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Wiki-Quelltext mit Anmerkungen:

{{Dieser Artikel|befasst sich mit dem Waisenkind, andere Bedeutungen des Wortes Waise befinden sich unter [[Waise (Begriffsklärung)]].}}

[[Datei:James Tissot - Orphan.jpg|mini|hochkant|''Orphan'', [[James Tissot]] 1879]]
Als '''Waise''' (auf das dt. und niederl. Sprachgebiet beschränkte Wort [[Mittelhochdeutsch|mhd]]. ''weise'', [[Althochdeutsch|ahd]]. ''weiso'', zu ''wīsan'', ‚meiden, verlassen‘, immer im [[Femininum]]) oder '''Waisenkind''' wird ein [[Kind]] bezeichnet, das einen oder beide [[Elternschaft|Elternteile]] verloren hat. Hierbei wird zwischen ''Vollwaisen'' (bei denen beide Eltern gestorben sind) und ''Halbwaisen'' (bei denen ein Elternteil gestorben ist) unterschieden. Dieses Kind wird nur ''Waise'' genannt, wenn der Verlust der Eltern in der Periode der [[Kindheit]] oder des [[Adoleszenz|Jugendalters]] liegt. Verliert ein Mensch im Erwachsenenalter seine Eltern, spricht man[WORDS?] nicht mehr von einer Waise.

Im umgekehrten Fall bezeichnet man[WORDS?] Eltern, die ein Kind verloren haben, als [[verwaiste Eltern]].

Im Sprachgebrauch gibt es weitere Abwandlungen des Begriffs, beispielsweise die „Sozialwaise“ (gemeint ist eine Kindheit ohne elterliche Fürsorge) oder die „[[AIDS]]-Waise“ (benannt nach der Krankheit als Ursache für Verwaisung). Weitere Gründe, die zum Verwaisen von Kindern führen können, sind Krieg (Kriegswaise), Natur- und Industriekatastrophen oder [[Epidemie]]n.

Wenn sich bei Vollwaisen keine [[Verwandte]]n um die Erziehung der Kinder kümmern (können), gibt es in [[Deutschland]] verschiedene andere Betreuungsmöglichkeiten. In Absprache mit dem [[Jugendamt]] werden die Kinder entweder bei einer [[Pflegefamilie]], in einem [[Heimerziehung|Kinderheim]] (früher: [[Waisenhaus]] oder [[Säuglingsheim]]) und – bei [[Jugendlich]]en – im [[Betreute Wohnform|betreuten Jugendwohnen]] (manchmal Jugendheim genannt) untergebracht.
Die Eltern können im [[Testament]] bestimmen, zu wem im Falle ihres frühen Todes ein Kind kommen soll. Dafür benennen sie einen [[Vormund]], der die Aufgaben der [[Elterliche Sorge (Deutschland)|elterlichen Sorge]] übernehmen soll. Das [[Vormundschaftsgericht]] ist an die Entscheidung der Eltern gebunden, solange sie dem [[Kindeswohl|Wohl des Kindes]] dient.

Einige der in den deutschsprachigen Ländern bekanntesten Träger von Kinderheimen sind die Organisation [[SOS-Kinderdorf]], das [[Deutsches Rotes Kreuz|Deutsche Rote Kreuz]], die [[Diakonie]], [[Pro Juventute]] und viele weitere [[Freier Träger|freie Träger]] der öffentlichen Jugendhilfe.

Eine verlässliche Gesamtzahl aller Waisenkinder weltweit gibt es nicht. [[UNICEF]] nennt als ungefähren Richtwert 163 Millionen Kinder, die als Waisen gelten.<ref>[http://www.sos-kinderdoerfer.de/aktuelles/themen/waisenkinder Waisenkinder.Kinder außen vor: Die Situation von Waisenkindern weltweit, SOS Kinderdörfer Weltweit 31. Januar 2014]</ref> Humanium ([[Nichtregierungsorganisation|NGO]]) beziffert die Zahl der Waisenkinder weltweit auf 153 Millionen, davon 71 Millionen in Asien, 59 Millionen in Afrika sowie rund 9 Millionen in Lateinamerika und der Karibik. Rund 1.000 Kinder und Jugendliche werden jedes Jahr in Deutschland von der [[Deutsche Rentenversicherung|Deutschen Rentenversicherung]] erstmals als Vollwaisen erfasst.<ref>[http://www.humanium.org/de/waisenkinder/ Waisenkinder. Die Situation der Waisenkinder weltweit, Humanium. Hilft den Kindern 8. August 2013]</ref><ref>Es wird immer ein Problem sein, Frankfurter Allgemeine 19.08.16</ref>

Im Alltag erfährt der Begriff ''Waise'' zahlreiche sprachliche Adaptionen: ''Euro-Waisen'', ''EU-Waisen'', ''Waisenkinder der Medizin'' (siehe [[Orphan-Arzneimittel]], [[Seltene Krankheit]] oder [[Orphanet]]), ''[[Objekt planetarer Masse|Waisen-Planet]]'', ''Therapeutische Waisen'', ''Waisenkinder der Forschung'', ''Sehwaisen'', ''[[Verwaistes Werk]]'' oder ''[[Scheidungswaise]]''.

== Geschichte ==
[[Datei:Codice di hammurabi 03.JPG|mini|Oberer Teil der [[Stele]] mit dem Codex Hammurapi – Ḫammurapi vor Šamaš]]
[[Datei:BD Weighing of the Heart - Tefnut.jpg|mini|BD Weighing of the Heart – [[Tefnut]]]]
=== Altertum ===
In der Werteordnung der [[Sumerer]] und [[Akkad]]er war ihr König für den [[Sumerische Religion|Kult in den Tempeln]] sowie für die Aufrechterhaltung der sittlichen Ordnung unter den Menschen verantwortlich. Frühestes Zeugnis der Rechtssammlung bildet der [[Codex Ur-Nammu|Codex]] des [[Ur-Nammu]] (2111 – 2094 v.&nbsp;Chr.) aus der [[Ur-III-Zeit|III. Dynastie]] von [[Ur (Stadt)|Ur]]. Im Schlussteil des Prologs heißt es u.&nbsp;a.[ABBREVIATION]:<ref>[https://books.google.de/books?id=jIyEYItV95AC&pg=PA166&lpg=PA166&dq=waise+sumerer&source=bl&ots=L-HJ1jcqBY&sig=usi9OGopBtPjnHAGOP9roJmqlYQ&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwi3qbe4oKveAhXEalAKHeBNA1UQ6AEwBnoECAUQAQ#v=onepage&q=waise%20sumerer&f=false Grabner-Haider, Anton: Ethos der Weltkulturen: Religion und Ethik, Band 13, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006]</ref>

{{Zitat | Text=Den Waisen überantworte ich[WORDS?] keineswegs den Reichen, …}}

Im [[Codex Hammurapi]], frühes 18.&nbsp;Jahrhundert v.&nbsp;Chr., erkennt [[Hammurapi I. (Babylon)|Hammurapi]] das besondere Schutzbedürfnis der Waisen gegen die Stärkeren an. Er sieht sich als ihr Beschützer und versucht eine Gleichheit vor dem Gesetz auszuformulieren.<ref>Strenge, I.: ''Codex Hammurapi und die Rechtsstellung der Frau'', Verlag Königshausen & Neumann GmbH, Würzburg 2006</ref><ref>[http://www.123recht.net/Der-Codex-Hammurapi-__a8835__p2.html ''Babylon – Die Blüte am Euphrat und die Justiz. Unterhaltung – Das Recht in der Geschichte'', 123.rechtnet 26. April 2004]</ref>

Im [[Alter Orient|Alten Orient]] ist der Schutz von Waisen bereits in vorbiblischen Zeiten ein theologisch begründetes, sozialrechtliches Anliegen. Eine Vielzahl ägyptischer und mesopotamischer Texte aus dem dritten und zweiten Jahrtausend v.&nbsp;Chr. machen deutlich, dass Waisen als besonders hilflos und bedürftig betrachtet wurden.<ref>[http://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/witwe-und-waise-3/ch/276f46c33ff167bf5fb52b5de3c69cb6/ N. Molnár-Hídvégi: ''Witwen und Waisen im Alten Orient.'' In: ''Das wissenschaftliche Bibelportal der Deutschen Bibelgesellschaft'' 04/2010.]</ref> In einer 1951 entdeckten sumerischen Hymne erfolgt die Anrufung der Göttin Nasche von Lagasch mit den folgenden Worten:<ref>S.&nbsp;N. Kramer: ''Geschichte beginnt mit Sumer.'' München 1959, S.&nbsp;86&nbsp;ff.</ref>

{{Zitat | Text=Sie welche die Waise kennt, welche die Witwe kennt, die Unterdrückung des Menschen durch den Menschen kennt, Mutters der Waise ist. Nansche, welche für die Witwe sorgt … Die Königin nimmt den Flüchtling in ihrem Schoß, Gibt dem Schwachen Schutz.}}

Im patriarchalisch bestimmten [[Alter Orient|Alten Orient]] gehörte ein Kind, das den Vater verloren hatte, zu den in mehrfacher Hinsicht sozial und wirtschaftlich, rechtlich und religiös Benachteiligten und oft Bedrückten. Sie waren am stärksten von Ausbeutung bedroht, weil sie keinen Rechtsschutz und keine wirtschaftliche Absicherung hatten.<ref>Nora Molnár-Hídvégi: [http://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/witwe-und-waise-3/ch/276f46c33ff167bf5fb52b5de3c69cb6/ ''Witwe und Waise.''] Auf ''bibelwissenschaft.de'' vom April 2010. Zuletzt abgerufen am 14. Dezember 2013.</ref>

[[Tefnut]] (auch ''Tefnet''; weitere Beinamen: „Nubische Katze“, „Wahrheit“) ist eine [[Ägyptische Mythologie|altägyptische Göttin]], die zu den neun Schöpfergottheiten der [[Heliopolis|heliopolitanischen]] [[Kosmogonie]] ([[Neunheit von Heliopolis|Enneade von Heliopolis]]) gehört. Sie symbolisierte das Feuer.<ref>Jan Assmann: ''Tod und Jenseits im alten Ägypten''. Beck, München 2001, S.&nbsp;30; Susanne Bickel: ''La cosmogonie égyptienne''. S.&nbsp;169; Alexandra von Lieven: ''Grundriss des Laufes der Sterne''. S.&nbsp;192–194.</ref> In den [[Pyramidentexte]]n ist für Tefnut im Zusammenhang des [[Himmelsaufstieg (Altes Ägypten)|Himmelsaufstiegs]] vom König ([[Pharao]]) neben ihrem Namen ''Die Waise'' das [[Epitheton]] ''Die Wahrheit'' belegt.<ref>[http://www.lib.uchicago.edu/cgi-bin/eos/eos_page.pl?DPI=100&callnum=PJ1553.A1_1908_cop3&object=183 PJ1553.A1 1908 cop3. Die Altaegyptischen Pyramidentexte nach den Papierabdrucken und Photographien des Berliner Museums.]</ref>

In der [[Jüdische Bibel|Jüdischen Bibel]] bedeutet der Begriff „Waise“ (hebr. יָתוֹם jatôm) das vaterlose Kind (Ex 22,23; Hi 24,9) oder das Kind ohne Eltern. Die [[Septuaginta]] übersetzt das hebräische Wort mit ὀρφανός ''orphanos''.<ref>[https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/witwe-und-waise-at/ch/276f46c33ff167bf5fb52b5de3c69cb6/ Witwen und Waisen. bibelwissenschaft.de]</ref> Die schwierige soziale Lage von Waisenkindern wird angemahnt (Hiob 29:12).

=== Antike ===
[[Datei:Plato-raphael.jpg|mini|''Die Schule von Athen'' (Ausschnitt mit Platon) [[Raffael]] 1510/1511]]
Aufgrund des früheren Eintritts der Verwitwung und der Tatsache, dass beim Fehlen systematisch betriebener Empfängnisverhütung die Frauen in der [[Antike]] bis weit über das 30. Lebensjahr hinaus Kinder zur Welt brachten, hatten die Witwen in [[Römisches Reich|Rom]] in sehr vielen Fällen noch minderjährige Kinder zu versorgen; ca.[ABBREVIATION] 35-45 Prozent[NBSP] der Kinder dürften ihren Vater verloren haben, bevor sie das 14. Lebensjahr erreicht hatten. In der patriarchalischen Gesellschaft Roms waren die Witwen, die minderjährige Kinder zu versorgen hatten, von der Verarmung bedroht und oft verschuldet. Die Witwen sahen sich genötigt, ihre Kinder in die [[Sklaverei]] zu verkaufen, Töchter der Prostitution zuzuführen. Zahlreiche Waisen mussten in jungen Jahren einer Berufstätigkeit nachgehen, Waisenmädchen fanden aufgrund der fehlenden [[Mitgift]] überhaupt keinen Mann oder heirateten unterhalb ihres sozialen Standes. Ein großer Teil der Bettler in den antiken Städten rekrutierte sich aus Waisen.<ref>Krause, J.-U.: ''Witwen und Waisen im Römischen Reich'', Habilitationsschrift, 4 Bd., Steiner-Verlag, Stuttgart 1994/1995</ref> Mit der Fürsorge für Waisenkinder beschäftigte sich bereits im 3. Jahrhundert v. Ch. der Philosoph [[Platon]], der durch den frühen Tod seines Vaters selbst zu einer Halbwaise wurde. In seinen Athener Gesetzen (Nomoi, Elftes Buch, 926ff.) formulierte er, dass Waisenkindern Schutz und Obhut zu gewähren ist.<ref>[http://www.opera-platonis.de/Nomoi.pdf NOMOI (De legibus) Die Gesetze. Nach der Übersetzung von Dr. Franz Susemihl in: Platon´s Werke, vierte Gruppe, neuntes bis fünfzehntes Bändchen, Stuttgart 1862, 1963, bearbeitet.]</ref> Ähnliche Ansätze finden sich auch[FILLWORD?] in der [[Halacha]], der jüdischen Gesetzgebung.

In der [[Spätantike]] führte die Durchsetzung des Christentums zu einer Sensibilisierung für die sozialen Probleme der Waisen, denen der besondere Schutz der Kirche galt. Das [[Septuaginta#Geschichte im Christentum|Griechische Alte Testament]] übersetzt das hebräische Wort יָתוֹם jatôm mit ὀρφανός orphanos. Nirgendwo im [[Altes Testament|Alten Testament]] wird eine konkrete Einzelperson als Waise genannt. Trotz vielfältiger karitativer Bemühungen verlor das Versorgungsproblem nicht von seiner Brisanz. Es gelang der Kirche nicht, ein Netz von karitativen Einrichtungen zu schaffen, mit dem sie dieser Armut hätte Herr werden können. Individuelle Almosen mochten im Einzelfall die Not lindern und waren nicht in der Lage, die Ursachen zu beseitigen.<ref>Peffer, M. E.: ''Einrichtungen der sozialen Sicherung in der griechischen und römischen Antike: Unter besonderer Berücksichtigung der Sicherung bei Krankheit'', Duncker & Humblot Verlag, 1. Auflage 1969</ref>

Im 2. Jahrhundert n.&nbsp;Chr. gründete die Kaiserin [[Faustina die Jüngere|Faustina]] Einrichtungen zur Aufnahme ausgesetzter Mädchen. Das [[Erstes Konzil von Nicäa|Konzil von Nicaea]] (325 n.&nbsp;Chr.) ordnete die Einrichtung von Armenspitälern in den christlichen Gemeinden an, die sich teilweise zu Kinderasylen entwickelten.

=== Mittelalter ===
[[Datei:明太祖.jpg|mini|[[Hongwu]]]]
Eine Notwendigkeit, den Waisen besondere Fürsorge angedeihen zu lassen, ergibt sich für [[Muslim]]e aus dem [[Koran]] und aus der Geschichte. So starben in der [[Schlacht von Uhud]] im Jahre 625 Anhänger von [[Mohammed]], die alle ihre Familien zurückließen.

In den christlichen Ländern Europas waren die Waisen auf die Barmherzigkeit von Einzelpersonen oder öffentliche Fürsorge angewiesen und wurden schon durch die [[Karolinger|karolingischen]] [[Kapitularien]] unter den besonderen Schutz der [[Königsbote]]n gestellt.<ref>Markus Meumann: ''Findelkinder, Waisenhäuser, Kindsmord: Unversorgte Kinder in der frühneuzeitlichen Gesellschaft.'' Wissenschaftsverlag, Oldenbourg 1995, ISBN 3-486-56099-9, S.&nbsp;180&nbsp;f.</ref> Waisen wurden entweder von Verwandten angenommen, in ein [[Hospital|Spital]] oder in ein [[Findelkind|Findelhaus]], meist in kirchlicher Trägerschaft, gegeben und in diesen versorgt. Ab dem 8.&nbsp;Jahrhundert ist eine öffentliche Fürsorge zunächst in Italien und später im deutschsprachigen Raum belegt.<ref>Z. Eriksson: ''Über Anstaltsschäden der Kinder.'' In: ''Acta Paediatrica.'' Volume 4, Issue Supplement S1, April 1925, S.&nbsp;7–18.</ref><ref>Z. Eriksson: ''„Hospitalismus“ in Kinderheimen: Über Anstaltsschäden der Kinder.'' Akad. Abh.; Aus der Münchener Kinderklinik; Dir. Prof. M. v. Pfaundler, Akademiska Bokhandeln 1925.</ref> Für verwaiste Säuglinge nahmen die Pflegeeltern [[Ammen]] in den Dienst. Halbwaisen wuchsen nach der Wiederverheiratung des verbliebenen Elternteils beim Stiefvater oder bei der Stiefmutter auf; letztere wurde in den Volksmärchen und in [[Legende|Heiligenviten]] regelmäßig als böse und kaltherzig geschildert. Dem [[Sachsenspiegel]] zufolge standen Waisen bis zur Volljährigkeit, mit 21 Jahren, unter der Vormundschaft des ältesten Verwandten von väterlicher Seite, des ältesten [[Schwertmagen]].<ref>[http://u01151612502.user.hosting-agency.de/malexwiki/index.php/Waisenkinder Waisenkinder – Mittelalter Lexikon 9. Aug 2012]</ref> Im Weiteren gab es im Mittelalter die Erwartung, dass der [[Ritter]] nicht nur Kämpfer und Krieger sein sollte, sondern gleichzeitig Beschützer von Witwen und Waisen.

Die seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts in Deutschland nachweisbaren [[Zünfte]] unterstützten erstmals die Mitglieder in Notfällen wie [[Invalidität]], im Todesfall auch[FILLWORD?] Witwen und Waisen.<ref>[http://www.versicherungs-geschichte.de/historisches-ab-1750-vchr.html 100 Daten zur Versicherungsgeschichte. Museum der deutschen Versicherungswirtschaft 2005–2007]</ref> Handwerksmeister bildeten mittellose Waisenkinder zu einem ermäßigten Tarif oder unentgeltlich aus. Manche Zünfte bildeten Rücklagen, aus denen Kinder verstorbener Mitglieder während der Lehrzeit Unterstützung erhielten. In den folgenden Jahrhunderten führten immer mehr Berufsgruppen Waisenkassen zur Unterstützung hinterbliebener Kinder ihrer Berufskollegen ein.

