatzen sollten gegen [[Katzenschnupfen]] und [[Panleukopenie]] (Katzenseuche) geimpft werden, Freigänger auch[FILLWORD?] gegen Tollwut. Die Tollwutimpfung wird trotz der gegenwärtigen Freiheit von terrestrischer Tollwut im deutschsprachigen Raum empfohlen, weil die Tiere bei Kontakt mit einem tollwutkranken Tier bessergestellt sind. Eine Impfung gegen das [[Felines Leukosevirus|Feline Leukosevirus (FeLV)]] empfiehlt sich nur bei bis zu acht Jahre alten Freigänger-Katzen. Die Impfung gegen [[Feline Infektiöse Peritonitis]] (FIP) ist allenfalls bei negativem [[Felines Enterales Coronavirus|FeCV]]-Status angebracht und bietet keinen sicheren Schutz.<ref>''Die aktualisierten Impfleitlinien für Kleintiere und Pferde.'' In: ''Dt. TÄBl.'' Band 65, Heft 4, S. 460–461.</ref>

Für Katzen (hier vor allem bei der FeLV-Impfung) und in eingeschränktem Maße auch[FILLWORD?] für Hunde ist das Auftreten vakzineassoziierter Tumore ([[Fibrosarkom]]e) dokumentiert. Verantwortlich hierfür sind möglicherweise den Impfstoffen zugesetzte Wirkungsverstärker ([[Adjuvans|Adjuvanzien]]), auf die der Organismus vielleicht mit Tumorbildung reagieren kann. Andere Studien legen eher den Zusammenhang mit der [[Unterhaut]]verletzung durch eine [[Injektionsnadel]] nahe, da der Tumor auch[FILLWORD?] an Einstichstellen auftrat, die nicht der Impfung dienten und bei denen keine Adjuvanzien beteiligt waren. Obwohl die [[Inzidenz (Medizin)|Inzidenz]] dieser Nebenwirkung mit etwa 1:10.000 im Bezug zum erreichten Schutz vor Erkrankungen vergleichsweise gering ist, werden Impfungen bei Katzen vorzugsweise im Bereich der Flanke empfohlen, um beim Auftreten dieses lokal aggressiven Tumors Raum zur chirurgischen Intervention zu lassen.<ref>K. Wiedmann: ''Klinische Phase-I Studie zur [[neoadjuvant]]en immunstimulierenden Therapie des felinen Fibrosarkoms mit Interleukin-2 und Interferon gamma''. Vet.-med. Diss. München 2005, S. 5–7. ([http://edoc.ub.uni-muenchen.de/3920/1/Wiedmann_Katrin.pdf PDF]; 7,3&nbsp;MB)</ref>

=== Frettchen ===
Frettchen werden meist in Ermangelung für diese Tierart zugelassener Impfstoffe mittels Kombinationsimpfstoffen von Hunden vakziniert. Rechtlich ist diese Vorgehensweise problematisch, da bei strenger Auslegung des [[Arzneimittelrecht]]s Hundeimpfstoffe nicht für Frettchen eingesetzt werden dürfen. In Deutschland gibt es für Frettchen zugelassene Impfstoffe gegen [[Staupe]] und [[Tollwut]].<ref>''Die aktualisierten Impfleitlinien für Kleintiere und Pferde.'' In: ''Dt. TÄBl.'' Band 65, Heft 4, S. 462.</ref>

=== Kaninchen ===
Hauskaninchen können gegen [[Myxomatose]] und RHD ([[Chinaseuche]]) geimpft werden. Auch für den Schutz vor dem [[Ansteckender Kaninchenschnupfen|ansteckenden Kaninchenschnupfen]] (''Rhinitis contagiosa'') ist eine Impfung möglich, die jedoch nur in größeren Beständen sinnvoll ist. Nach der Grundimmunisierung ist eine jährliche, bei den meisten Myxomatose-Impfstoffen sogar[WORDS?] eine halbjährliche Wiederholung notwendig.<ref>Anne Posthoff: ''Impfungen bei Heimtierkaninchen.'' In: ''Kleintiermedizin.'' 3/4-2010, S. 107–109.</ref>