In China wurde die Fürsorge von Waisen, ähnlich wie in Europa, oft von religiös geführten Einrichtungen wahrgenommen. Der Rebellenanführer der [[Rote Turbane|Roten Turbane]] und spätere Begründer der [[Ming-Dynastie]] [[Hongwu]] war, um als Waise nicht zu verhungern, 1344 gezwungen, in ein [[Buddhismus|buddhistisches]] Kloster einzutreten.<ref>''Geschichte der Menschheit. Neue Chancen.'' zdf info 2013</ref> Hier lernte er Lesen und Schreiben und kam zum ersten Mal mit höherer Bildung in Berührung.

=== Neuzeit bis 18.&nbsp;Jahrhundert ===
Erst nach dem [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieg]] (1618−1648) kam es in Europa vermehrt zu Gründungen von Waisenhäusern. Diese sollten für eine ganze Reihe sozialer Problemfelder gleichzeitig zuständig sein. So macht das 1677 in Braunschweig gegründete „[[Großes Waisenhaus BMV|Armen-, Waysen-, Zucht- und Werkhaus]]“ die Absichten schon in seinem Namen deutlich. Ähnliche Anstalten wurden 1679 in Frankfurt, 1702 in Bamberg, 1716 in Waldheim oder 1736 in Ludwigsburg gegründet. Das 1702 in Berlin gegründete ''Große Friedrichshospital'' war vorrangig ein Unterbringungsort für Waisen, Bettler, Invaliden, geistig Gestörte, Aussätzige und erst nachrangig Krankenanstalt.<ref>Notker Hammerstein, Christa Berg: ''[[Handbuch der deutschen Bildungsgeschichte]].'' C. H. Beck, 2005, ISBN 3-406-32464-9, S.&nbsp;430/31.</ref>

In Potsdam wurde durch eine Stiftung des preußischen Königs [[Friedrich Wilhelm I. (Preußen)|Friedrich Wilhelm I.]] vom 1. November 1724, das [[Großes Militärwaisenhaus|Große Militärwaisenhaus]] für Kinder im Alter zwischen 6 und 16 Jahren errichtet. Hier sollten die [[Eleve#Herkunft und Begriffsgeschichte|Zöglinge]] im Christentum, Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet werden und anschließend einen Beruf erlernen.<ref>Frank Schmitz: ''Grosses Waisenhaus zu Potsdam''. Stadtwandel Verlag, Berlin 2006</ref>
[[Datei:Otto Leiber - Die gotische Anna.jpg|mini|''Die gotische Anna'' (Porträt des Dienstmädchens), [[Otto Leiber]] 1904]]
Vorwiegend musikalisch begabte Waisenkinder, ''conservati'', erhielten im 17. und 18.&nbsp;Jahrhundert in Italien Musikunterricht. Die überreiche Produktivität [[Antonio Vivaldi|Vivaldis]] ist zu einem Gutteil dem ''[[Ospedale della Pietà]]'', den weiblichen Waisen und Mädchen aus gutem Hause, zu verdanken.<ref>H.-P. Rosenberger: ''Berühmte und Orte.'' 2. korrigierte Auflage, Verlag Books on Demand GmbH, Norderstedt 2009.</ref>

Die meisten Waisen mussten immer hart arbeiten, damit ihr Lebensunterhalt einigermaßen gesichert war. Selten waren die Arbeitsbedingungen gut. In manchen Waisenhäusern wurde auf die Ausbildung der Jungen noch Wert gelegt, damit sie als Handwerker später ein Auskommen hatten. Die Mädchen waren grundsätzlich schlechter dran – eine klassische Waisenbiografie mündete in einer Existenz als [[Dienstbote|Dienstmädchen]].<ref>L. Braun: ''Die Frauenfrage.'' Europäischer Literaturverlag, 1. Auflage, Bremen 4. Mai 2011, ISBN 3-86267-422-3.</ref> In der Schweiz wurden Waisen ab dem 18.&nbsp;Jahrhundert als [[Verdingkinder]] Interessierten öffentlich auf einem ''Verdingmarkt'' feilgeboten und versteigert.<ref>[http://www.infoclio.ch/de/node/4766 Marco Finsterwald: Verdingkinder. Kindswegnahmen durch das Jugendamt Bern 1945–1960] und [http://www.swissinfo.ch/ger/gesellschaft/Bern_entschuldigt_sich_bei_Verdingkindern.html?cid=29794854 swissinfo.ch: Bern entschuldigt sich bei Verdingkindern]</ref> Den Zuspruch bekam jene Familie, welche am wenigsten Kostgeld verlangte. Betroffene beschreiben, dass sie auf solchen Märkten „wie Vieh abgetastet wurden“. In anderen Gemeinden wurden sie wohlhabenderen Familien durch Losentscheid zugeteilt. Zugeloste Familien wurden gezwungen, solche Kinder aufzunehmen, auch[FILLWORD?] wenn sie eigentlich[FILLWORD?] gar keine wollten. Sie wurden meistens auf Bauernhöfen wie [[Leibeigenschaft|Leibeigene]] für Zwangsarbeit eingesetzt, meist ohne Lohn und Taschengeld. Nach Augenzeugenberichten von Verdingkindern wurden sie häufig erniedrigt oder gar vergewaltigt. Einige fanden dabei den Tod.

In den katholischen Ländern Europs entwickelten sich im 18. Jahrhundert [[Arbeitshaus|Arbeitshäuser]] und -heime. Neben familiengebundenen Kindern aus armen Verhältnissen sollten explizit verwahrloste Kinder, Findelkinder und Waisen die Erziehung zur Arbeit vermittelt werden. In Wahrheit wurden die Kinder pausenlos beschäftigt und die Vermittlung von Wissen sowie Fertigkeiten war i.&nbsp;d.&nbsp;R. auf die unmittelbar bezogene Tätigkeit beschränkt. Sie arbeiteten oft von 05:00 Uhr morgens bis 19:00 oder 21:00 Uhr am Abend. Die [[Wart (Aufseher)|Aufseher/innen]] ahndeten durch harte [[Körperstrafe|Prügelstrafen]] jedes „Fehlverhalten“. Im [[Evangelisch-lutherische Kirchen|lutherischen]] Deutschland entstanden [[Industrieschule]]n und [[Rettungshausbewegung|Rettungsanstalten]]. Die Landesherren, wie z.&nbsp;B. [[Friedrich der Große]], stellten den [[Industrieller|Fabrikanten]] Waisen zur Verfügung sowie zusätzlich [[Fördermittel[BKL]]]. Die „Vaterpflicht“ und die „Vatermacht“ für die Waisen übernahm oft der Fabrikant. Bis zur [[Volljährigkeit]] waren die Kinder oft der [[Ausbeutung]] wehrlos ausgeliefert. Nur wenige Pädagogen kritisierten die starke Ausrichtung auf industrielle Fertigung und wirtschaftlichen Gewinn.<ref>[https://books.google.de/books?id=OHJwAgAAQBAJ&pg=PA85&lpg=PA85&dq=waise+industrieschulen&source=bl&ots=Ur9tB9N9Dn&sig=ktybl8tXv1Uv0_cDH7y0x1Qeato&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwjtk-vQ37zeAhWFhSwKHXHsDOYQ6AEwCXoECAcQAQ#v=onepage&q=waise%20industrieschulen&f=false Meike S. Baader, Florian Eßer, Wolfgang Schröer: Kindheiten in der Moderne. Eine Geschichte der Sorge, Campus Verlag, Frankfurt a.M./ New York 2014]</ref>

=== 19.&nbsp;Jahrhundert ===
Gegen Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts führten die [[Philanthropen]] den berühmten ''Waisenhausstreit'' gegen die in den Anstalten herrschenden Missstände und setzten sich für Familienpflege ein. Die Kritik an den Anstalten wurde so laut, dass sie geschlossen wurden. Die Waisen wurden bei Familien untergebracht, die meistens nur den „Arbeitswert des Kindes“ sahen. Wenn das Kind nicht die gewünschte Leistung lieferte, wurde es zurückgebracht und in einigen Fällen musste es aus der Familie wieder zurückgeholt werden. Da die Unterbringung in den Familien nicht ideal war, ging der „Waisenhausstreit“ weiter. Das strikte Familienprinzip führte zu neuen Missständen, sodass eine Reform der Anstalten angestrebt wurde, um die sich besonders [[Johann Heinrich Pestalozzi|J. H. Pestalozzi]] verdient machte.<ref>[http://universal_lexikon.deacademic.com/134097/Waisenhaus Waisenhaus, Universal-Lexikon, Academic dictionaries and encyclopedias]</ref> Der Ruf nach besseren Waisenhäusern wurde lauter und viele Veränderungen besprochen. Zum Beispiel wurde von ausreichender Ernährung gesprochen, jede Waise sollte ihr eigenes Bett bekommen. Die Arbeitsstunden sollten auf 3 oder 4 Stunden[NBSP] heruntergesetzt werden. Weiterhin sollte es zur Förderung der Gesundheit jeden Tag Gymnastik für die Kinder geben.<ref>[http://philo.at/wiki/index.php/Heimkinder_(JsB) Geschichte der Heimerziehung. In: Heimkinder (JsB), Philo Wiki]</ref><ref>A. Mehringer: ''Heimkinder. Gesammelte Aufsätze zur Geschichte und zur Gegenwart der Heimerziehung.'' 4. Auflage. Reinhardt, München und Basel 1994.</ref><ref>J. Jacobs: ''Der Waisenhausstreit: ein Beitrag zur Geschichte der Pädagogik des 18. und 19. Jahrhunderts.'' Trute 1931.</ref> In vielen Ländern Europas kam es zu Gründungen von Waisenkolonien auf dem Lande. Waisenkinder, auch[FILLWORD?] aus den Städten, wurden u.&nbsp;a.[ABBREVIATION] in Pflegefamilien untergebracht.<ref>[http://thata.ch/wordpress/wp-content/uploads/2012/07/teil1_arwed_emminghaus_das_armenwesen_und_die_armengesetzgebung_in_europa-2.pdf Emminghaus, A.: Das Armenwesen und die Armengesetzgebung in Europäischen Staaten. Herbig Verlag. Berlin 1870]</ref>
[[Datei:Orphan Train.jpg|mini|''Orphan train'']]
Kolonialmächte, wie Frankreich und Großbritannien, versuchten mit der Überführung der den Waisenhäusern entwachsenen Mädchen die „Frauenfrage“ in Südafrika oder Kanada zu lösen. Jene einfach und religiös erzogenen, hauswirtschaftlich ausgebildeten Mädchen hatten „ein vortreffliches Ehefrauenmaterial“ abgegeben. Deutschland versuchte in seinen Kolonien, Waisen als Hilfskräfte mit Niedriglohn für Geschäftsleute und Gewerbetreibende zu gewinnen. Die für [[Deutsch-Südwestafrika]] bestimmten Jugendlichen sollten nur bei solchen Kolonisten untergebracht werden, die vertrauenswürdig erschienen und es an nichts fehlen ließen „bei der sittlichen und beruflichen Ausbildung“ ihrer Schutzbefohlenen. Vorrang erhielten die aus Waisenhäusern zu entlassenden Jünglinge und Mädchen, keinesfalls solche aus den Besserungsanstalten und sogenannten Rettungshäusern.<ref>[http://www.golf-dornseif.de/artikel/Deutsch-Suedwest_Kolonie Dornseif, G.: Waisen-Import und Dienstmädchen-Anwerbung für Südwest, 11. Mai 2010]</ref><ref>Der Farmer. In: ''Windhuker Nachrichten'', Winhhuk 8. September 1908.</ref>

Ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein wurden in den USA über 250 000 Waisen, mit den sogenannten ''Waisenzügen'' aus den Großstädten des Ostens zu Farmerfamilien in den Mittleren Westen entsendet. Die Idee dazu hatte der in New York lebende Theologe Charles Loring Brace. Auf dem Lande sollten die Kinder eine neue Heimat finden. Statt auf Liebe und Zuwendung trafen sie oft auf kühle Berechnung und Eigennutz. Viele von ihnen wurden als billige Arbeitskräfte ausgebeutet, misshandelt oder vernachlässigt. Die Waisenzüge wurden so auch[FILLWORD?] zu einem Symbol des Elends und nicht der Befreiung auf ein besseres Leben. Einige von ihnen, wie John Green Brady oder Andrew Burke, gelang als Gouverneur von Alaska oder von North Dakota ein gesellschaftlicher Aufstieg.<ref>[https://www.welt.de/geschichte/article136639459/Amerikas-Waisenzuege-die-andere-Form-der-Sklaverei.html Amerikas Waisenzüge, die andere Form der Sklaverei, Welt. Geschichte 22.01.15]</ref>

=== 20.&nbsp;Jahrhundert bis Gegenwart ===
[[Datei:Lenin-circa-1887.jpg|mini|Lenin circa 1887]]
==== 1900 – 1940 ====
Seit dem 20.&nbsp;Jahrhundert wurden in vielen Industriestaaten [[Säuglingsheim]]e für Waisen unter dem dritten und [[Heimerziehung|Kinderheime]] für Waisen über dem dritten Lebensjahr eingerichtet. Während des Ersten Weltkrieges wurden viele Kinder zu Waisen. 1915–1917 war [[Jakob Künzler]] Augenzeuge des [[Völkermord an den Armeniern|Völkermordes an den Armeniern]], worüber er 1921 sein Buch mit dem Titel ''Im Lande des Blutes und der Tränen'' schrieb. Unter Lebensgefahr half er Tausenden von armenischen Waisen und führte den Spitalbetrieb in [[Urfa]] weiter. 1922 organisierte er mit seiner Frau die Ausreise von rund 8000 armenischen Waisen in das französische Mandatsgebiet Syrien, zu dem der Libanon zählte.<ref>[http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D10717.php Künzler, Jakob. Historisches Lexikon der Schweiz 5. November 2007]</ref>

Eine Welle der Verwahrlosung von Kindern entwickelte sich nach der Oktoberrevolution 1917 in Russland. 7.000.000 Waisen irrten 1922 auf der Flucht vor Bürgerkrieg und Hungersnot durch Russland. Bei westlichen Intellektuellen riefen diese „Besprisornyje“ („Verwahrlosten“) Mitgefühl hervor. [[Nadeschda Konstantinowna Krupskaja|Nadeschda Krupskaja]], Lebensgefährtin von [[Lenin]], der selbst als 15-jähriger eine Halbwaise wurde, wagte Systemkritik. Die Wurzeln der Obdachlosigkeit seien sehr wohl[FILLWORD?] auch[FILLWORD?] in der Gegenwart zu suchen. [[Felix Dserschinski]], Gründer der sowjetischen Geheimpolizei, ließ obdachlose Kinder in den Wäldern wie [[Partisan]]en jagen, andere in Kinderhäuser oder Arbeitskolonien sperren. Der neuen politischen Führung erschienen sie, für den Aufbau der [[Sowjetunion]], sehr gut geeignet zu sein.<ref>Hildermeier, Manfred: Geschichte der Sowjetunion 1917–1991. München 1998, S. 150 ff.</ref><ref>[http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-8716433.html SPIEGEL ONLINE, 12. Mai 1997]</ref>

Ende des 1. Weltkrieges führte die [[Spanische Grippe]] weltweit zum Verwaisen vieler Kinder. Die [[Pandemie]], die durch einen ungewöhnlich [[Virulenz|virulenten]] Abkömmling des [[Influenzavirus]] ([[Influenza-A-Virus H1N1|Subtyp A/H1N1]]) verursacht wurde und zwischen 1918 und 1920 mindestens 25&nbsp;Millionen, nach einer Bilanz der Fachzeitschrift ''Bulletin of the History of Medicine'' vom Frühjahr 2002 sogar[WORDS?] knapp 50&nbsp;Millionen Todesopfer forderte. Eine Besonderheit der Spanischen Grippe war, dass ihr vor allem Menschen im Alter zwischen 20- bis 40-jährige erlagen. Kinder und ältere Menschen gehörten nicht zur Risikogruppe.<ref>Niall P. A. S. Johnson, Juergen D. Mueller: ''Updating the Accounts: Global Mortality of the 1918–1920 „Spanish“ Influenza Pandemic''. In: ''Bulletin of the History of Medicine.'' Band 76, Nr. 1, 2002, S. 105–115</ref>

Als sich im [[Spanischer Bürgerkrieg|Spanischern Bürgerkrieg]] 1936–1939 ein Sieg General [[Francisco Franco]]s abzeichnete, brachten viele republikanische Familien aus Furcht vor der Rache der Faschisten ihre Kinder ins Ausland. Die Ausreise der Kinder organisierte das Internationale Rote Kreuz. Die meisten wurden per Schiff über Genua in Sicherheit gebracht. Etwa 3500 Kinder gelangten in die Sowjetunion, mehr als 30.000 nach Frankreich, Großbritannien, Schweden sowie in die spanischsprachigen Länder Mittel- und Südamerikas. Nach dem Ende des Bürgerkrieges 1939 wurden mehrere zehntausende Menschen hingerichtet. Nicht alle der in Sicherheit gebrachten spanischen Kinder kehrten aus dem Ausland zurück. Viele haben in Russland oder in Mittel- und Südamerikas, eine neue Heimat gefunden.<ref>[http://www.spiegel.de/einestages/exodus-der-kinder-a-959218.html Spanischer Bürgerkrieg. Exodus der Kinder SPIEGEL ONLINE EINESTAGES]</ref>

[[Datei:Bundesarchiv Bild 183-S69279, London, Ankunft jüdische Flüchtlinge.jpg|mini|Ankunft eines Transports polnischer Kinder im Hafen von [[London]] 1939]]
Als Berichte über die [[Reichskristallnacht]] in Deutschland 1938 das Ausland erreichten, beschloss die britische Regierung, verfolgte jüdische Kinder einreisen zu lassen. Am 30. November 1938 fuhr der erste Zug mit 196 Kindern aus Berlin Richtung London. Zwischen Dezember 1938 und September 1939 wurden ca.[ABBREVIATION] 10.000 jüdische Kinder bis zu einem Alter von 17 Jahren aus Deutschland, Österreich, Polen und der Tschechoslowakei nach Großbritannien gerettet. Sie mussten ihre Eltern zurücklassen. Höhepunkt der Aktion waren zwei bis drei [[Kindertransport]]-Züge pro Woche. Besonders leicht an Pflegeeltern zu vermitteln waren blonde, zutrauliche und intelligente Mädchen zwischen 7 und 10 Jahren, sie galten als unproblematische Pflegekinder. Knaben ab 12 Jahren, die in Deutschland besonders gefährdet waren, hatten kaum eine Chance auf Vermittlung in eine Pflegefamilie und kamen in englische Heime. Die Auswahl durch die Pflegeeltern in England wurde von den Kindern häufig wie ein „Viehmarkt“ empfunden. Gleich nach der Ankunft oder im Speisesaal des Ankunftslagers suchten sich mögliche Pflegeeltern „geeignete“ Kinder aus. Die „übriggebliebenen Kinder“ wurden in verschiedenen Heimen in ganz Großbritannien untergebracht. Einige Kinder wurden in der neuen Familie als billige Dienstboten und Kindermädchen ausgenutzt. Manche Pflegeeltern gaben den Kindern neue, englische Vornamen und zwangen sie, nach christlichen Traditionen zu leben. Andere Pflegeeltern ermunterten die Kinder, in die [[Synagoge]] zu gehen und jüdische Feste zu feiern, sie förderten die Pflegekinder, versorgten sie und schenkten ihnen Zuwendung.
[[Datei:Bundesarchiv Bild 146-1969-062A-56, "Verein Lebensborn", Taufe.jpg|mini|Lebensborn [[Taufe]]]]
Mit Ausbruch des Weltkrieges verschärfte sich die Situation der Flüchtlingskinder in Großbritannien. Viele wurden von den Pflegefamilien in Flüchtlingslager abgegeben oder als deutsche Spione verdächtigt. Dennoch fanden knapp 10.000&nbsp;Kinder in Großbritannien Schutz. Rund 8.000 weitere Kinder waren in Pflegefamilien oder Heimen in den Niederlanden, in Belgien, in Frankreich, der Schweiz oder in Schweden untergekommen. Das offizielle Ende der Kindertransporte war der 1. September 1939, als mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg ausbrach. Der letzte bekannte[WORDS?] Kindertransport erfolgte durch den niederländischen Frachter ''SS Bodegraven'', der mit 80 Kindern an Bord am 14. Mai 1940 unter deutschem Maschinengewehrfeuer von IJmuiden aus den Kanal überquerte und schließlich in Liverpool landete. Nach Kriegsende kam für viele die traurige Gewissheit. Nur eines von zehn Kindern fand seine Eltern wieder, die Spuren der Eltern von über 9.000 Kindertransport-Kindern verloren sich in Auschwitz, Theresienstadt und anderen Vernichtungslagern.<ref>[http://www.erinnern.at/bundeslaender/oesterreich/lernmaterial-unterricht/methodik-didaktik-1/744_Kindertransporte.pdf Windischbauer, E.: Kindertransporte 1938/39 nach England, www.kindertransport.org]</ref><ref>Behrendt, G.: Mit dem Kindertransport in die Freiheit. Vom jüdischen Flüchtling zum Corporal O’Brian. Frankfurt/Main, 2001</ref><ref>Göpfert, R.: Ich kam allein. Die Rettung von zehntausend jüdischen Kindern nach England 1938/39. München, 1994</ref><ref>Harris, M. J.; Oppenheimer, D.: Kindertransport in eine fremde Welt. München, 2000</ref><ref>Turner, H.: Kindertransport. Eine beispiellose Rettungsaktion. Gerlingen, 1994</ref>

In den 30er und 40er Jahren stellten die [[Lebensborn]]heime während der Zeit des [[Drittes Reich|Dritten Reiches]] eine besondere Form von Betreuung für Waisen dar. Das Ziel war es, auf der Grundlage der [[Nationalsozialistische Rassenhygiene|nationalsozialistischen Rassenhygiene]] und Gesundheitsideologie die Erhöhung der [[Geburtenrate]] „[[Ariernachweis|arischer]]“ Kinder herbeizuführen. Dies sollte durch anonyme [[Geburt|Entbindungen]] und Vermittlung der Kinder zur [[Adoption]] – bevorzugt an Familien von SS-Angehörigen – erreicht werden. In den [[Nürnberger Prozesse]]n sah man[WORDS?] in den Lebensbornheimen der [[Nationalsozialisten]] ein rein soziales Netzwerk für Waisen und uneheliche Kinder.<ref>[Die Kinder der Herrenrasse – Organisation Lebensborn, ZDF info, 13. April 2013 (Video)]</ref><ref>dradio.de, Kalenderblatt</ref>

==== 1941 – 1970 ====
In den Jahren zwischen 1944 und 1959 wurden in Kanada durch die Regierung von [[Maurice Duplessis]] in der Provinz [[Quebec]] tausende, oft unehelich geborene, Kinder von ihren Eltern getrennt und in die Obhut kirchlicher und staatlicher Waisenheime gegeben. Es galt diese Kinder, als „gesellschaftliche Fehltritte“ zu verstecken. Die Heime wurden größtenteils von der Provinzregierung finanziert. Dort wurden sie über viele Jahre als billige Arbeitskräfte benutzt, sexuell missbraucht oder körperlich misshandelt. Einige von ihnen wurden für geisteskrank erklärt und in psychiatrische Anstalten abgeschoben oder die Heime selbst, wurden in psychiatrische Anstalten umgewandelt und die darin untergebrachten Waisen für geisteskrank erklärt. Der Grund dafür war der höhere Pflegesatz, der für geistig behinderte Kinder von der Regierung gezahlt wurde. Man benutzte sie als Versuchskaninchen für Medikamente – manchmal mit tödlichem Ausgang.<ref>Ein Tag mit Folgen: Die verratenen Waisen des Maurice Duplessis. Französische TV-Dokumentation von Marc Petitjean, Arte 2003</ref>

Über ein südafrikanisches Adoptionsunternehmen sollten ab 1948 tausende deutsche Waisenkinder, darunter viele Kriegswaisen, nach Südafrika vermittelt werden. Eine Kinderpsychologin brach im gleichen Jahr nach Deutschland auf und wählte die ersten 83, andere Quellen berichten von 87<ref>[http://www.heute.de/Mandela-Vom-Staatsfeind-zum-Präsidenten-30984000.html ''Mandela. Vom Staatsfeind zum Präsidenten'', History. zdf info 6. Dezember 2013]</ref>, Kinder aus Waisenhäusern aus. Hunderte von Burenfamilien, ebenso wie der Premierminister [[Daniel François Malan]] bewarben sich um die Kinder. Hinter dieser Initiative stand ein privates Adoptionsunternehmen, gegründet von rechtsgerichteten Buren. Ihr Auswahlkriterium war die sogenannte „Rasse“. Das „arische Blut“ sollte der burischen Minderheit in Südafrika helfen, „weiß zu bleiben in einem schwarzen Land“. „Isoliert die Kinder, trennt die Geschwister voneinander und schneidet sie von ihrer Vergangenheit ab“, das war das Motto des Dietse-Kinderfonds, der die Sammeladoption unter kirchlicher Bürgschaft durchführte. Die Kinder wurden von ausgewählten burischen Familien adoptiert. Das eigentliche Ziel des Programms kannten die Minderjährigen nicht.<ref>[http://www.arte.tv/guide/de/039897-000/weisses-blut ''Weißes Blut. Aus den Ruinen in die Sonne. Eine Apartheids-Geschichte'' arte. 4. Juni 2013]</ref>
[[Datei:Australian Flag at Antilyas Orphanage (14184061062).jpg|mini|Australian Flag at Antilyas Orphanage]]
Für mindestens 150.000 britische Kinder, die zwischen den 1920er und 1960er Jahren in Ex-Kolonien wie [[Australien]] oder [[Kanada]] verfrachtet wurden, entpuppte sich die Fahrt als Alptraum. Die britischen Behörden wollten sich eine teure Last vom Hals schaffen. Die Kinder kamen teils aus Waisenhäusern und Jugendheimen, noch öfter aus mittellosen oder zerrütteten Familien. Den Eltern wurde weisgemacht, ihre Kinder würden anderswo im Lande adoptiert, dürften sich auf ein „besseres Leben“ freuen. Den Kindern erzählte man, sie gingen auf eine tolle Reise oder ihre Eltern seien gestorben. In Wirklichkeit führte Großbritannien die ahnungslosen Drei- bis Vierzehnjährigen einem grausamen Schicksal zu. Zahllose Kinder mussten auf Bauernhöfen als unbezahlte Arbeiter schuften, von ihren neuen „Besitzern“ drakonisch behandelt. Andere wurden in Heimen missbraucht. Erst 1967 wurde das ''Kinder-Auswanderungs-Programm'' beendet, das London mit den [[Commonwealth of Nations|Commonwealth-Staaten]] ausgehandelt hatte. Besonders Australien wollte sich mit „weißem Menschenschlag“, Erbgut aus dem Mutterland, versorgen. Ein ehemaliger Erzbischof von Perth begrüßte die Kinder mit den Worten: „Willkommen in Australien – wir brauchen euch zum Erhalt der weißen Rasse.“<ref>[http://www.fr-online.de/politik/waisentransport-nach-australien-vom-empire-verstossen,1472596,3280728.html Nonnenmacher, P.: Vom Empire verstoßen. Waisentransport nach Australien] Frankfurter Rundschau 16. November 2009</ref>

Nach dem [[Koreakrieg]] (1950–1953) gab es vergleichsweise viele Kriegswaisen sowie Kinder aus Verbindungen amerikanischer Soldaten mit Koreanerinnen. Seit dem Ende des Kriegs wurden offiziell mehr als 150.000&nbsp;Kinder aus Korea ins Ausland adoptiert<ref>{{Internetquelle|url=https://www.kadoption.or.kr/en/info/info_history.jsp |titel=History of Adoption in Korea - KOREA ADOPTION SERVICES |zugriff=2018-04-13 |sprache=ko}}</ref>; die Zahl der inoffiziell adoptierten Kinder ist nicht dokumentiert, wird unterschiedlichen Quellen nach mit mehr als 50.000 angenommen. Noch lange nach dem Krieg, wurden jedes Jahr tausende Kinder ins Ausland gebracht und adoptiert. Unverheiratete und partnerlose Mütter entgingen durch die Freigabe ihrer Kinder zur Adoption der gesellschaftlichen Ausgrenzung, andere sahen sich aus finanziellen Gründen gezwungen, sich von ihren Kindern zu trennen. Agenturen übernahmen die Vermittlung der Kinder. [[Adoptionen aus Korea]] wurden so auch[FILLWORD?] zu einem Geschäftsmodell.<ref>[Olympionikin sucht leibliche Eltern. Mama, erkennst du mich? SPIEGEL ONLINE, 08-2018]</ref>

==== 1971 – 2000 ====
Ab den 70er Jahren wurden die Säuglingsheime für Waisen unter 3 Jahren vielerorts nach und nach geschlossen, in der Schweiz Ende der 60er Jahre, in Deutschland-West Mitte der 70er Jahre und in Deutschland-Ost Anfang der 90er Jahre. Gründe dafür waren unter anderem Erkenntnisse aus der [[Säuglings- und Kleinkindforschung]], Veröffentlichungen von Filmaufnahmen aus den Heimen sowie öffentliche Proteste. Heute findet man[WORDS?] diese Form der Einrichtung als Kleinsteinrichtung (auch als „Säuglingsnest“ bezeichnet, 10–15 Plätze)<ref>B. Leiber, M. Radke, M. Müller: ''Das Baby-Lexikon. ABC des frühen Kindesalters.'' Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2001.</ref> in Industrieländern. In osteuropäischen Ländern oder in Ländern der [[Dritte Welt|Dritten Welt]] ist das klassische Säuglingsheim oder Waisenhaus für Waisen im Kleinstkindalter noch anzutreffen.

Im [[Vietnamkrieg]] (1955 bis 1975) verspricht der amerikanische Luftwaffengeneral [[Curtis E. LeMay]] Vietnam in die [[Steinzeit]] zurückzubomben.<ref>{{Internetquelle|url=http://www1.wdr.de/stichtag/stichtag1294.html|titel=30. April 2005 - Vor 30 Jahren: Ende des Vietnam-Krieges, WDR|zugriff=2017-03-16}}</ref> Bilanz des Krieges u.&nbsp;a.[ABBREVIATION]: 800.000 Waisen, eine 1.000.000 Krüppel und 3.000.000 Tode. Große Teile der Umwelt wurden zerstört und verseucht. 14.000.000 Tonnen Bomben und Granaten fielen auf Vietnam – dreimal so viel wie auf alle Länder im Zweiten Weltkrieg.<ref>[https://www.zeit.de/1985/18/die-narben-der-apokalypse/seite-3 Die Narben der Apokalypse, ZEIT ONLINE, 26.04.85]</ref>
[[Datei:Operation Babylift baby shoes.JPG|mini|Schuhe der ''Operation Babylift'']]
Am 3. April 1975 gab der US-Präsidenten [[Gerald Ford]] in der ''[[Operation Babylift]]'' seine Zustimmung, über 3.000 vietnamesische Waisenkinder aus dem belagerten [[Saigon]] auszufliegen. 2.000 Kinder wurden in die USA geflogen, weitere 1.300 nach Kanada, Europa und Australien. Dort wurden sie von Familien in den jeweiligen Ländern adoptiert.<ref>[http://www.spiegel.de/einestages/vietnamkrieg-a-948914.html Die Kinder der Operation Babylift. SPIEGEL ONLINE, 8. April 2005]</ref><ref>[https://abccommercial.com/contentsales/program/operation-babylift Operation Babylift. ABC 2015]</ref>

In der DDR kam es durch politisch motivierte [[Zwangsadoption]]en zum Verwaisen von Kindern. Spätestens ab Mitte der 1970er Jahre wurden Kinder, deren Eltern als „politisch unzuverlässig“ eingestuft worden waren, zur Zwangsadoption freigegeben. Den Eltern, die bei der [[Ungesetzlicher Grenzübertritt im DDR-Recht|Republikflucht]] verhaftet worden waren oder die [[Ausreiseantrag|Ausreiseanträge]] gestellt hatten, wurden die Kinder entzogen. Viele sahen ihre Söhne und Töchter erst nach der Wiedervereinigung von Deutschland wieder. Wie viele Fälle von Zwangsadoptionen es gegeben hat, ist bis heute nicht völlig geklärt.<ref>[https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/familie/adoptivkinder/pwiegeraubtekinder100.html Geraubte Kinder. planet wissen, 2. August 2016]</ref>

In [[Argentinien]] gehört der Raub von Babys und Kindern zu den größten Verbrechen, die sich während der argentinischen [[Militärdiktatur]] von 1976 bis 1983 ereigneten. Nachdem man[WORDS?] ihre Eltern getötet hatte, wurden die Waisen als [[Kriegsbeute]] von Menschen aufgezogen, die der Diktatur nahestanden. Nur etwa 100 dieser Kinder haben bis heute von ihrer wahren Identität erfahren. Von 400 weiteren fehlt trotz aller Bemühungen von Verwandten und den suchenden ''[[Abuelas de Plaza de Mayo|Großmüttern der Plaza de Mayo]]'' bislang jede Spur.<ref>Argento, A.: ''Paula, du bist Laura! Geraubte Kinder in Argentinien.'' Ch. Links Verlag 2010, ISBN 978-3-86153-593-5.</ref>

[[Datei:Fireworks at the closing ceremonies of the 1988 Summer Games.JPEG|miniatur|Abschlussfeuerwerk [[Seoul]] 1988]]
Der südkoreanische Machthaber [[Park Chung-hee]] ruft 1975 zur Reinigung des Landes von „Herumtreibern“ auf. [[Obdachlose]], [[Dissident]]en und Kinder werden weggesperrt, missbraucht und getötet – besonders viele in den Jahren vor den [[Olympische Spiele|Olympischen Spiele]]n in Seoul 1988. Landesweit gab es 36 Einrichtungen in ganz [[Südkorea]] in denen Unerwünschte untergebracht wurden. Einige Heime, u.&nbsp;a.[ABBREVIATION] das ehemalige Waisenhaus namens ''Brüderheim'' unweit von [[Busan]], glichen eher einem [[Arbeitslager|Zwangslager]] als einem Heim. Allein in diesem Heim waren 4000 Insassen untergebracht, die [[Zwangsarbeit]] in 20 Fabriken verrichteten und daneben [[Missbrauch]], [[Vergewaltigung]]en oder den Tod fürchten müssten. 90 Prozent[NBSP] von ihnen hätten nicht einmal dort sein dürfen, weil sie nicht unter die von der Regierung vorgegebene Definition von „Herumtreibern“ fielen. Aus den Dokumenten lässt sich entnehmen, dass die Zahl der Insassen 1986 auf mehr als 16 000 anstieg. Die [[Nachrichtenagentur]] [[Associated Press|AP]] erfuhr in Interviews mit Opfern, Zeugen, [[Ermittler]]n und aus zugänglichen Regierungsdokumenten von Hunderten Todesfällen und Vergewaltigungen, für die auch[FILLWORD?] zwei Jahre vor den nächsten Olympischen Spielen in Südkorea, 2018 in [[Pyeongchang]], niemand zur Verantwortung gezogen worden ist.<ref>[https://www.nwzonline.de/panorama/jahrzehntelang-brutaler-kindesmissbrauch-vertuscht_a_6,1,2473341018.html Waisenhäuser in Südkorea, Jahrzehntelang brutaler Kindesmissbrauch vertuscht, Nord West Zeitung, 22.04.2016]</ref><ref>[https://www.welt.de/geschichte/article155028663/Hunderte-mussten-fuer-ein-glaenzendes-Olympia-sterben.html Hunderte mussten für ein glänzendes Olympia sterben, Welt, Geschichte 04.05.2016]</ref>

In China wurde die [[Ein-Kind-Politik]] 1979 eingeführt, um zu verhindern, dass die Bevölkerung im Land zu schnell wächst. Ungewollter Nachwuchs wurde in „Häusern der Wohlfahrt“ (rund 1.200 Waisenhäuser und 74 Kinderdörfer) wegsperrt. Die Opfer dieser Politik werden von ihren Eltern ausgesetzt, weil sie behindert, entstellt, krank sind oder auch[FILLWORD?] nur, weil sie als Mädchen auf die Welt kamen. Viele dieser Findelkinder und Waisen sterben vor Hunger oder aus Mangel an ärztlicher Betreuung. 2015 erklärte die Regierung das offizielle Ende von dieser Politik.<ref>[http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/9220786 Der Kinder-Gulag von Harbin. SPIEGEL ONLINE 11.09.95]</ref><ref>[https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-10/china-ein-kind-politik-abschaffung China beendet Ein-Kind-Politik. ZEIT ONLINE 29.10.15]</ref>

Mitte der 80er Jahre führten zwei Industriekatastrophen in Indien ([[Katastrophe von Bhopal]]) und der Ukraine ([[Nuklearkatastrophe von Tschernobyl]]) zu tausenden Opfern und im größeren Umfang zum Verwaisen von Kindern. Ein Umstand, der durch die Spätfolgen der Katastrophen Jahre später noch anhält.<ref>[https://www.dw.com/de/zeitzeugen-erinnern-sich-an-den-super-gau/a-15000128 Zeitzeugen erinnern sich an den Super-GAU. DW 26.04.11]</ref>

Von politischer Brisanz war in der [[Wende und friedliche Revolution in der DDR|Wendezeit]] der [[DDR]] und bei der [[Deutsche Wiedervereinigung|deutschen Wiedervereinigung]] 1989/ 1990 der Umstand, dass das [[Ministerium für Staatssicherheit]] (MfS) entwurzelte Menschen, Waisen und Heimkinder, gern als [[Inoffizieller Mitarbeiter|inoffizielle Mitarbeiter]] (IM) anwarb und diese als Spitzel für sich arbeiten lies[TYPO?]. Enttarnt wurden u.&nbsp;a.[ABBREVIATION] der Vorsitzende der Partei [[Demokratischer Aufbruch]] [[Wolfgang Schnur]] und der Vorsitzende der [[Sozialdemokratische Partei in der DDR|Sozialdemokratischen Partei in der DDR]] (SDP) [[Ibrahim Böhme]].<ref>Nicht, Frank Lothar: Die „Stasi“ als Erinnerungsort im vereinigten Deutschland 1990–2010. Tectum Verlag. Marburg 2012</ref> Die Öffnung der [[Berliner Mauer]], verbunden mit dem Weggang vieler Bürger in den „Westen“ führte anderseits dazu, dass Einige ihre Kinder in der DDR zurückließen. Deren genaue Anzahl ist nicht erhoben worden.<ref>[http://www.spiegel.de/video/elternflucht-die-verlassenen-kinder-der-ddr-video-1036857.html Elternflucht. Die verlassenen Kinder der DDR. SPIEGEL ONLINE, 11. Oktober 2010]</ref>
[[Datei:Madonna, Rotterdam, 26-8-1987.jpg|mini|Madonna, [[Rotterdam]] 1987]]