=== Pferde ===
Die [[Ständige Impfkommission|StIKo Vet.]] empfiehlt für Pferde Impfungen gegen [[Tetanus|Wundstarrkrampf]], [[Pferdeinfluenza]], [[Herpesvirusinfektion des Pferdes|EHV-1 und EHV-4]] (Rhinopneumonitis, Virusabort). Die Pferdeinfluenza-Impfung ist bei Teilnahme an Turnieren durch die [[Deutsche Reiterliche Vereinigung|FN]] vorgeschrieben. Als ''noncore''-Impfungen, also solchen, die nur unter bestimmten Voraussetzungen empfohlen werden, gelten die gegen [[Druse (Pferd)|Druse]], [[Tollwut]], [[Equine Arteritis]], [[Equine Rotavirus-Infektion]]en, [[West-Nil-Virus]]-Infektion und [[Dermatophytose]]n.<ref>''Die aktualisierten Impfleitlinien für Kleintiere und Pferde.'' In: ''Dt. TÄBl.'' Band 65, Heft 4, S. 463–464.</ref>

=== Nutztiere ===
Auch Nutztiere wie Schweine, Rinder oder Schafe können gegen diverse Krankheiten geimpft werden. Dies führt laut Hersteller der Impfstoffe in der Folge zu einer verbesserten Mastleistung bzw.[ABBREVIATION] höheren Milchertrag und senkt gleichzeitig den Einsatz von [[Antibiotikum|Antibiotika]].

Für bestimmte [[Tierseuche]]n kann die Impfung nach dem [[Tierseuchengesetz (Deutschland)|Tierseuchengesetz]] staatlich angeordnet werden. Die Kosten für diese Impfungen werden von den [[Tierseuchenkasse]]n ersetzt, für einige Impfungen besteht in Hinblick auf die Sanierung der Bestände eine Teilerstattung der Kosten.

Dagegen wurde die prophylaktische Impfung gegen die [[Maul- und Klauenseuche]] (MKS), die bis dahin in Deutschland durchgeführt wurde, im Jahr 1991 in Europa durch die EU verboten. Stattdessen müssen bei Auftreten von MKS alle [[Klauentiere]] des betroffenen Bestandes unter strengen Sicherheitsmaßnahmen getötet und unschädlich beseitigt werden. Für Notfälle ist jedoch auf der Insel [[Riems]] eine Impfstoffbank eingerichtet worden. Das Verbot der MKS-Impfung war insbesondere politisch motiviert (Exportfähigkeit des Fleischs u.&nbsp;a.[ABBREVIATION]) und ist sehr umstritten, seit im Jahr 2001 in Großbritannien über vier Millionen Tiere [[Keulung|gekeult]] wurden.

Impfungen, die staatlich angeordnet werden können und von der Tierseuchenkasse kostenerstattet werden:
* Rind: [[Bovines Herpesvirus 1|Bovines-Herpesvirus-1-Infektion]], [[Rauschbrand]]
* Schwein: [[Aujeszkysche Krankheit]]

Eine Teilerstattung der Kosten gibt es für Impfungen gegen [[Bovine Virusdiarrhoe]]/[[Mucosal Disease]] der Rinder (BVD/MD). Der mittlerweile in der EU vom Markt genommene BVD-Impfstoff von Pfizer ist der wahrscheinliche Auslöser der [[Bovine Neonatale Panzytopenie|Bovinen Neonatalen Panzytopenie]].<ref name="Bastian">M. Bastian, M. Holsteg, H. Hanke-Robinson, K. Duchow, K. Cussler: ''Bovine Neonatal Pancytopenia: is this alloimmune syndrome caused by vaccine-induced alloreactive antibodies?'' In: ''[[Vaccine]].'' Band 29, Nummer 32, Juli 2011, S.&nbsp;5267–5275, {{DOI|10.1016/j.vaccine.2011.05.012}}, PMID 21605614.</ref>

=== Geflügel ===
Rechtlich vorgeschrieben ist in Deutschland die Impfung von Küken und Junghennen in Hühneraufzuchtbetrieben gegen [[Salmonellose|Salmonella Enteritidis]] ({{§|13|h_salmov|juris}} GflSalmoV). Diese Vorschrift gilt seit Neufassung der Hühner-Salmonellen-Verordnung 2009 für Betriebe ab 350 gehaltenen Tieren. Bis dahin war eine Impfung ab 250 Tieren und auch[FILLWORD?] gegen Salmonella typhimurium verpflichtend (§&nbsp;2 Hühner-Salmonellen-Verordnung a.F.). Sinnvolle Impfungen sind außerdem die gegen [[Marek-Krankheit]], [[Infektiöse Laryngotracheitis]], [[Infektiöse Bronchitis]], [[Aviäre Encephalomyelitis]] und [[Vogelpocken]].<ref>Anne Vits et al.: ''Tierseuchenrechtliche Hinweise zu Impfungen in Klein- und Hobby-Geflügelbeständen.'' In: ''Lohmann Information.'' 3/2005, S. 1–2.</ref>