==== 2001 – Gegenwart ====
Adoptionsverfahren für Waisen werden in der Gegenwart in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich geregelt oder unterliegen mitunter einer willkürlichen Anwendung, wie z.&nbsp;B. in Russland.<ref>[https://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/sendung/br/russland-waisen-100.html Lielischkies, Udo: Russland: Waisen als politische Waffe, Weltspiegel, ARD Stand: 20. Juni 2013]</ref> Immer wieder sorgen [[Adoption]]en von Waisenkindern durch Prominente wie [[Sandra Bullock]], [[Steven Spielberg]], [[Hugh Jackman]] für Aufsehen, beispielsweise die Adoption von zwei Waisen aus Malawi durch die Sängerin [[Madonna (Künstlerin)|Madonna]] in den Jahren 2006 und 2009.<ref>''Madonna darf Waisenkind Mercy doch adoptieren.'' In: ''Die Welt'', 12. Juni 2009.</ref>

Durch den verheerenden [[Taifun Haiyan]] wurden 2013 auf den Philippinen, allein in der Provinz [[Leyte]], tausende von Kindern zu Waisen, weil ihre Familienangehörigen ums Leben kamen. Weltweit wurde zur schnellen und dringenden Hilfe für die betroffenen Kinder aufgerufen, damit sie nicht in die Hände von [[Menschenhandel|Menschenhändlern]] fielen.<ref>[http://de.radiovaticana.va/news/2013/11/14/philippinen:_tausende_von_waisenkindern/ted-746512 Philippinen: Tausende von Waisenkindern] Radio Vatikan 14. November 2013</ref>

2014 werden in den westafrikanischen Staaten Liberia, Guinea oder Sierra Leone Tausende Kinder durch das [[Ebola-Virus]] zu Waisen. Aus Sorge vor Ansteckung werden sie häufig gemieden und sich selbst überlassen.<ref>[http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/ebola-seuche-in-afrika-kinder-als-waisen-opfer-ohne-hilfe-a-992871.html ''Opfer der Seuche: Afrikas verstoßene Ebola-Waisen''] SPIEGEL ONLINE GESUNDHEIT vom 21. September 2014</ref>

In China werden Waisenkinder von Hingerichteten verstoßen. Es bedeutet, dass ein Kind für das Verbrechen seiner Eltern [[Stigmatisierung|stigmatisiert]] und für den Rest seines Lebens ausgestoßen bleibt. Offiziellen chinesischen Quellen nach gibt es um 1.110 [[Hinrichtung]]en pro Jahr. Das sind ca.[ABBREVIATION] 38 – 42 Hinrichtungen pro Tag. Damit werden in China, so viele [[Todesurteil[BKL]]]e wie in allen anderen Ländern der Welt zusammen vollstreckt. Sobald ihre Väter oder Mütter hingerichtet wurden, haben die Waisen meistens niemanden mehr, der sich um sie kümmert. Nach einer Verurteilung verschließen sich auch[FILLWORD?] die Türen der Verwandtschaft. Zu groß ist die empfundene Schande. Die Gesellschaft ignoriert die Kinder von Verbrechern, sie haben ihr Leben lang unter den Fehlern der Erwachsenen zu leiden. Nicht selten streunen sie herum, werden selbst [[kriminell]], enden auf der Straße als Bettler, Diebe oder [[Tagelöhner]]. Nicht wenige von ihnen sterben mitten auf der Straße.<ref>[https://www.epochtimes.de/china/china-politik/in-china-werden-die-waisenkinder-der-hingerichteten-verstossen-nicht-von-der-mutter-der-moerderkinder-a1271516.html In China werden die Waisenkinder der Hingerichteten verstoßen – Nicht von der „Mutter der Mörderkinder“, EPOCH TIMES, 24.09.18]</ref>

== Sozialwaise ==
[[Datei:Thomas kennington orphans 1885.jpg|mini|''Waisen'', Thomas Kennington 1885]]
Eine Sozialwaise ist ein Kind, um das sich weder Eltern noch Verwandte kümmern.<ref>[http://www.duden.de/rechtschreibung/Sozialwaise Duden Sozialwaise]</ref> Soziale Verwaistheit ist ein Zustand, der durch Nichtwahrnehmung elterlicher Pflichten gegenüber dem minderjährigen Kind verursacht wird. Sozialwaisen verlieren infolge diverser sozialer, wirtschaftlicher, moralischer und psychischer Ursachen ihre Eltern und werden zu Waisen bei leiblichen Eltern, die noch am Leben sind.

=== Begriffliche Einordnung ===
Heutzutage gibt es keine festgelegten Definitionen und Beurteilungen dieser Kategorie der Kinder. Massenmedien, psychologische und pädagogische Arbeiten sowie Sozialbefragungen verwenden folgende Termini: [[Obdachlosigkeit|obdachlose]] Kinder, Nichtbetreute, [[Straßenkind]]er, Sozialwaisen, minderjährige Risikogruppen u.&nbsp;a.[ABBREVIATION]

UNICEF zählt folgende Gruppen zu den Sozialwaisen:
* Kinder, die keinen Kontakt zu ihren Familien halten und in Zufluchtsorten leben;
* Kinder, die Kontakt zu ihren Familien halten und wegen Armut, Ausnutzung und Missbrauch in der Familie untertags und nachts auf der Straße leben;
* Kinder, die in Heimen aufgewachsen sind, diese aus vielen Gründen verlassen haben und auf der Straße leben.

Durch die Sensibilisierung über die Folgen einer Heimbetreuung von Sozialwaisen in den ersten Lebensjahren (wie psychischer [[Hospitalismus]] oder [[Deprivation]]) versuchte man[WORDS?] vermehrt ab den 1970er Jahren (in den westlichen Ländern) die Entwicklungschancen von Sozialwaisen durch die Aufnahme in [[Pflegeeltern|Pflegefamilien]] oder [[SOS-Kinderdorf|SOS-Kinderdörfer]] zu verbessern.<ref>M. Plotsidem: ''Waisen und Sozialwaisen in staatlichen Fürsorgeeinrichtungen in der Ukraine – Rechtliche Lage und verschiedene Modelle.''</ref>

In den Fachdiskursen der [[Pädiatrie]], Sozialmedizin, [[Psychologie]], Sozialarbeit und [[Pädagogik]] finden die Auswirkungen der sozialen Verwaistheit seit den 1990er Jahren kaum oder keine Beachtung mehr.

=== Gegenwart ===
Eine dramatische Zunahme der Sozialwaisen ist insbesondere nach der politischen Wende in vielen Ländern des ehemaligen Ostblocks zu beobachten. Insgesamt schätzt UNICEF im Jahr 2012 allein in der [[Ukraine]] die Zahl der Straßenkinder auf rund 100.000. Sie sind Gewalt, sexueller Ausbeutung und [[HIV]]-Infektionen schutzlos ausgesetzt. Bei Befragungen berichteten viele dieser Heranwachsenden, dass sie sich prostituieren müssen.
Rund 100.000 Mädchen und Jungen leben in Heimen. Die meisten dieser Kinder sind Sozialwaisen. Das bedeutet, dass Eltern ihre Kinder aus Not oder Ausweglosigkeit einem Heim überlassen.<ref>[http://www.unicef.de/presse/2012/kinderrechte-in-der-ukraine-staerken/ UNICEF: Kinderrechte in der Ukraine stärken]</ref>

== AIDS-Waise ==
[[Datei:Aids 39.jpg|miniatur|''AIDS-Waisen'' in Südafrika, Paul Weinberg 2004]]
Als AIDS-Waisen werden solche Kinder bezeichnet, die ihre Eltern aufgrund des [[HIV|HI-Virus]] verloren haben und vorrangig in [[HIV/Aids in Afrika|afrikanischen]] Ländern wie [[Südafrika]] oder [[Simbabwe]]<ref>[http://www.avert.org/aidsorphans.htm AIDS-Waisen bei Avert.org] (en)</ref> vorkommen. Pro Jahr werden ca.[ABBREVIATION] 70.000 Kinder durch AIDS zu Waisen.<ref>[http://www.time.com/time/world/article/0,8599,128736,00.html AIDS Orphan’s Preventable Death Challenges Those Left Behind] (en)</ref>

2004 stieg die Zahl der AIDS-Waisen weltweit auf 15 Millionen. Viele weitere Kinder und Jugendliche leben mit kranken oder sterbenden Eltern, werden ausgegrenzt und seien damit wiederum anfälliger für Infektionen mit dem Aidsvirus, heißt es in dem auf der Weltaidskonferenz in Bangkok vorgestellten Bericht der Vereinten Nationen: „Kinder am Rande des Abgrunds“.<ref>15 Millionen Aids-Waisen. In: Ärzte Zeitung, 14. Juli 2004</ref>

Die Zahl der AIDS-Waisen in Afrika steigt weiter – selbst in Ländern, in denen die Immunschwäche inzwischen erfolgreich bekämpft wird. Bis 2010 werden auf dem Kontinent voraussichtlich 15,7 Millionen ihre Mutter, ihren Vater oder beide Eltern verloren haben. Häufig müssen die Kinder ihre erkrankten Eltern allein bis zum Tode pflegen. Weltweit leben in Asien die meisten AIDS-Waisen, wenngleich die Zahl der bekannten Fälle seit 1990 rückläufig ist, gefolgt von Afrika und Lateinamerika.<ref>[http://www.unicef.de/fileadmin/content_media/presse/fotomaterial/AIDS_Toronto/AOGReport.pdf CHILDREN AFFECTED BY AIDS. Africa’s Orphaned and Vulnerable Generations, PRE – Publikation, United Nations Children’s Fund (UNICEF) 14. August 2006]</ref>

Das [[Rahel-Bildungsprojekt]] des [[Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen#Institut für Weltkirche und Mission|Instituts für Weltkirche und Mission]] (IWM) der [[Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen|Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen]] <ref name="IWM-Rahel-Webseite">{{Internetquelle |url=http://www.iwm.sankt-georgen.de/rahel-bildungsprojekt/ |titel=Rahel – Ein Bildungsprojekt für Adigrat |hrsg=Institut für Weltkirche und Mission - Rahel-Bildungsprojekt |werk=Webseite des Rahel-Bildungsprojektes |zugriff=2016-09-25}}</ref> entstand 2010 bei der Forschungsreise zum Thema [[AIDS]] eines Professors der Hochschule Sankt Georgen in [[Adigrat]] in der [[Tigray (Region)|Region Tigray]] im Norden [[Äthiopien]]s. Das Projekt unterstützt durch Mikro-[[Stipendium|Stipendien]] benachteiligte [[Jugend]]liche in Adigrat in der [[Tigray (Region)|Region Tigray]] im Norden Äthiopiens und begleitet sie während ihres [[Studium]]s bzw.[ABBREVIATION] ihrer [[Berufsausbildung|Ausbildung]]. Namensgeberin ist die AIDS-Waise Rahel Hailay, die durch das Projekt ein Studium der [[Biologie]] und [[Zoologie]] an der Universität in [[Aksum]] absolvieren konnte. In Äthiopien wird das Projekt von Mitarbeitern des [[Eparchie Adigrat|Bistums Adigrat]] im Rahmen des [[OVC-Projekt]]es vor Ort betreut.<ref name="IWM-Rahel-Webseite" /><ref name="IWM-Rahel-Festschrift">{{Literatur |Autor=Judith Breunig, Madeleine Helbig, Claudia Berg, Stefanie Matulla, Magdalena Strauch, Marita Wagner, Benedikt Winkler |Titel= [[Rahel - Ein Bildungsprojekt für Adigrat]] |TitelErg=Festschrift der Studierendeninitiative - Ein Blick durch die Zeit: 2010-2015 |Verlag= Institut für Weltkirche und Mission | Ort=Frankfurt am Main | Datum=2015-06}}</ref> Durch personelle Fluktuation bei den Studierenden der Hochschule St. Georgen läuft das Projekt seit Ende 2017 langsam aus. Die Aufgaben der Förderung werden nach und nach alleine von dem ''Adigrat Diocesan Catholic Secretariat'' (ADCS) und ehemaligen Absolventen in Äthiopien wahrgenommen.<ref name="IWM-Rahel-Brief">{{Internetquelle|autor=Rahel-Team |url=https://iwm.sankt-georgen.de/file/Brief-an-Spender.pdf |titel=Brief an Spender |hrsg=Institut für Weltkirche und Mission - Rahel-Bildungsprojekt |werk=Webseite des Rahel-Bildungsprojektes |zugriff=2018-08-03}}</ref>

== Kriegswaise ==
[[Datei:Bundesarchiv Bild 183-N0301-373, Berlin, Frau mit Waisenjunge.jpg|miniatur| ''Frau mit Waisenjunge'', [[Berlin]] 1945]]
=== Deutschland ===
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren zehntausende Kinder allein unterwegs – sie waren traumatisiert, ausgehungert und häufig schwer krank. Viele dieser Kriegswaisen kamen in Mecklenburg-Vorpommern an, einem wichtigen Durchgangsort für die Flüchtlinge aus den [[Ostgebiete des Deutschen Reiches|Ostgebieten]]. Allein 1945 waren dort 30.000 elternlose Flüchtlings- und Vertriebenenkinder registriert. Der Strom der Kriegswaisen endete in den Jahren nach dem Krieg nicht: An einem einzigen Tag im Mai 1947 kamen in [[Pasewalk]] in [[Vorpommern]] 3.000 Kinder aus [[Ostpreußen]] an.<ref>[https://www.ndr.de/kultur/geschichte/chronologie/kriegswaisen103.html Das traurige Schicksal der Kriegswaisen, NDR, Stand: 19. November 2012]</ref>

Tausende von deutschen Kriegswaisen waren nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen Ostpreußen und dem [[Baltikum]] unterwegs. Viele, die später als Erwachsene in [[Polen]], [[Litauen]], [[Lettland]] oder [[Estland]] lebten, nahmen eine falsche Identität an – man[WORDS?] gab ihnen den Namen [[Wolfskind (Zweiter Weltkrieg)|''Wolfskinder'']].<ref>[http://wolfskinder-geschichtsverein.de/ Wolfskinder Geschichtsverein e.&nbsp;V., Website aufgerufen am 24.&nbsp; Mai 2012]</ref><ref>[http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9463957.html Keine Sprache, keine Heimat. Zeitgeschichte, Der Spiegel 15. Januar 1996]</ref><ref>Sonya Winterberg: Wir sind die Wolfskinder. Verlassen in Ostpreußen. Piper Verlag, München 2012, ISBN 978-3-492-05515-4 Das Buch behandelt das Schicksal der elternlosen Wolfskinder im ehemaligen Ostpreußen.</ref>

Überlebende jüdische Waisenkinder aus den Konzentrationslagern wurden u.&nbsp;a.[ABBREVIATION] von zionistischen Organisationen in Kibbuzim zusammengefasst und auf ihre Zukunft in Israel vorbereitet. Viele Jugendliche von ihnen versuchten in den klassischen Emigrationsländern, wie die USA, Australien oder Kanada, Fuß zu fassen. So nahm u.&nbsp;a.[ABBREVIATION] Kanada über 1.000 jüdische Waisen auf.<ref>[http://www.hagalil.com/2018/02/kanada/ Neustart ins Leben – Nach der Shoa nahm Kanada über 1.000 jüdische Waisen auf. Jüdisches Leben online, 20. Februar 2018]</ref>

Am Ende des Zweiten Weltkrieges gab es allein in Deutschland rund 500.000 Kriegswaisen und ca.[ABBREVIATION] 20 Millionen Halbwaisen. Die meisten von ihnen mussten ohne Vater leben.<ref>[https://www.planet-wissen.de/geschichte/nationalsozialismus/kindheit_im_zweiten_weltkrieg/index.html#Nachkriegszeit Kindheit im Zweiten Weltkrieg, planetwissen, 29.05.2018]</ref>

=== England ===
Gemeinsam gründeten [[Anna Freud]] und Dorothy Tiffany Burlingham zusammen mit Josefine Stross<ref>[http://www.psychoanalytikerinnen.de/index.html?oesterreich_biografien.html Angaben über Josefine Stross (1901–1995) im Biografischen Lexikon Psychoanalytikerinnen in Europa.]</ref><ref>[http://agso.uni-graz.at/marienthal/biografien/stross_josefine.htm Kurzbiographie]</ref> die ''[[Hampstead (London)|Hampstead]] Nurseries'', ein Heim, in dem sie Kriegskinder und Kriegswaisen betreuten. 1945 holte Anna Freud eine kleine Gruppe von Kindern aus Theresienstadt nach London. Sie wurden unter ihrer Aufsicht ([[Supervision]]) versorgt und betreut. Die Erinnerungen einiger Kinder wurden mit deren Erlaubnis veröffentlicht. Anna Freud selbst schrieb einen Artikel über sie, der 1951 in der von ihr gegründeten Zeitschrift veröffentlicht wurde.<ref>Nach der Biographie von [[Erna Furman]] S.&nbsp;107, Fußnote 66, ''Anna Freud in collaboration with Sophie Dann'', An experiment In Group Upbringing, in: ’The Psychoanalytic Study of the Child’, VI, 1951. A group of six three-year-old former Terezin children is observed as regards group behavior, psychological problems and adaption.</ref>

=== Syrien ===
[[Datei:1er CEPML.jpg|mini|Fremdenlegionäre im Indochina-Krieg 1953/1954]]
Seit Ausbruch des [[Bürgerkrieg in Syrien|Bürgerkrieges in Syrien]] Anfang 2011 gibt es, nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF, mehr als eine Million Flüchtlingskinder. Viele der Flüchtlingskinder sind zu Waisen geworden und traumatisiert, da sie mit ansehen mussten, wie Familienmitglieder getötet worden sind. Sie sind – nach diesen Angaben – außerdem Opfer von sexueller Gewalt, Folter und willkürlicher Haft und werden häufig als Kindersoldaten rekrutiert.<ref>[http://www.unicef.de/projekte/themen/nothilfe/syrien/ Helfen Sie den Flüchtlingskindern. UNICEF Stand: 2. August 2013]</ref><ref>Über zwei Millionen syrische Kinder in Not. In: Zeitgeschehen, ZEIT ONLINE 12. März 2013</ref>

=== Indochina ===
Im [[Indochina-Krieg]] kämpften circa 35.000 Deutsche, zumeist (Halb-)Waisen des Weltkrieges oder ehemalige Angehörige der [[Wehrmacht]] oder [[SS]], als [[Légion étrangère|Fremdenlegionäre]] auf der Seite der Franzosen. Dies entspricht etwa einem Anteil von zwei Dritteln aller eingesetzten Fremdenlegionäre. Für manche ehemaligen Verdingkinder und Waisen aus der Schweiz war der Dienst in der französischen Fremdenlegion eine Option, um der unterdrückenden Gesellschaft und den in der Kindheit zugefügten Wunden und Narben zu entfliehen.<ref name="latour-reisfeld">{{Literatur | Autor= [[Peter Scholl-Latour]] | Titel=Der Tod im Reisfeld | Verlag=dtv | Ort=München | ISBN=3-423-36173-5 | Jahr=2000 }}</ref><ref>[http://www.netzwerk-verdingt.ch/doku/newsletter/buholzer.html Fremdenlegionär Nr.&nbsp;5720 Leonard Buholzer. Verein netzwerk-verdingt]</ref>