== Literatur ==
* {{Literatur
  |Hrsg=Heinz Spiess, Ulrich Heininger
  |Titel=Impfkompendium
  |Auflage=6.
  |Verlag=Thieme
  |Ort=Stuttgart/ New York
  |Datum=2005
  |ISBN=3-13-498906-9}}
* {{Literatur
  |Autor=Volker Klippert, Ulrike Röper, Roland J. Riedl-Seifert
  |Titel=Impfen und Recht
  |Verlag=Zuckschwerdt
  |Ort=Germering
  |Datum=2003
  |ISBN=3-88603-826-2}}
* {{Literatur
  |Autor=Kenneth Murphy
  |Titel=Janeway's Immunobiology
  |Auflage=7.
  |Verlag=Garland Science
  |Ort=London
  |Datum=2007
  |ISBN=978-0-8153-4123-9
  |Online=[http://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK10757/ 5. Auflage online]}}
* [[Horst Kremling]]: ''Historische Betrachtungen zur präventiven Heilkunde.'' In: ''Würzburger medizinhistorische Mitteilungen.'' Nr. 24, 2005, S. 222–260.
* {{Literatur
  |Autor=Ute Quast, Sigrid Ley
  |Titel=Schutzimpfungen im Dialog
  |Auflage=2.
  |Verlag=Kilian
  |Ort=Marburg
  |Datum=1999
  |ISBN=3-932091-41-8}}
* {{Literatur
  |Hrsg=Johannes-Peter Rupp
  |Titel=Hundert Jahre Impfgesetz
  |Verlag=Ausstellungskatalog. Universitätsbibliothek
  |Ort=Gießen
  |Datum=1974
  |ISBN=
  |Online=[http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2006/3727/ Digitalisat, 1,03&nbsp;MB]}}
* {{Literatur
  |Autor=Reiner Thomssen
  |Titel=Schutzimpfungen. Grundlagen, Vorteile, Risiken
  |Verlag=Beck
  |Ort=München
  |Datum=2001
  |ISBN=3-406-44775-9}}
* {{Literatur
  |Autor=G. Weigand
  |Titel=Impfen schützt. Ärztlicher Ratgeber für Fernreisende
  |Verlag=J. Fink
  |Ort=Ostfildern
  |Datum=2001
  |ISBN=3-7718-1075-2}}
* C. Meyer, S. Reiter: ''Impfgegner und Impfskeptiker.'' In: ''[[Bundesgesundheitsbl – Gesundheitsforsch – Gesundheitsschutz]].'' Nr. 47, 2004, S. 1182–1188. [[doi:10.1007/s00103-004-0953-x]] ([http://www.gapinfo.de/gesundheitsamt/alle/technik/download/seuche/impfung/ig_rki.pdf Volltext als PDF-Datei; 226&nbsp;kB]).
* {{Literatur
  |Autor=Burkhard Schneeweiß, Michael Pfleiderer, Brigitte Keller-Stanislawski
  |Titel=Impfsicherheit heute
  |Sammelwerk=Deutsches Ärzteblatt (Dtsch Arztebl Int)
  |Band=105
  |Nummer=34–35
  |Datum=2008
  |Seiten=590–595
  |Online=[http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=heft&id=61244 online]}}
* Axel Helmstädter: ''Zur Geschichte der aktiven Immunisierung.'' In: ''[[Pharmazie in unserer Zeit]].'' Band 37, Nr. 1, 2008, {{ISSN|0048-3664}}, S. 12–18.
* [[Iris Ritzmann]]: ''Impfung.'' In: [[Werner E. Gerabek]], Bernhard D. Haage, [[Gundolf Keil]], Wolfgang Wegner (Hrsg.): ''Enzyklopädie Medizingeschichte.'' de Gruyter, Berlin 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 660–664.
* Malte Thießen: ''Vom immunisierten Volkskörper zum präventiven Selbst. Impfen als Biopolitik und soziale Praxis vom Kaiserreich zur Bundesrepublik.'' In: ''[[Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte]].'' Band 61, Nr. 1, 2013, {{ISSN|0042-5702}}, S. 34–65.
* Malte Thießen: ''Vorsorge als Ordnung des Sozialen: Impfen in der Bundesrepublik und der DDR.'' In: ''[[Zeithistorische Forschungen]].'' Band 10, Heft 3, 2013, {{ISSN|1612-6033}}, S. 409–432. ([http://www.zeithistorische-forschungen.de/3-2013/id=4731 online-Fassung])
* Ilse Zündorf, Angelika Vollmar, Theodor Dingermann: ''Immunologische Grundlagen des Impfens.'' In: ''Pharmazie in unserer Zeit.'' Band 37, Nr. 1, 2008, {{ISSN|0048-3664}}, S. 20–27.
* {{Literatur
  |Autor=M. Wiese-Posselt et al.
  |Titel=Impfempfehlungen für Deutschland
  |Sammelwerk=Deutsches Ärzteblatt (Dtsch Arztebl Int)
  |Band=105
  |Nummer=34–35
  |Datum=2011
  |Seiten=771–780
  |Online=[http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=heft&id=112573 Übersichtsarbeit]}}