== Experimente mit Waisen ==
=== Sprachexperimente ===
==== Antike ====
[[Datei:Frederick II and eagle.jpg|mini|Kaiser Friedrich II.]]
[[Herodot]] berichtet in einer [[Anekdote]], dass bis zur Regierungszeit des [[Pharao]] [[Psammetich I.|Psammetichos]] die Ägypter sich für die ersten aller Menschen hielten. Als Psammetichos Pharao geworden war und erfahren wollte, welches die ersten seien, glaubten sie, die [[Phryger]] seien noch älter als sie, sie selbst älter als alle anderen. Als der Pharao trotz allen Forschens die Frage nicht lösen konnte, wer die ersten Menschen gewesen seien, ließ er einem Hirten zwei neugeborene Kinder geben. Der Hirte sollte die Kinder mit seiner Herde so aufziehen, dass niemand in der Gegenwart der Kinder sprechen dürfe. Die Kinder sollten ganz allein für sich in einer einsamen Hütte leben. Zu bestimmten Zeiten sollte der Hirte seine Ziegen dorthin führen und den Kindern genug Milch geben, danach seinen anderen Geschäften nachgehen. Psammetichos versuchte so herauszubekommen, was für ein Wort die Kinder zuerst aussprechen würden, wenn die Zeit des [[Spracherwerb|Lallens]] vorbei wäre. Seine Anordnungen wurden strikt ausgeführt. Als der Hirte die Kinder zwei Jahre auf diese Weise versorgt hatte, stürzten sie beide, als er die Tür eines Tages öffnete und hereintrat, auf ihn zu und lallten das Wort ''Bekos'', wobei sie ihm die Hände emporstreckten. Als die Kinder dies öfter wiederholten, wenn er zu ihnen kam, teilte er es dem Pharao mit und führte ihm auf Befehl die Kinder vor. Psammetichos vernahm das Wort gleichfalls und forschte nach, in welcher Sprache die Bezeichnung ''Bekos'' vorkäme. Da fand er, dass die Phryger so das Brot bezeichneten; aus dieser Geschichte schlossen die Ägypter und gaben zu, dass die Phryger älter seien als sie selbst. Herodot ergänzte, dass er diese Begebenheit von den Priestern des [[Hephaistos]] in [[Memphis (Ägypten)]] hörte und die Griechen diese Geschichte mit vielen törichten Zusätzen ausschmückten.<ref>J. Feix: ''Herodot Historien''. Erster Band, 4. Auflage, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1988.</ref>

==== Mittelalter ====
Im 13.&nbsp;Jahrhundert führt der Chronist [[Salimbene von Parma]] in seiner Chronica über die Frage des früh verwaisten Kaisers [[Friedrich II. (HRR)|Friedrich II.]] aus: ''In welcher Sprache Kinder sich auszudrücken beginnen würden, die niemals vorher irgendein Wort sprechen gehört haben?'' Sein lebhaftes Interesse soll Friedrich II. angeblich zu einem seltsamen Experiment veranlasst haben. Er hätte Wärterinnen und Ammen eine Anzahl verwaister Neugeborener zur Aufzucht mit dem Auftrag übergeben, ihnen die Brust zu reichen, sie zu reinigen, zu baden etc. – mit dem strengsten Verbote, sie jemals zu liebkosen und mit ihnen oder vor ihnen ein Wort zu sprechen. Es geschah nach des Kaisers Willen; dessen brennende Neugierde fand keine Befriedigung, denn alle Kinder starben im frühesten Alter. Belege oder andere Quellen für diese Anekdote gibt es in der Geschichtsschreibung nicht. Für die Darstellung dürften persönliche Animositäten des Salimbene sowie der klerikale Machtkampf gegen den Kaiser eine Rolle gespielt haben.<ref>Hubert Houben: ''Kaiser Friedrich II. Herrscher, Mensch, Mythos.'' Stuttgart 2008, S.&nbsp;144&nbsp;f.; Wolfgang Stürner: ''Friedrich II.'' Teil 2: ''Der Kaiser 1220–1250.'' Darmstadt 2000, S.&nbsp;449.</ref>

=== Pharmazeutische Experimente ===
[[Datei:WP Josef Mengele 1956.jpg|mini|Josef Mengele – [[Buenos Aires]] 1956]]
Im März 2013 haben ukrainische Parlamentarier [[Illegalität|illegale]] Praktiken [[pharmazeutisch]]er Unternehmen in ihrem Land kritisiert. So wurden zwischen 2011 und 2012 drei [[klinisch]]e Versuchsreihen mit Kindern durchgeführt, darunter Waisen. Damit Kinder an einem klinischen Versuch teilnehmen dürfen, bedarf es der Einwilligung beider Elternteile. Falls ein Kind Waise ist, so ist die Zustimmung einer Regierungsvertretung notwendig. Ukrainische Abgeordnete bestätigten, dass diese Auflage in mehreren Fällen missachtet wurde. Zudem wurden klinische Versuche an Einrichtungen durchgeführt, die nicht über die notwendigen Genehmigungen verfügten.<ref>[http://www.evb.ch/cm_data/1309_UKRAINE_Final_Report_1.pdf ''Clinical Drug Trials in Ukraine: Myths and Realities''. Berne Declaration, September 2013]</ref>

=== Medizinische Experimente ===
Waisen waren und sind, neben Gefängnisinsassen oder Menschen aus [[Armenhaus|Armenhäusern]] und [[Irrenanstalt]]en, bevorzugte [[Proband]]en für medizinische Forschungen bis hin zur heutigen [[Transplantationsmedizin]]. Der Aufstieg der [[Pädiatrie]], als anerkanntes Teilgebiet der klinischen Medizin, wäre ohne die Forschungen in den Säuglingsheimen mit den Waisenkindern kaum möglich gewesen. Einerseits gelang es, die sehr hohe Sterblichkeit in den Säuglingsheimen zu verringern. Andererseits wurden die Folgen (wie Hospitalismus und Deprivation) für die Kinder in diesen Heimen jahrzehntelang von vielen führenden Pädiatern, wie z.&nbsp;B. [[Arthur Schlossmann]], ignoriert.<ref>A. Bergmann: ''Der entseelte Patient – Die moderne Medizin und der Tod.'' Aufbau-Verlag, Berlin 2004.</ref><ref>A. Bergmann, Ulrike Baureithel: ''Herzloser Tod. Das Dilemma der Organspende.'' Klett-Cotta, Stuttgart 1999.</ref>
[[Datei:Bundesarchiv Bild 183-29407-0003, LPG Wortenberg, Blick in die Kinderkrippe.jpg|mini|[[Säuglingspflege]]rin – [[Berlin]] 1955]]
1946–1948 [[infiziert]]e der US-Mediziner John Cutler im Auftrag seiner Regierung 1.308 Menschen, unter ihnen Waisenkinder, in Guatemala gezielt mit [[Syphilis]]. Viele starben qualvoll, noch heute leiden Opfer an ihren Verletzungen. Auf der anderen Seite des Atlantiks wurde Deutschland entnazifiziert. In Nürnberg standen zwanzig[WORDS?] Ärzte und drei Helfer vor Gericht. Sieben von ihnen wurden zum Tode verurteilt, weil sie an Menschen experimentiert hatten. Der KZ-Arzt Dr. [[Josef Mengele]] entzog sich dieser Gerichtsbarkeit; durch seine medizinischen Experimente war er verantwortlich für den Tod von Waisenkindern in [[Auschwitz-Birkenau]]<ref>[http://www.enarro.de/das-experiment-des-sadisten Coen, A.: Das Experiment des Sadisten, enarro 2014]</ref><ref>[http://www.planet-schule.de/sf/php/02_sen01.php?sendung=8522 ''Auf Wiedersehen im Himmel – Die Sinti-Kinder von der St.&nbsp;Josefspflege'', planet schule, SWR/ WDR 2013]</ref>

In den 40er und 50er Jahren wurden Versuche mit [[radioaktiv]]em Strahlenmaterial von der US-Atomenergie-Behörde koordiniert. Über die Auftraggeber herrscht weitgehend Unklarheit. Etliche Experimente wurden offensichtlich vom Verteidigungsministerium und von [[US-Geheimdienst]]en geordert und bezahlt. So gaben Wissenschaftler einer weltberühmten US-Universität strahlenverseuchte Cornflakes 125 geistig behinderten Kindern in einem Waisenhaus zu essen.<ref>[http://www.berliner-zeitung.de/archiv/skandal-um-radioaktive-menschenversuche-erschuettert-usa---biii-clinton-ordnet-krisenkonferenz-an-strahlende-cornflakes-fuer-waisenkinder,10810590,8798820.html Sehroeder, P. W.: ''Strahlende Cornflakes für Waisenkinder. Skandal um radioaktive Menschenversuche erschüttert USA. Bill Clinton ordnet Krisenkonferenz an.''] In: ''Berliner Zeitung'', 4. Januar 1994.</ref>

Die Universität von [[Melbourne]] hat ehemalige Heimkinder um Verzeihung dafür gebeten, dass Wissenschaftler der Hochschule sie für medizinische Versuche benutzt haben. Vizekanzler Davies äußerte „tiefes Bedauern“ über die Rolle der Forscher, die nach dem Zweiten Weltkrieg [[Impfstoff]]versuche an Kindern in Waisenhäusern durchführten.<ref>[http://www.staatsgewalt.ch/web/artikel_art.php?artikel_ID=319 ''Australische Universität gesteht medizinische Versuche an Waisen'', kinder ohne rechte 18. November 2009]</ref>

=== Untersuchungen zur Bindungstheorie ===
Seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts lagen eine Reihe von [[Bindungstheorie|bindungstheoretischen Erkenntnissen]] und Forschungsergebnissen in Nordamerika sowie West- und Mitteleuropa vor, die auf die Gefahren für die menschliche Entwicklung durch die Isolation im frühen Alter verweisen. In der [[DDR]] wurden vergleichende Untersuchungen zu der kognitiven und körperlichen Entwicklung von Heim-, Wochenkrippen-, Tageskrippen- und Familienkindern unternommen. Die familiengebundenen Kinder zeigten den günstigsten Entwicklungsverlauf. Mit zunehmendem Verlust der familiären Bindung nahmen die Entwicklungsrückstände zu. Die Waisen in den Heimen offenbarten die größten [[Entwicklungsverzögerung]]en<ref>[[Norbert Kühne]]: ''Frühe Entwicklung und Erziehung – Die kritische Periode.'' In: ''Unterrichtsmaterialien Pädagogik – Psychologie.'' Nr.&nbsp;694, [[Stark Verlag]], Hallbergmoos, 2012</ref>. Dennoch konnten oder wollten sich die Politiker in der DDR nicht von der institutionellen [[Heimerziehung|Heimbetreuung]] der [[Dauerheime für Säuglinge und Kleinstkinder in der DDR|Säuglingsheime]] lösen.<ref>Jens Plückhahn: [http://opus4.kobv.de/opus4-fhpotsdam/frontdoor/index/index/docId/226 ''Dauerheime für Säuglinge und Kleinkinder in der DDR aus dem Blickwinkel der Bindungstheorie.''] Diplomarbeit FH Potsdam, Potsdam 2012, S.&nbsp;60 und S.&nbsp;101&nbsp;ff.; Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde – Ministerium für Gesundheitswesen der DDR BArch DQ 1/13585 u.&nbsp;a.m.; ''Zeitschrift für ärztliche Fortbildung in der DDR'' 1957, 21/22, S.&nbsp;895&nbsp;ff. / 1958, 7, S.&nbsp;307&nbsp;ff. / 1959, 22, S.&nbsp;1443&nbsp;ff. / 1960, 21, S.&nbsp;1220&nbsp;ff. u.&nbsp;a.m.</ref> In der [[BRD]] wurden die Säuglingsheime erst Mitte der 70er Jahre geschlossen.<ref>C. Burschel: ''Säuglingsheime: Die „vergessenen“ Kinderheime der „Wirtschaftswundergesellschaft“.'' aus: W. Damberg, B. Frings, T. Jähnichen, U.Kaminsky (Hrsg.): ''Mutter Kirche – Vater Staat ? Geschichte, Praxis und Debatten der konfessionellen Heimerziehung seit 1945.'' Münster 2010.</ref>

== Auswirkungen durch das Verwaisen ==
=== Soziologische Folgen ===
[[Datei:Wilmersdorf Lentzeallee-1.jpg|mini|Max-Planck-Institut für Bildungsforschung – [[Berlin-Wilmersdorf]]]]
Wer Mutter oder Vater verliert, hat – statistisch gesehen – weniger Chancen auf eine höhere Schulbildung oder qualifizierte Ausbildung. Dies zeigt eine Studie aus dem [[Max-Planck-Institut für Bildungsforschung]] in Berlin.<ref>S. Hillmert: ''Halbwaisen müssen schneller auf eigenen Füßen stehen.'' In: ''Zeitschrift für Familienforschung,'' Heft 1/2002, S.&nbsp;44–69.</ref> Auch wenn nur ein Elternteil stirbt, hat dies einschneidende Folgen für die Kinder. Zusätzlich zu der Trauer um den Verlust müssen die Kinder damit zurechtkommen, dass sie im Lauf ihrer Ausbildung weniger Unterstützung für ihre Bildungslaufbahn erwarten können – und zwar[WORDS?] in emotionaler und [[kognitiv]]er sowie sozialer und finanzieller Hinsicht.

Steffen Hillmert vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung hat die Bildungsverläufe von Halbwaisen der Geburtsjahrgänge zwischen 1950 und 1978 untersucht und mit denen von Menschen verglichen, welche bis zur Volljährigkeit in vollständigen Familien aufwachsen konnten. Kinder, die vor dem zehnten Lebensjahr einen Elternteil verloren, hatten schlechtere Chancen, das Abitur zu erreichen, als Kinder, die einige Jahre später verwaisten. Bei beiden Gruppen (Waise vor/nach dem 10.&nbsp;Lebensjahr) waren die Abiturquoten im Vergleich zu Kindern aus vollständigen Familien deutlich reduziert.

Starb der Elternteil erst nach dem zehnten Lebensjahr, dann[FILLWORD?] blieben die meisten Kinder im Gymnasium – trotz der besonderen Belastungen. Der frühe Tod eines Elternteils verringert die Chance des Kindes, das Abitur zu machen, um fast zwei Drittel. Das bedeutet: Wenn in einer vergleichbaren sozialen Gruppe von Kindern aus vollständigen Familien zehn Kinder das Abitur machen, sind es in einer gleich großen Gruppe von Waisenkindern nur drei bis vier Kinder.

An Waisenkindern haftet der [[Heiligenschein|Nimbus]] des Unglücks, so dass viele Menschen für verwaiste und verlassene Kinder tiefes Mitgefühl empfinden und den Wunsch, etwas für sie tun. Die gesellschaftliche Wahrnehmung und [[Stereotype]], dass Waisenkinder es zu nichts bringen und ihr Leben nicht bewältigen werden, wirken sich dennoch fatal auf die gesamtgesellschaftliche Verantwortung für sie aus. Das kann extreme Formen annehmen wie in Nepal, wo Kindern manchmal die Schuld am Tod der Eltern gegeben wird, oder weniger auffällige wie in der grundsätzlichen Haltung, der Staat müsse sich kümmern.

Mangelnde Hinwendung, inadäquate Fürsorge, Ignoranz und Diskriminierung können auf dramatische Weise das [[Trauma (Psychologie)|Trauma]] von Waisenkindern intensivieren und letztlich dafür sorgen, dass sie es wirklich[WORDS?] nicht schaffen.<ref>[http://www.sos-kinderdoerfer.de/informationen/themen/waisenkinder/pages/waisenkinder-4.aspx Waisenkinder. Das Stigma des Verlassenseins, SOS Waisendörfer Weltweit 31. Januar 2014]</ref>

=== Psychosoziale Folgen ===
Welche psychosozialen Folgen ein Kind durch das Aufwachsen ohne einen der Elternteile davonträgt, wird unterschiedlich bewertet und ist zudem stark von anderen Faktoren abhängig. Die konkrete Auswirkung der [[Vaterlosigkeit|Vater-]] bzw.[ABBREVIATION] Mutterlosigkeit zeigt sich abhängig von der allgemeinen psychischen Stabilität eines Kindes und dem weiteren Umfeld an festen Bezugspersonen. Die Persönlichkeit des erziehenden Elternteils spielt ebenfalls eine zentrale Rolle. Vater- bzw.[ABBREVIATION] Mutterlosigkeit wird als ein Problem für die Entwicklung der Geschlechtsidentität betrachtet.

Waisen in Anstalten (Findel- und Waisenhäusern, Säuglingsheimen) leiden unter den Folgen von [[Hospitalismus]] und [[Psychische Deprivation|psychischer Deprivation]].

Eine 2011 in Frankreich erhobene Studie hat die schulische, soziale, berufliche und emotionale Situation von 500.000 Waisenkindern unter 21 Jahren untersucht. Die Studie machte deutlich, wie viele Waisenkinder tatsächlich unter Traumata und soziopsychologischen Störungen leiden. So konnten Jahre später nur 50 % von ihnen problemlos über das Vorgefallene sprechen; 18 % fanden gar keine Worte. 76 % meinten, der Verlust eines oder beider Elternteile habe die familiären Beziehungen beeinträchtigt, 63 % sprachen von negativen Folgen für ihr Gefühlsleben, 52 % sahen ihre Schullaufbahn und 45 % ihr soziales Netz in Mitleidenschaft gezogen. Waisen gehen seltener auf ihre Mitmenschen zu, ziehen sich zurück oder schalten auf Abwehr.<ref>[https://info.arte.tv/de/das-schicksal-der-franzoesischen-heimkinder Das Schicksal der französischen Heimkinder. arte 2015]</ref>
[[Datei:Jumper (suicide) in Dallas - (2).jpg|mini|Selbstmordspringer – [[Dallas]]]]
Stirbt ein Elternteil, so erhöht sich das [[Suizid]]risiko des Kindes [[signifikant]]. Das belegt eine Studie der dänischen Forscherin Dr. [NBSP]Mai-Britt Guldin. Insgesamt wurden von 7,3 Millionen Menschen aus Dänemark, Schweden und Finnland Daten berücksichtigt. Es wurden Kinder und Jugendliche berücksichtigt, ein Elternteil vor dem Erreichen des 18. Lebensjahres verloren. Zum Vergleich zog man[WORDS?] eine [[Kontrollgruppe]] mit Kindern, deren Eltern noch nicht gestorben waren, heran. Die Forscher stellten fest, dass der Verlust eines Elternteils während der Kindheit das Risiko des Kindes, Selbstmord zu begehen, erhöht war. Dieser Effekt dauerte bis zu 25 Jahre[NBSP] nach dem Tod des Elternteils an. Eine weitere Beobachtung war, das Jungen doppelt so häufig Suizide begingen wie Mädchen. Am häufigsten waren Jungen betroffen, deren Mütter Suizid begangen haben sowie Erstgeborene, bei denen ein Elternteil vor dem Erreichen des sechsten Lebensjahres gestorben ist.<ref>[https://jamanetwork.com/journals/jamapsychiatry/fullarticle/2469106https://www.esanum.de/today/posts/erhohtes-suizidrisiko-bei-waisen-und-halbwaisenkindern Erhöhtes Suizidrisiko bei Waisen- und Halbwaisenkindern, esanum, Das Ärztewerk]</ref><ref>[https://jamanetwork.com/journals/jamapsychiatry/fullarticle/2469106https://jamanetwork.com/journals/jamapsychiatry/fullarticle/2469106 Incidence of Suicide Among Persons Who Had a Parent Who Died During Their Childhood, Jama Network, 2015]</ref>

Als ein prominentes Beispiel kann [[Heinrich von Kleist]], ein deutscher [[Dramatiker]], Erzähler, [[Lyriker]] und [[Publizist]], angesehen werden. Mit 15 Jahren wurde Kleist Vollwaise, nachdem er als 10jähriger zuvor seinen Vater verlor. Am 21. November 1811 wählte Kleist am [[Stolper Loch]], heute [[Kleiner Wannsee]], den [[Freitod[BKL]]].