== Rundfunksendungen ==
* [[Mirko Smiljanic]]: [http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/2227538/ ''Glaubensstreit um kleinen Pieks – Diskussion über die Vor- und Nachteile von Impfungen.''] In: ''[[dradio]] hintergrund.'' 28. August 2013.
* [[Volkart Wildermuth]]: [http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/impfungen-mit-mehrwert/-/id=660374/nid=660374/did=14908322/10bfxxd/index.html ''Impfungen mit „Mehrwert“ – Manche schützen vor mehreren Krankheiten zugleich.''] In: ''[[SWR2]] Wissen.'' 25. Februar 2015.

== Weblinks ==
{{Wiktionary}}
{{Wikisource|Impfgesetz|Impfgesetz des Deutschen Reichs vom 8. April 1874}}
{{Wikisource|Oberlandesgericht München – Impfzwang|Oberlandesgericht München – Impfzwang (1886)}}
{{Commonscat|Vaccinations|Impfungen}}

* [http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/impfen.html ''Impfen''], [http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/Bedeutung/Schutzimpfungen_20_Einwaende.html ''Schutzimpfungen – 20 Einwände und Antworten.''] und [http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2007/Ausgaben/25_07.pdf?__blob=publicationFile ''Hinweise für Ärzte zum Aufklärungsbedarf über mögliche unerwünschte Wirkungen bei Schutzimpfungen.''] (PDF; 182&nbsp;kB) des [[Robert-Koch-Institut]]s
* [http://www.kindergesundheit-info.de/index.php?id=7612 Impfen] auf kindergesundheit-info.de, dem Informationsangebot der [[Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung]] (BZgA)
* [http://www.impfen-info.de/startseite/ Impfung, Infektionskrankheiten, Immunisierung, Impfstoffe, Impfreaktionen, Impfkalender] - Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
* [http://www.cdc.gov/vaccines/pubs/pinkbook/index.html 'Pink Book'[QUOTATION?]] - Standardwerk für Impfungen des [[Centers for Disease Control and Prevention]] (CDC) der USA
* [http://www.kinderaerzte-im-netz.de/bvkj/show.php3?id=138&nodeid= Infos zu Impfungen bei Kindern] vom [[Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte]]
* [http://www.dtg.org/impfungen.html#390 Empfehlungen zu Reiseimpfungen] der [[Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit|Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit]] e.&nbsp;V.
* [http://www.who.int/immunization/en/ Seiten über Impfungen (engl.)] der [[Weltgesundheitsorganisation]] (WHO)
* [https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/gesund-leben/gesundheitsfoerderung-und-praevention/impfungen-prophylaxe/impfungen-fuer-saeuglinge-und-kinder.html Impfungen für Säuglinge und Kinder] des [[Bundesamt für Gesundheit|Bundesamts für Gesundheit]] der Schweiz

== Einzelnachweise ==
<references />

{{Gesundheitshinweis}}
{{Exzellent|4. Januar 2015|137410595}}
{{Normdaten|TYP=s|GND=4026656-4}}

[[Kategorie:Impfung| ]]
[[Kategorie:Epidemiologie]]

Erläuterungen

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