=== Psychosomatische Folgen ===
Spät adoptierte Waisenkinder, die acht Monate oder länger im Waisenhaus blieben, weisen als Vierjährige ein desorganisiertes [[Bindungstheorie|Bindungsverhalten]] auf. In der [[Fremde-Situations-Test|Fremden Situation]] ist bei diesen Kindern ein signifikant höherer [[Cortisol]]anteil im Speichel nachzuweisen.<ref>Spangler, Zimmermann: ''Die Bindungstheorie. Grundlagen, Forschung und Anwendung.'' Klett-Cotta 1997</ref><ref>Spangler, Zimmermann: ''Bindung und Anpassung im Lebenslauf.'' In: Oerter et&nbsp;al.: ''Lehrbuch der klinischen Entwicklungspsychologie.'' Beltz 1999 (Sem.app.34)</ref><ref>Grossmann, Grossmann: ''Die Bindungsforschung: Modell, entwicklungspsychologische Forschung und Ergebnisse.'' In: H. Keller: ''Handbuch der Kleinkindforschung.'' Huber 2002 (Sem.app. 34)</ref>

Waisenkinder blieben trotz Nähe vergleichsweise cool, ihr [[Oxytocin]]-Gehalt ist niedrig. Seth Pollack von der [[University of Wisconsin]] untersuchte Vierjährige, die sofort nach der Geburt von ihren Müttern getrennt und in einem russischen oder rumänischen Waisenhaus gelebt hatten, mit denen, die bei ihren Eltern aufwuchsen. Es zeigte sich, dass bei den leiblichen Kindern das als Bindungshormon bezeichnete Oxytocin stark angestiegen war, ein Garant für angenehme Gefühle.<ref>[https://www.welt.de/wissenschaft/article866483/Fruehe-Bindung-trimmt-das-Gehirn-auf-Liebe.html Frühe Bindung trimmt das Gehirn auf Liebe. Psychologie, DIE WELT 12. Mai 2007]</ref>

== Waise in den Religionen ==
=== Judentum ===
Im [[Judentum]] wird die Fürsorge für die Waisen als soziales und sittliches [[Gebot (Ethik)#Judentum|Gebot]] gesehen, Gerechtigkeit und Liebe zu üben, d.&nbsp;h.[ABBREVIATION] ein mit Sinn erfülltes Leben zu gehen (Psalm 146:9).<ref name="DLDJNDQ-S.13ff">{{cite book|last1=Bamberger|first1=Fritz|last2=Homolka|first2=neu hrsg. von Walter |title=Die Lehren des Judentums nach den Quellen, Bd.&nbsp;1 |date=1999 |publisher=Knesebeck |location=München |isbn=3-89660-058-3 |pages=13, |edition=Faks.-Dr. der 1928–1930 erschienenen Orig.-Ausg. Leipzig, neue und erw. Ausg. |accessdate=2016-02-18}}</ref> Vor der Unterdrückung von Waisen warnt die Tora mehrfach (Ex 22,20–23; 23,6.9; Sacharja 7:9-10; ). Sie zu kleiden, zu speisen und zu lieben wird gesondert geboten (Dtn 10,19). Ihnen freiwillige Gaben zum Wochenfest zu geben wird geboten (Dtn 14:29, 16:10-12). Das Recht der Waisen soll nicht gebeugt werden (Dtn 24:17, 27:19), ihnen vielmehr Gutes und Gerechtigkeit getan, Recht geschaffen werden (Jesaja 1:17). Die Ernteabgabe des Zehnten soll alle drei Jahre an die Fremden, die Witwen und Waisen im Land fließen (Dtn 14,28&nbsp;f). Das sittliche Gottesgebot der [[Nächstenliebe#Jüdische Auslegungen|Nächstenliebe]], welches alle Menschen, auch[FILLWORD?] den Feind einschließt,<ref name="DLDJNDQ-S.&nbsp;350">{{cite book|last1=Bamberger|first1=Fritz|last2=Homolka|first2=neu hrsg. von Walter|title=Die Lehren des Judentums nach den Quellen, Bd.&nbsp;1|date=1999|publisher=Knesebeck|location=München|isbn=3-89660-058-3|pages=350,|edition=Faks.-Dr. der 1928–1930 erschienenen Orig.-Ausg. Leipzig, neue und erw. Ausg.|accessdate=2016-02-18}}</ref> wird auf Hilfsbedürftige und Waisen hin konkretisiert (Jesaja 1:16-17; Hiob 31:13-25,29-30,32-33,38-39; Amos 5:14-15; Jeremia 7:5-7; Maleachi 3:5; Maimonides, ''Mischne Torah Hilchot Jom Tov'' 7:18-21).<ref name="DLDJNDQ-S.13ff" />

Das aramäische ''[[Kaddisch|Kaddisch der Waisen]]'' (''Kaddisch jatom'') ist ein [[Gebet]] im Judentum. Es ist ein Heiligungsgebet und bildet seine heutige feste Form in den Jahrhunderten nach der Erfindung des [[Buchdruck]]s aus. Hierbei erweiterte sich sein traditioneller Kernbestand und sein liturgischer Gebrauch veränderte sich im Laufe der Jahrhunderte in der [[Diaspora]]. Das ''Kaddisch der Waisen'' wird auch „Kaddisch der Leidtragenden“ genannt (''Awelim-Kaddisch''). Wer das Kaddisch spricht – und zwar zuerst bei der Beerdigung eines der „sieben nahen Angehörigen“ (Vater, Mutter, Bruder, Schwester, Sohn, Tochter oder Ehefrau) –, wiederholt es in den elf Monaten nach dem Tod des Betreffenden.

=== Christentum ===
Ein [[Gebot (Ethik)#Christentum|Gebot]] sieht das Christentum für Waisen nicht vor. Die [[Nächstenliebe#Christliche Auslegungen|Nächstenliebe]] gebietet die Unterstützung der Waisen. So heißt es bei [[Brief des Jakobus|Jakobus]] 1,27: „Ein reiner und makelloser Dienst vor Gott, dem Vater, besteht darin: für Waisen und Witwen zu sorgen, wenn sie in Not sind, und sich vor jeder Befleckung durch die Welt zu bewahren.“

Am 27. September jeden Jahres wird in der [[Römisch-katholische Kirche|katholischen]] Kirche das Fest ''Maria, Schutzfrau der Waisen'' gefeiert. Papst [[Pius XI.]] sprach 1928 den Ordensgründer der [[Somasker]] [[Hieronymus Ämiliani]] zum [[Schutzpatron]] der Waisen und der verlassenen Jugend. Die wichtigsten Gedanken des jüdischen Gebets ''[[Kaddisch|Kaddisch der Waisen]]'' wurden ins [[Vaterunser]] übernommen, welches nach christlicher Tradition [[Jesus Christus]] zugeschrieben wurde.

=== Islam ===
Der [[Koran]] enthält am Anfang von Sure 4 mehrere Anweisungen hinsichtlich von Waisen. So wird den Gläubigen aufgetragen, das Vermögen der Waisen nicht anzutasten (Sure 4:2), und ihnen nahegelegt, Waisen zu heiraten, um deren Versorgung sicherzustellen (Sure 4:3). Wer das Vermögen von Waisen unrechtmäßig aufzehrt, soll dereinst nichts als Feuer zu essen bekommen und in einem Höllenbrand schmoren (Sure 4:10). Insgesamt wird das Wort Waise 23 mal im Koran erwähnt. Die Waisen werden als Spendenempfänger von Kriegsbeute genannt.<ref>C. Ostermeier: ''Elemente einer sozialen Sicherung im Islam: Eine Analyse idealtypischer Ausgestaltung und realpolitischer Umsetzung.'' Diplomarbeit, Universität Regensburg 2000.</ref> Der Religionsstifter [[Mohammed]] war selbst Waise.

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Datei:PikiWiki Israel 9238 Torah Book in Porat.jpg|„Der [[JHWH|Ewige]] schützt die Fremdlinge [Gerim], Waisen und Witwen kräftigt er“ ([[Psalm 146|Psalm 146:9]])<ref name="DLDJNDQ-S.&nbsp;378">{{cite book|last1=Bamberger |first1=Fritz |last2=Homolka |first2=neu hrsg. von Walter |title=Die Lehren des Judentums nach den Quellen, Bd.&nbsp;1 |date=1999 |publisher=Knesebeck |location=München |isbn=3-89660-058-3 |pages=378, |edition=Faks.-Dr. der 1928–1930 erschienenen Orig.-Ausg. Leipzig, neue und erw. Ausg. |accessdate=18 February 2016}}</ref> Sefardische Tora bei der Lesung im Gebet, Porat, Israel (ca. 1949–51)
Datei:S.IaeroniumsAemiliani.JPG|[[Hieronymus Ämiliani]] mit [[Kruzifix]] und [[Heiligenschein]], katholischer ''[[Schutzpatron]] der Waisen''
Datei:Qur'anic Manuscript - Maghribi script.jpg|Sure 4 ''[[an-Nisā']]''; [[Mohammed]] selbst war Waise
</gallery>

== Waise in der Mythologie ==
=== In der Mythologie der Griechen ===
''Charila'' ({{grcS|Χάριλα}}) ist in der [[Griechische Mythologie|griechischen Mythologie]] der Name eines Waisenmädchens sowie der Name eines alle acht Jahre in [[Delphi]] gefeierten Festes, das nach ihr benannt wurde.

Über den Ursprung des Festes erzählt [[Plutarch]], dass zu einer Zeit, da Hunger herrschte, die Bevölkerung zum König kam, ihn um Nahrung zu bitten. Der König verteilte Mehl und [[Hülsenfrucht|Hülsenfrüchte]] – an die besseren Bürger. Als ein armes Waisenmädchen namens Charila den König beharrlich um Essen bat, schlug der verärgerte König das Mädchen mit seiner Sandale ins Gesicht, worauf Charila in den Wald ging und sich mit ihrem Gürtel erhängte. Daraufhin wurde die Hungersnot unerträglich und man[WORDS?] befragte das [[Orakel von Delphi|Orakel]] um Rat. Der Spruch des Orakels lautete, man[WORDS?] müsse Charila versöhnen. Nach einigem Forschen fand man[WORDS?] heraus, wer Charila war, schließlich wurde ihr Leichnam gefunden. Um den Geist Charilas zu versöhnen, wurde der Vorgang wiederholt.
[[Datei:Orang Asmat.jpg|mini|Orang Asmat]]

=== In der Mythologie der Asmat ===
Das ''Maskenfest der Asmat'', auch ''Bi Pokomban'', ''Yipai,'' ist ein [[Animismus (Religion)|animistisches]], zyklisch gefeiertes [[Ritual]] der [[Asmat]], eines Volkes, das im Süden der [[Indonesien|indonesischen]] Insel [[Neuguinea]] in der Provinz [[Irian Jaya]] lebt. Das Ritual verfolgt das Ziel, den Geistern der Verstorbenen zu beweisen, dass Harmonie im Dorf herrscht und die Ahnen (''safan'') dies wohlwollend zur Kenntnis nehmen mögen, damit deren Gunst bewahrt werden kann.<ref>Robert L. Welch: ''The Future of Indigenous Museums: Perspectives from the Southwest Pacific.'' von Nick Stanley</ref>

Das Maskenfest ereignet sich nach einem festen Ablaufplan. Dabei beruht das Erscheinen der ''manimar''-Maske auf einer mythologischen Grundlage. Die Mythe erzählt, dass ein regelmäßig verstoßener Waisenjunge, der nur selten bei seiner Bettelei um Nahrung erhört wurde, auf den Trick verfiel, sich eine Maske zu erstellen, mittels derer er die sagoerntenden Frauen des Dorfes erschrecken würde, um ihnen die Ernte abzunehmen. Dies gelang ihm häufig. Gezielt dabei ertappt und zur Rede gestellt, klagte der Junge sein Leid und wurde aus Mitleid adoptiert und versorgt.

Manimar ist seitdem Teil des rituellen Mythos des Maskenfestes. Er wird als Vorläufer und Überbringer der Nachricht von der Ankunft der Geister verehrt. Seine Ankunft erregt das zusammengelaufene Volk. Taumelnd tanzend gesellt er sich unter das Volk. Dabei verschreckt er im rituellen Akt Personen (insbesondere Kinder), die er jagt. Die Kinder wehren sich und fordern ihn auf, das Dorf zu verlassen, da er ein Eindringling und zudem Waise sei. Sie bewerfen ihn mit Samenkapseln und schimpfen. Immer wieder verfolgt der ''manimar'' im Gegenzug einzelne Personen. die er sich für eine Verfolgung auserkoren hat. Im Laufe des Nachmittags verschwindet er wieder.<ref>Alphonse A. Sowada, ''BI POKOMBAN'' (Maskenfest), S.&nbsp;222</ref>

=== In der Mythologie der Inuit ===
Im [[Inuit-Mythen|Inuit-Mythos]] ''[[Kaassassuk]]'' wird vom entbehrungsreichen Leben des verhöhnten und geschundenen Waisen Kaassassuk berichtet: die Überwindung seiner Angst und die Verleihung übermenschlicher Kräfte durch das Geistwesen Pissaap Inua; Kaassassuks eindrucksvolle Taten, die der Gemeinschaft Respekt und Furcht einflößen; seine Rache an den Einwohnern der Siedlung; sein Weg mit dem Kajak die Küste entlang, auf dem er die Tochter des Jägers Qaassuk mit Gewalt zur Frau nimmt; seine siegreichen Wettkämpfe mit allen Männern, auf die er trifft, und schließlich seine Niederlage durch den unscheinbaren Usugsaermiarssúnguaq hoch im Norden. Heute steht die Figur des Kaassassuk in Grönland symbolisch für physische und psychische Stärke und für den Willen zur Selbstbestimmung.<ref name="Sonne">Birgitte Sonne: [http://www.erudit.org/revue/etudinuit/2010/v34/n2/1004072ar.html?vue=resume www.érudit.org ''Who’s afraid of Kaassassuk? Writing as a tool in coping with changing cosmology.''] In: ''Études/Inuit/Studies,'' Bd.&nbsp;34, Nummer 2 (2010), S.&nbsp;107–127.</ref><ref>Übersetzung aus dem Grönländischen (nach Birgitte Sonne): ''Kaassassuk'', das bedeutet etwa „er, der verhungern wird“.</ref>
[[Datei:American bison k5680-1.jpg|mini|American bison]]

=== In der Mythologie der Blackfoot ===
In einer mythischen [[Sage]] mit sieben Waisenkindern spiegelt sich die Erfahrung von dem gemeinsamen Auftauchen sowie dem Verschwinden des Sternbildes der [[Plejaden]] und der [[Amerikanischer Bison|Bisons]] für die [[Blackfoot]]-Indianer Nordamerikas wider. Der Stand der Plejaden zu Beginn der Trockenzeit war das Startsignal für eine aufwendige Treibjagd der riesigen Bisonherden. Sind die Plejaden am Sternenhimmel verschwunden, sind zugleich die Bisons verschwunden. Der Sage nach nahmen sieben Waisenkinder, denen man[WORDS?] einst wärmende Bisonfelle verwehrt hatte, zur Strafe der Menschen die Bisons mit sich. Der Sonnengott rettete die Kinder und gab ihnen einen Platz am Sternenhimmel. Hunde baten durch das Anheulen des Nachthimmels für die Dorfbewohner. Schließlich kehrten die Kinder mit den Bisons zurück.<ref>[https://www.youtube.com/watch?v=YnzrMbwaCZg ''Terra X – Faszination Universum: Das Rätsel der Harmonie.''] In: ZDF am 29.&nbsp;September 2013.</ref>

== Rezeption in der Kunst ==
[[Datei:Smiling Superman.jpg|mini|Superman]]
Das Leben und das Schicksal von Waisen inspirierte Künstler/innen auf vielfältige Weise und fand seinen Zuspruch bei den Kunstliebhabern. Die künstlerischen Arbeiten spiegeln das Geschehen ihrer Zeit wider. In der [[Comic|sequenziellen Kunst]] sind Waisen in der Regel[WORDS?] klassische Superhelden wie [[Superman]], [[Batman]], [[Robin (Batman)|Robin]], [[Spider-Man]], [[Wolverine (Comicfigur)|Wolverine]], [[Iron Man]], [[Captain Marvel (DC Comics)|Captain Marvel]], [[Captain America]], [[Green Arrow]], [[Daredevil (Comic)|Daredevil]] oder Einzelkämpfer in der Natur wie [[Tarzan]] oder [[Rahan]], der sowohl seine Eltern als auch seine Zieheltern verlor.

=== Literatur ===
Aus der Sicht eines Schriftstellers sind Waisenkinder interessant, weil sie den Autor von der Pflicht befreien, ein soziales Umfeld oder eine ausgefeilte Herkunft der Figur zu entwerfen, was wiederum die Möglichkeit mit sich bringt, die Welt der Figur, gemeinsam mit dem Leser oder Zuschauer von Null auf neu zu errichten. Waisenkinder sind dafür geeignet, weil sie eine weitgehend ungestörte Projektionsfläche für die Identifikationswünsche des Publikums zulassen und einen erheblichen Sympathiefaktor in sich tragen.<ref>[http://www.kija-noe.at/fachartikelarchiv.php?menue=8&art=text&news=81 ''Vom Schmerz des Waisenkindes zum Triumph des Helden'', NÖ Kinder & Jugend Anwaltschaft. www.kija-noe.at. St.&nbsp;Pölten 2014]</ref><ref>[http://othes.univie.ac.at/16517/1/2011-10-12_0201011.pdf ''Das Motiv der Elternlosigkeit in der Kinder- und Jugendliteratur''. Universität Wien 2011]</ref><ref>[http://behmel.blogspot.de/2013/07/warum-helden-oft-waisen-sind.html#!/2013/07/warum-helden-oft-waisen-sind.html ''Warum Helden oft Waisen sind …'' http://behmel.blogspot.de/ 27. Juli 2013]</ref>

==== Drama ====
[[Datei:Mendelssohn, Lessing, Lavater.jpg|miniatur|''Lessing und [[Johann Caspar Lavater]] zu Gast bei Moses Mendelssohn'', Gemälde von [[Moritz Daniel Oppenheim]] (1856)]]
In dem [[Ideendrama]] ''[[Nathan der Weise]]'' von [[Gotthold Ephraim Lessing]] sind die Protagonisten [[Tempelritter|Tempelherr]] (Curd von Stauffen, alias Leu von Filnek) und Recha (Blanda von Filnek) Waisen. Ihr gemeinsamer [[muslim]]ischer Vater Assad (Bruder Saladins, alias Wolf von Filnek) und ihre christliche Mutter (geborene Stauffen) sind früh verstorben. Beide Kinder wachsen bei Pflegeeltern auf. In der Figur Nathans setzte Lessing seinem Freund [[Moses Mendelssohn]], dem Begründer der [[Jüdische Aufklärung|jüdischen Aufklärung]], ein literarisches Denkmal.

Nach ihm wird die am 1. Juli 1836 eröffnete [[Moses Mendelssohn|Moses Mendelssohn’sche]] Waisen-Erziehungs-Anstalt der jüdischen Gemeinde zu Berlin benannt.<ref>[http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/freimann/content/titleinfo/626002 Die Moses Mendelssohn’sche Waisen-Erziehungs-Anstalt der hiesigen jüdischen Gemeinde Berlin, 1841, Online-Ausg., Univ.-Bibliothek, Frankfurt am Main 2013]</ref>

Eines der bekanntesten [[Melodram (Theater)|Melodramen]] des 19. Jahrhunderts war ''[[Die Waise und der Mörder]]'' von [[Frédéric Dupetit-Méré]]. In der Übersetzung von [[Ignaz Franz Castelli]] und mit der Musik von [[Ignaz von Seyfried]] wurde das Stück am 12. Februar 1817 im [[Theater an der Wien]] aufgeführt und daraufhin während Jahrzehnten zum Kassenschlager im deutschen Sprachgebiet.

''[[Yelva, die russische Waise]]'' ist ein Theaterstück von [[Eugène Scribe]], das am 18. März 1828 im [[Théâtre du Gymnase-Dramatique]] Paris uraufgeführt wurde. Es handelt sich um eines der populärsten Dramen des 19. Jahrhunderts. Das Stück gehört zugleich den Gattungen [[Vaudeville]] und Melodram an. Die Hauptrolle ist eine [[stumme Rolle]]. Yelva kann nicht singen und zur Musik nur eine [[Pantomime]] vollführen. Die bekannte Melodie deutet an, was Yelva sagen will. So erklingt die (von den Orchesterinstrumenten ohne Gesang gespielte) Melodie zu ''Je t’aimerai toute la vie'' („Ich werde dich das ganze Leben lieben“), während sie Alfred ihrer Treue versichert (I/6), oder die Melodien ''Balançons-nous'' („Schaukeln wir“) und ''Un bandeau couvre les yeux'' („Eine Binde deckt die Augen“) ertönen zu ihren Versuchen, Tchérikof zu erklären, dass sie an diesem Ort einst als Kinder gespielt hätten (II/13). Wer die Melodien erkennt, die aus den Repertoirestücken des Theaters stammten, also den regelmäßigen Zuschauern nicht unbekannt waren, versteht Yelvas Gesten besser als ihr Bruder.

Der [[Portugiesen|portugiesische]] [[Schriftsteller]], [[Romancier]] und [[Poet]] [[Camilo Castelo Branco]], selbst eine Waise, veröffentlicht sein Drama ''Die Geheimnisse von Lissabon''. Inhaltlich erzählt die Geschichte diverse Verstrickungen des Lissaboner Adels zu Beginn des 19. Jahrhunderts und der Zeit der [[Koalitionskriege|Napoleonischen Kriege]] auf der [[Iberische Halbinsel|Iberischen Halbinsel]]. Hauptfigur ist ein junger Adliger auf der Suche nach seiner Herkunft und Identität. Die ihn kreuzenden Figuren haben eigene düstere Geschichten zu erzählen. Die Serie zeigt viel von dem psychologischen Werk Castelo Brancos und gibt einen Einblick in die Welt der [[Intrige]]n und Niederträchtigkeiten. Das Drama wurde 2010 als ''[[Die Geheimnisse von Lissabon]]'' verfilmt und 2011 auf [[Arte]] in deutscher [[Synchronisation]] ausgestrahlt.

==== Erzählung ====
[[Victor Henri Joseph Brahain Ducange|Victor Ducanges]] Vorliebe für das Schreckliche und Schaudervolle findet in der Erzählung ''Therese'' oder ''Die Waise aus Genf'' (1822) als Theaterstück in drei Aufzügen seinen Weg zum Publikum. Später vertont der Schweizer Komponist und Kirchenmusiker [[Carl Greith]] diese Erzählung.

Sein Landsmann [[Jakob Frey]] erlangte u.&nbsp;a.[ABBREVIATION] mit seiner Erzählung ''Die Waise von Holligen. Erzählung aus den Tagen des Untergangs der alten Eidgenossenschaft'' (1863) Bekanntheit.

''[[Fabian und Sebastian]]'' ist eine Erzählung von [[Wilhelm Raabe]], die 1882 bei Westermann in Braunschweig erschien.<ref>von Studnitz, S.&nbsp;313, Eintrag 54</ref> Ende 1881 war der Text bereits in ''[[Westermanns Monatshefte]]n'' vorabgedruckt worden.<ref>Verwendete Ausgabe, S.&nbsp;577 unten</ref> Die 15-jährige Waise Konstanze Pelzmann, aus der Kolonie [[Niederländisch-Indien]] in das verschneite industrialisierte Deutschland verpflanzt, macht sich in der Geburtsstadt ihres Vaters gegen den Willen des Onkels Fabian dreimal auf und bringt zwei älteren einsamen Männern Trost.

Weitere Erzählungen sind u.&nbsp;a.[ABBREVIATION] ''[[Ignaz Denner]]'' von [[E. T. A. Hoffmann]] oder ''[[Der Dom (Gertrud von le Fort)|Der Dom]]'' von [[Gertrud von le Fort]].

==== Novelle ====
''[[Isabella von Ägypten, Kaiser Karl des Fünften erste Jugendliebe]]'' ist eine Erzählung von [[Achim von Arnim]], die innerhalb der so genannten ''Novellensammlung von 1812''<ref>Riley, S.&nbsp;136, Eintrag anno 1812</ref><ref>Angaben zur Editionsgeschichte finden sich in Moering, S.&nbsp;1254–1259. In der ''Novellensammlung von 1812'' sind noch enthalten: ''[[Melück Maria Blainville, die Hausprophetin aus Arabien|Melück Maria Blainville]]'', ''[[Die drei liebreichen Schwestern und der glückliche Färber]]'' und ''[[Angelika, die Genueserin, und Cosmus, der Seilspringer]]''.</ref> in der Realschulbuchhandlung Berlin erschien.<ref>Quelle, S.&nbsp;393, 3. Z.v.o.</ref>
[[Datei:Sterntaler Universitätskirche Marburg 2.jpg|mini|Sterntaler Universitätskirche [[Marburg]]]]
[[Datei:Daniel Craig - Film Premiere "Spectre" 007 - on the Red Carpet in Berlin (22387409720) (cropped).jpg|mini|[[Daniel Craig]] Bond-Darsteller seit 2006]]
==== Märchen, Sagen und moderne Literatur ====
In literarischen Werken sind Protagonisten in der Gestalt von Waisen besonders in der [[Fantasy]]-, Jugend- und Volksliteratur sehr beliebt. Dies erlaubt den Autoren eine Ausgestaltung ihrer Werke, beispielsweise ohne langwierig komplizierte familiäre Strukturen erklären zu müssen und ihre Helden von familiären Obliegenheiten und Kontrollen freizustellen. Nebenbei erregt eine Waise beim Leser Gefühle von Mitleid und führt zu leichterer Identifikation mit dem Protagonisten, wobei eine schnellere und [[prosa]]ischere Charakterentwicklung möglich ist.

Tatsächlich verloren Kinder früher eher ihre Mütter. Sie verstarben bei der Geburt, im Wochenbett oder später aus Krankheit und Entkräftung. Die Väter, so wollen es Märchen und volksgeschichtliche Überlieferungen, heirateten eine andere Frau, die ihre Stiefkinder ablehnte und als Mägde und Knechte missbrauchte. Diese Erzählungen waren ein Spiegel der Gesellschaft. Eine bekannte Halbwaise aus dem [[Märchen]] ist das ''[[Aschenputtel]]'' oder ''[[Schneewittchen]]'' der [[Brüder Grimm]], die selbst Halbwaisen waren. Bekannte Märchen mit Vollwaisen sind u.&nbsp;a.: ''[[Die Sterntaler]]'', ''[[Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern]]'', ''[[Spindel, Weberschiffchen und Nadel]]'', ''[[Der arme Junge im Grab]]'' oder Kay aus dem Märchen ''[[Die Schneekönigin]]''.

[[James Bond]], Agent ''007'', ist ein von [[Ian Fleming]] erfundener [[Agent (Nachrichtendienst)|Geheimagent]], der als Waise in einem Internat aufgewachsen ist und als Mann für den [[Secret Intelligence Service|MI6]] arbeitet. 1953 erschien mit ''[[Casino Royale (Roman)|Casino Royale]]'' der erste Roman. Fleming, der durch den frühen Tod seines Vaters eine Halbwaise war, schrieb bis zu seinem Tod im Jahr 1964 zwölf Romane und neun Kurzgeschichten um James Bond. Der erste Fernsehfilm mit dem Agenten erschien unter dem Titel ''[[Casino Royale (1954)|Casino Royale]]'' 1954. Durch den frühen Verlust des Vaters sieht der [[Psychoanalytiker]] [[Wolfgang Schmidbauer]] das Fehlen eines realen, und alltagstauglichen Vorbildes für die männliche Rolle. Daher müssen sie sich ihr Männerbild selbst entwerfen und orientieren sich häufig an Heldengestalten als Männer. James Bond ist seiner Meinung nach, der [[Vaterlosigkeit|vaterlose]] Held für vaterlose Söhne. Er steht auch für die mangelnde Stabilität des [[Selbstwert]]gefühls dieser Söhne.<ref>[https://sz-magazin.sueddeutsche.de/stars/james-bond-sagt-viel-ueber-die-traeume-moderner-maenner-aus-75851 "James Bond sagt viel über die Träume moderner Männer aus", Süddeutsche Zeitung, 06.11.2008]</ref>

Bekannte Autoren, in deren Büchern Voll- oder Halbwaisen Handlungsträger sind, sind u.&nbsp;a.
* Romane
[[Victor Hugo]] (''[[Die Elenden]]''), [[Charles Dickens]] (''[[Oliver Twist]]'', [[David Copperfield (Roman)|''David Copperfield'']], ''Große Erwartungen'', ''[[Das Geheimnis des Edwin Drood]]'', ''[[Martin Chuzzlewit]]''), [[John Irving]] (''[[Gottes Werk und Teufels Beitrag]]''), [[Charlotte Brontë]] (''[[Jane Eyre]]''), [[Patrick Süskind]] (''[[Das Parfum]]''), [[Noah Gordon]] (''[[Der Medicus]]'', ''[[Der Medicus von Saragossa]]''), Adam Johnson (''Das geraubte Leben des Waisen Jun Do''), Suzanne Kaplan (''Kinderchirurg Dr. [NBSP]Alfred Jahn und die Waisenkinder von Kigali''), [[Henry James]] ([[The Turn of the Screw|''Die Drehung der Schraube'']]), [[Sarah Waters]] (''Fingersmith''), Nana Minou (''Die Liebeswaise: Expedition Einer Liebenden – Lyrik & Gedichte''), [[Peter Wawerzinek]] (''[[Rabenliebe]]''), [[Georges Simenon]] (''[[Das Haus am Kanal]]''), [[Honoré de Balzac]] (''La Cousine Bette''), [[Jean M. Auel]] (''[[Kinder der Erde]]''), [[Ludwig Tieck]] ''[[Der junge Tischlermeister]]'', Beryl Fletcher (''Pixels Ahnen''), John Irving (''[[Letzte Nacht in Twisted River]]''), [[Jakob Wassermann]] (''[[Melusine (Roman)|Melusine]]''), Georges Simenon (''[[Die Marie vom Hafen]]''), [[Wilhelm Raabe]] (''[[Der heilige Born]]''), Victor Hugo (''[[Der Glöckner von Notre-Dame]]''), [[Agatha Christie]] (''[[Das Haus an der Düne]]''), [[Stefan Zweig]] (''[[Schachnovelle]]''), Lucy Maud Montgomery (''[[Anne auf Green Gables (Buch)|Anne auf Green Gables]]''), [[Werner Helwig]] (''[[Die Waldschlacht]]''), [[Roberto Bolaño]] (''[[Lumpenroman]]''), [[Boris Leonidowitsch Pasternak]] (''[[Doktor Schiwago (Roman)|Doktor Schiwago]]''), [[William Shakespeare]] (''[[Was ihr wollt]]''), [[Kazuo Ishiguro]] (''[[Als wir Waisen waren]]''), [[Leon Uris]] (''[[Exodus (Roman)|Exodus]]''), [[Nuruddin Farah]] (''Links''), Christina Baker Kline, ''Der Zug der Waisen'', Alan Philps u. John Lahutsky, ''Wolkengänger. Die wahre Geschichte eines russischen Waisenkindes''
[[Datei:JunglebookCover.jpg|mini|Einband der Erstausgabe 1894]]
* Kinder- und Jugendliteratur
[[Mark Twain]] (''[[Die Abenteuer des Tom Sawyer|Tom Sawyer]])'', [[Johanna Spyri]] (''[[Heidi (Roman)|Heidi]]''), [[Edgar Rice Burroughs]] (''Tarzan bei den Affen''), [[Felix Salten]] (''[[Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde]]''), [[Astrid Lindgren]] (''Rasmus und der Landstreicher'' und ''[[Mio, mein Mio]]''), [[Kurt Held]] (''[[Die rote Zora und ihre Bande (Roman)|Die rote Zora und ihre Bande]]''), [[Otfried Preußler]] (''[[Krabat (Roman)|Krabat]]''), [[Michael Ende]] (''[[Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer]]''), [[J. K. Rowling]] (''[[Harry Potter]]''), [[James Krüss]] (''[[Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen (Roman)|Timm Thaler]]''), [[Lemony Snicket]] (''[[Eine Reihe betrüblicher Ereignisse]]''), [[Robert Arthur]] (''[[Die drei ???]])'', [[Cornelia Funke]] (''[[Herr der Diebe]]'' und ''[[Drachenreiter]]''), [[Frances Hodgson Burnett]] (''[[Sara, die kleine Prinzessin]]''), [[Karen Levine]] (''[[Hanas Koffer]]''), [[Christopher Paolini]] (''[[Eragon]]''), [[Cécile Aubry]] (''Belle und Sebastian''), [[Kai Meyer]] (''[[Merle-Trilogie]]''), Michael Ende (''[[Momo (Roman)|Momo]]''), [[Jules Verne]] (''[[Ein Kapitän von fünfzehn Jahren]]''), [[Eleanor Hodgman Porter]] (''[[Pollyanna (Roman)|Pollyanna]]''), Madonna (''Die Abenteuer von Abdi''), [[Jurij Brězan]] (''[[Die schwarze Mühle (Roman)|Die schwarze Mühle]]''), [[Georgia Byng]] (''[[Molly Moon]]''), [[Rudyard Kipling]] (''[[Das Dschungelbuch]]'')

==== Gedicht ====
Im [[Spätmittelalter]] verfasste der französische Dichter [[François Villon]] die beiden [[Ballade]]n ''Wir bleiben ewig nur zwei Waisenkinder'' und ''Die Sommerballade von der armen Louise''. Durch den Schauspieler [[Klaus Kinski]] und seine Hörproduktionen ''Kinski spricht Villon'' wurden sie in Deutschland einem breiteren Publikum bekannt.

In Frankreich griff [[Arthur Rimbaud]] die Thematik der Waisen in seinem [[lyrisch]]en Gedicht ''Die Neujahrsgeschenke der Waisenkinder'' auf und im deutschsprachigen Raum fanden die Gedichte von [[Adelbert von Chamisso]] ''Die Waise'' oder von [[Rainer Maria Rilke]] ''Ich bin eine Waise'', ''Das Lied der Waise'' und ''Die Waise'' ihre Verbreitung.

=== Musik ===
[[Datei:George Frideric Handel by Balthasar Denner.jpg|mini|Händel um 1726 und 1728]]
==== Klassik ====
Eine Reihe von Komponisten des 18. und 19. Jahrhunderts widmeten ihre Kompositionen oder Einnahmen aus Aufführungen Waisenhäusern. Im Jahr 1749 wurde im Londoner Waisenhaus, dem ''[[Foundling Hospital]]'' des Thomas Coram (1668–1751), erstmals ein Benefizkonzert aus der Feder [[Georg Friedrich Händel]]s gespielt. Es erklang ein dreiteiliges Werk, von Händel aus früheren Werken zusammengestellt und durch neue Kompositionen ergänzt – ein einmaliges Konzert, dessen Hymne, das Anthem ''Blessed are they that considereth the Poor an Needy'', in die Musikgeschichte eingehen sollte.<ref>F. Lippold: [http://www.francke-halle.de/main/con_pdf/Haendels_Waisen.pdf ''Händels Waisen. Das erste Benefizkonzert Händels zugunsten des Londoner Foundling Hospital 1749.''] (PDF; 11&nbsp;kB)</ref>

Der ''[[Messiah|Messias]]'' von Händel, der selbst mit zwölf Jahren Halbwaise wurde, sollte bei der Erstaufführung in Dublin 1742 in der Folgezeit ein soziales und nichtkommerzielles Werk bleiben. Seit 1750 führte er den ''Messias'' einmal im Jahr in der neuerbauten Kapelle des Foundling Hospitals (Findelhaus) als Benefizkonzert auf. In seinem Testament vermachte er dieser Institution zudem die handschriftliche Partitur des ''Messias''.<ref>W. Lemfrid: [http://www.koelnklavier.de/texte/komponisten/haendel-messias.html ''Gedanken zum christlichen Gehalt des ''Messias'' von Georg Friedrich Händel.''] Programmheftbeitrag zum Europäischen Musikfest der Internationalen Bachakademie, Stuttgart 29. August 1988</ref> Wie Charles Burney in seinen Nachrichten von Händels Lebensumständen (1785) schreibt, war der ''Messias'' Händels Hinterlassenschaft, die:
{{Zitat | Text=
die Hungrigen speiste, die Nackenden kleidete und die Waisen versorgte.}}

Die Messe in c-Moll KV 139 (KV<sup>3</sup> 114a/KV<sup>6</sup> 47a) von [[Wolfgang Amadeus Mozart]]s wird ''[[Waisenhausmesse]]'' genannt, in der Annahme, dass sie zur Einweihung der [[Pfarrkirche Rennweg|Waisenhauskirche]] in Wien am 7. Dezember 1768 komponiert wurde.

Das ''[[Album für die Jugend]]'', op.&nbsp;68 (entstanden 1848), ist ein aus 43 Klavierstücken bestehender Zyklus von [[Robert Schumann]]. Die Nr.&nbsp;6 aus dem Zyklus trägt den Titel ''Armes Waisenkind'' und kann von Kindern leicht erlernt werden. Im Weiteren findet das Thema seinen Anklang in der Kinderoper ''[[Cinderella (Oper)|Cinderella]]'' von [[Peter Maxwell Davies]] sowie im Ballettstück von ''[[Cinderella (Ballett)|Cinderella]]'' von [[Sergei Sergejewitsch Prokofjew]] ebenso wie in der Oper ''[[Dalibor]]'' des tschechischen Komponisten [[Bedřich Smetana]]. Smetana komponierte die Oper zur Grundsteinlegung des tschechischen Nationaltheaters. Dem Libretto liegt die Geschichte des böhmischen Ritters [[Dalibor von Kozojedy]] zugrunde, sie spielt um das Jahr 1498. Die Uraufführung der Oper fand am 16. Mai 1868 in Prag statt.

Die ''[[Leichte Kavallerie]]'' ist eine [[Operette]] in zwei Akten des Komponisten [[Franz von Suppé]] und [[Libretto|Librettisten]] [[Karl Costa]]. Am 21. März 1866 erlebte dieses Theaterstück seine [[Uraufführung]] am [[Carltheater]] in Wien. Sie ist heute nur noch durch ihre weltberühmte [[Ouvertüre]] bekannt. Im Mittelpunkt steht die hübsche junge Waise Vilma, die allen Männern den Kopf verdreht.

Die Operette ''[[Die Piraten von Penzance]]'' wurde zur Sicherung des britischen Urheberrechts im [[Vereinigtes Königreich|Vereinigten Königreich]] am 30. Dezember 1879 im Royal Bijou Theatre in [[Paignton]] (Grafschaft [[Devon (England)|Devon]], [[England]]), als einmalige Vorstellung uraufgeführt. Die [[Broadway (Theater)|Broadway]]-Premiere erfolgte einen Tag später, am 31. Dezember 1879 im Fifth Avenue Theatre. Die Londoner Premiere war am 3. April 1880 an der Opera Comique. Sie gehört noch heute zu den meistgespielten Stücken und wird häufig musikalisch zitiert. Von den vielen Wiederaufführungen am Broadway war die 1981er Inszenierung am erfolgreichsten, sie lief für 787 Vorstellungen. Die Musik stammt von [[Arthur Sullivan]] und das Libretto von [[W. S. Gilbert]].

==== Musical ====
[[Datei:Disney's The Lion King.jpg|mini|Disney's, The Lion King 2010]]
Das ''[[Annie (Musical)|Musical Annie]]'' spielt im Jahre 1933 und thematisiert viele Dinge, wie zum Beispiel die elenden Lebensbedingungen in Waisenhäusern, die Weltwirtschaftskrise, herzlose Milliardäre und Präsident [[Franklin D. Roosevelt]], ohne allerdings näher auf sie einzugehen. Das Musical enthält die bekannten Lieder ''Tomorrow'' und ''It’s a Hard Knock Life''. Die Premieren fanden am 21. April 1977 im Alvin (heute: [[Neil Simon]]) Theatre in New York und am 3. Mai 1978 im Victoria Palace Theatre im [[West End (London)|Londoner West End]] statt. [[Annie (1982)|1982]] und 2015 wurde der Stoff verfilmt.

Weitere bekannte[WORDS?] Musicals sind ''[[Der König der Löwen (Musical)|Der König der Löwen]]'', ein [[Broadway (Theater)|Broadway]]-[[Musical]] von [[Elton John]] und [[Tim Rice]], ''[[Once on This Island]]'' von [[Rosa Guy]] sowie ''[[Les Misérables (Musical)|Les Misérables]]'' von [[Claude-Michel Schönberg]] (Musik) und [[Alain Boublil]] ([[Libretto]]).

==== Ballade (Lied) ====
Die [[Ballade]] ''Es waren zwei Waisenkinder'' ist vermutlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden. Die frühesten Aufzeichnungen stammen aus dem Jahr 1908. Inhaltlich steht das Lied von den beiden Waisen, die das Grab ihrer Mutter aufsuchen und um Brot bitten, der flämischen Waisenballade ''Ach, Tjanne, zeyde hy, Tjanne'' nahe; zugleich ist sie durch den Einfluss der damals sehr beliebten Ballade ''Es waren zwei Königskinder'' geprägt. Das Lied von den beiden Waisenkindern war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem im Rheinland, in Pommern und Westpreußen verbreitet, nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand es zunehmend aus den Liedgedächtnissen.<ref>Eckhard John: [http://www.liederlexikon.de/lieder/es_waren_zwei_waisenkinder ''Es waren zwei Waisenkinder.''] In: ''Populäre und traditionelle Lieder. Historisch-kritisches Liederlexikon'' 2013</ref>
[[Datei:Tim McIlrath 2.jpg|mini|Tim McIlrath 2015]]
==== Rock – Pop ====
Die amerikanische Rockband [[Rise Against]] veröffentlichte 2011 ihren Song ''Satellite''. In dem Song von ihrem Liedsänger [[Tim McIlrath]] wird der Glaube ausgedrückt, dass die Band zu ihren sozialen und politischen Überzeugungen steht und sich nicht dem Mainstream anpassen wird. Im [[Refrain]] ist ein thematischer Anklang zu finden und in der Übersetzung heißt es dazu: „Wir sind die Waisen des amerikanischen Traums - [GS?]Oh, wirf dein Licht auf mich.“

=== Bildhauerei ===
Künstlerisch bearbeitete [[Ernst Barlach]] das Thema in seinem 1931 der Öffentlichkeit übergebenen ''[[Hamburger Ehrenmal]]''. Dargestellt ist auf einem Flachrelief eine im Schmerz erstarrte Kriegerwitwe, die ihre Arme tröstend um ihre verwaiste Tochter legt.<ref>Tarnoeski, W.; Babovic, T.: Auf den Spuren von Ernst Balach. Eller & Richter Verlag. Hamburg 2. Auflage 2011</ref>

=== Malerei ===
[[Datei:HL Damals – GKuehl2.jpg|mini|Gotthardt Kueh Lübecker Waisenhaus 1984]]
Frühe Arbeiten wie die ''Vermählung der Waisen'' (1440–1444) von [[Domenico di Bartolo]] sowie ''Die Pflege der Waisenkinder'' (1675) von Jan de Bray stellen in ihrer Zeit eine thematische Ausnahme dar.

Ab dem 19.&nbsp;Jahrhundert erfährt das Thema Waise in der Malerei eine stärkere Rezeption, u.&nbsp;a.[ABBREVIATION] in den Werken von [[Eugène Delacroix]] ''Waisenkind auf dem Friedhof'' (1823), [[Jacques Amans]] ''Portrait of Margaret with two orphans'' (1842), [[Karl Wilhelm Bauerle]] ''Die Waisen'' (1860), [[Wassili Grigorjewitsch Perow]] ''Waisenkinder am Friedhof'' (1864), [[Nikolaus Gysis]] (1871) ''Die Waisen'', Pilip Hermogenes Calderon ''The Orphans'' (1870), [[Hans Makart]] ''Das schlafende Schneewittchen'' (1872), [[Konrad Grob (Maler)|Konrad Grob]] ''Pestalozzi und die Waisen von Stans'' (1879) oder [[Gotthardt Kuehl]] ''Waisenkinder in Lübeck'' (1884). Das [[Lübecker Waisenhaus]] wird für den frühen [[Impressionismus|Impressionisten]] G. Kuehl immer wieder ein Malort und -motiv.

Im 20.&nbsp;Jahrhundert findet das Thema kaum noch Anklang in der Malerei. Eine thematische Bearbeitung wird ab dieser Zeit das bewegte Bild des Films aufnehmen.

=== Film ===
Das Verwaisen oder das Leben von Waisen dient häufig als Vorlage für Verfilmungen, u.&nbsp;a.[ABBREVIATION] in der französisch-schweizerischen Kinoverfilmung ''[[Die Kinder des Monsieur Mathieu]]'' aus dem Jahr 2004. Darin spielt der Chorgesang eine wichtige Rolle. Die Musikaufnahmen sang der Kinderchor [[Les Petits Chanteurs de Saint-Marc]] ''(Die kleinen Sänger von Sankt Markus)'' aus [[Lyon]] ein, dem [[Jean-Baptiste Maunier]] angehörte, dessen Schauspiel- und Gesangskarriere mit diesem Film begann.

In dem [[Vereinigte Staaten|US-amerikanischen]] [[Horrorfilm]] aus dem Jahr 2009 ''[[Orphan – Das Waisenkind]]'' adoptiert ein Ehepaar eine russische Waise namens Esther. Als die Frau des Ehepaars herausfindet, dass sämtliche Personenunterlagen und früheren Adoptionspapiere gefälscht sind, gerät schließlich die gesamte Familie in Lebensgefahr.

Der chilenisch-französische [[Autorenfilm]]er [[Raúl Ruiz]] verfilmte 2010 die Erzählung ''Mistérios de Lisboa'' (Die Geheimnisse von Lissabon) des portugiesischen Schriftstellers [[Camilo Castelo Branco]] (1825–1890), der selbst eine Waise war. Der intensive Film erzählt die Geschichte eines Waisenjungen in Lissabon Anfang des 19. Jahrhunderts und erhielt eine Vielzahl Preise. Das Werk kam 2010 als [[Die Geheimnisse von Lissabon]] in die Kinos und wurde danach als sechsteilige Fernsehserie gezeigt, 2011 erstmals auch in deutscher Sprache vom Sender [[Arte]]. 2012 erschien das Werk zudem als DVD und BluRay auch in Deutschland.
[[Datei:Bloodletting scene by N. Keyland, 1922 Wellcome L0016600.jpg|mini|Aderlass 1922]]
''[[Der Medicus (Film)]]'' ist ein deutscher Film aus dem Jahr 2013, der nach dem gleichnamigen Weltbestseller ''Der Medicus'' von Noah Gordon gedreht wurde. Der Hauptdarsteller Robert Cole hat eine außergewöhnliche Gabe: Er kann fühlen, wenn jemand unbehandelt eine [[infaust|ungünstige]] Prognose hat und in [[Agonie]] [[Präfinalität|kurz vor]] dem [[Sterben]] ist. Dies bemerkt er das erste Mal, während er als kleiner Junge fühlt, dass seine kranke Mutter an der „Seitenkrankheit“ sterben wird. Er muss hilflos zusehen, wie sich seine Vorahnung erfüllt. Auf sich allein gestellt, schließt sich die junge Waise einem fahrenden Bader an, der ihm neben den üblichen Taschenspielertricks die Grundlagen der mittelalterlichen Heilkunde nahebringt und Dienste wie [[Aderlass]] oder [[Extraktion (Zahnmedizin)|Zähneziehen]]. Schon als Lehrling erkennt Rob die Grenzen dieser einfachen Praktiken. Er beschließt, die [[Heilkunde]] und deren Lehre im damaligen [[Iran|Persien]] bei dem Arzt, Wissenschaftler und Philosoph [[Avicenna|Ibn Sina]] zu erlernen.

2009 kam der Kinderfilm ''[[Das Geheimnis der Mondprinzessin]]'' von [[Oliver Parker]] in die Kinos. Dieser Fantasy-Film basiert auf dem Kinderbuch ''[[Das kleine weiße Pferd]]'' von [[Elizabeth Goudge]]. Die Waise Maria wird durch eine ganze Schar von fantastischen Wesen unterstützt, eine jahrhundertealte Fehde zwischen zwei Familien zu beenden.

Der Kinderfilm ''[[Hugo Cabret]]'' (Originaltitel: ''Hugo'') ist ein [[Vereinigte Staaten|US-amerikanischer]] [[3D-Film]] aus dem Jahr [[Filmjahr 2011|2011]] nach [[Brian Selznick]]s Kinderroman ''[[Die Entdeckung des Hugo Cabret]]''. Bei der [[Oscarverleihung 2012]] wurde der Film mit fünf Oscars ausgezeichnet. Die schlaue und erfinderische Waise Hugo entdeckt ein rätselhaftes Vermächtnis seines Vaters. Um es zu entschlüsseln, begibt er sich auf eine außergewöhnliche Suche. Dieses Abenteuer wird alle Menschen in seinem Umfeld verändern und ihm ein neues, liebevolles Zuhause schenken.

In dem Trickfilm ''Hautfarbe: Honig'' lernt ein Koreaner als Adoptivkind einer belgischen Familie die Liebe seiner neuen Geschwister und die integrative Kraft eines intakten Familienlebens kennen. Mit zunehmendem Alter stellt er Fragen nach den Wurzeln des Heimatlands, das ihn infolge der kriegerischen Auseinandersetzungen im Korea der 1950er Jahre – wie 200.000 andere Kinder – elternlos zurückließ.

Bekannte Filme, in denen Voll- oder Halbwaisen Handlungsträger sind, sind u.&nbsp;a.[ABBREVIATION]
* Kino- und Fernsehproduktionen (Auswahl)
[[Datei:1936 Том Сойер.webm|mini|''Том Сойер (Tom Sawyer)'' 1936]]
''[[Dreizehn Stühle]]'', ''[[Slumdog Millionär]]'', ''[[Schöne Venus]]'', die auf [[ARTE]] ausgestrahlten Serie unter dem Titel ''Vénus et Apollon'', die kanadische [[Science-Fiction]]-Serie ''[[Orphan Black]]'', ''[[Große Erwartungen (2011)|Große Erwartungen]]'', ''[[Der Tag, als Stalins Hose verschwand]]'', ''[[Kama Sutra: A Tale of Love|Kama Sutra: Die Kunst der Liebe]]'', ''[[Baikonur (Film)|Baikonur]]'', ''[[Wie im Himmel]]'', ''[[Philomena (Film)|Philomena]]''

* Kinder- und Jugendfilme (Auswahl)
''[[Die Geisterinsel (Die drei Fragezeichen)]]'', ''[[Herr der Diebe (Film)|Herr der Diebe]]'', ''[[Das Dschungelbuch (1994)|Das Dschungelbuch]]'', ''[[Harry Potter (Filmreihe)]]'', ''[[Fury (Fernsehserie)|Fury]]'', ''[[Neverland – Reise in das Land der Abenteuer]]'', ''[[Tom Sawyer (2011)|Tom Sawyer]]''

* Trickfilme (Auswahl)
''[[Tarzan (1999)|Tarzan]]'', ''[[Bambi (Film)|Bambi]]'', ''[[Der König der Löwen]]'' und ''[[Simba, der Löwenkönig]]'', ''[[Ich – Einfach Unverbesserlich]]'', ''[[Anastasia (1997)|Anastasia]]'', ''[[Der Prinz von Ägypten]]'', ''[[Findet Nemo]]''

== Verschiedenes ==
=== Waise im Sprichwort ===
[[Wanders Deutsches Sprichwörter-Lexikon]] (Bd.&nbsp;4) präsentiert neun Sprichwörter zu ''Waise'' bzw.[ABBREVIATION] zu ''Waisengericht''; z.&nbsp;B. ''Die Waisen gleichhalten den Weisen, heisst Gott preisen''.

=== Waise versus Arbeit ===
Das Wort ''[[Kritik der Arbeit|Arbeit]]'' ist gemeingermanischen Ursprungs (*arbējiðiz, got. arbaiþs); die [[Etymologie]] ist unsicher; evtl. verwandt mit indoeurop. *orbh- „verwaist“, ''Waise'', „ein zu schwerer körperlicher Tätigkeit verdungenes Kind“ (vgl. ''[[Erbe]]''); evtl. verwandt mit aslaw. robota (''[[Knechtschaft]]'', ''[[Sklaverei]]'' vgl. ''[[Roboter]]''). Im Alt- und Mittelhochdeutschen überwiegt die Wortbedeutung ''Mühsal'', ''Strapaze'', ''Not''; redensartlich noch heute Mühe und Arbeit (vgl. Psalm 90, lateinisch labor et dolor).<ref>''[[wikt:Arbeit|Arbeit]]'' im [[Wiktionary]]</ref>

[[Datei:Upper TCV Sports Day.jpg|mini|Upper TCV Sports Day]]
=== Waisen als Hoffnungsträger ===
Die tibetische Schule im nordindischen [[Mussoorie]] zählt 2400 Schüler. Die Kinder, die hier zur Schule gehen, haben eine geborgene Kindheit in ihrer Familie in [[Tibet]] hinter sich gelassen, um diese Schule zu besuchen. Hier werden sie als Waisen betrachtet. Die Wanderung von ihrer Heimat nach Nordindien dauert etwa einen Monat und führt quer durch den [[Himalaya]]. Schleuser bringen die Schüler heimlich über die Grenze. Nur in dieser Schule können sie tibetisch erzogen und mit der Geschichte ihres Volkes und ihrer Heimat vertraut gemacht werden. Die Kinder werden von ihren Familien ins Ausland geschickt, damit sie später die Kultur ihrer Heimat retten können.<ref>[http://programm.ard.de/TV/arte/tibets-waisenkinder/eid_2872410596574631?list=now# ''Tibets Waisenkinder''. Dokumentation arte 26. September 2013]</ref>

=== Sehwaisen ===
In der Kunst werden verwaiste Gegenstände, denen Künstler mit ihrer spezifischen Sicht einen neuen Seinzustand verschaffen, als Sehwaisen bezeichnet.<ref>[http://www.museumderdinge.de/ausstellungen/sehwaisen-objekte-von-gabriele-rerat Sehwaisen – Objekte von Gabriele Rérat]</ref>
[[Datei:Weltliche Schatzkammer Wien (169)pano2.jpg|miniatur|Frontalansicht der Reichskrone – [[Wien]]er Schatzkammer]]
=== Waise als Edelstein ===
Im Volksmund auch[FILLWORD?] als „Stein der Weisen“ bezeichnet, war der [[Waise (Reichskrone)|''Waise'']] der prominenteste Edelstein von einzigartiger Qualität und Schönheit in der [[Reichskrone]]. Der Waise war ein milchweißer Opal, dessen Farbe ins Rote wechseln konnte und nach 1350 verloren ging. In der höfischen Literatur wurde er von [[Walther von der Vogelweide]] als „Leitstern aller Fürsten“ beschrieben.

=== Welttag der Waisenkinder ===
Der Welttag der Waisenkinder wurde von der The Stars Foundation initiiert und findet jeweils[FILLWORD?] am zweiten Montag im November statt. Mit dem Aktionstag sollen Waisen in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden und für deren Unterstützung geworben.

=== Waisen-Früchte ===
Der Begriff ''Waisen-Früchte'' bezeichnet Getreidesorten, die für die Ernährung der armen Bevölkerung in Entwicklungsländern besonders wichtig ist.<ref>[http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/artenvielfalt-gates-finanziert-pflanzen-arche-noah-a-478315.html Gates finanziert Pflanzen-Arche-Noah. SPIEGEL ONLINE, 19. April 2007]</ref>

=== Witwen & Waisenpapiere ===
''Witwen- & Waisen-Papiere'' sind risikoarme [[Finanzprodukt|Anlageformen]] für die Ersparnisse entsprechender Personen neben klassischen [[Termingeld|Festgeldern]] und [[Spareinlage|Sparbüchern]], die nach dem Ende des 2. Weltkrieges aufgelegt wurden.

Gesucht waren an Rentenzahlungen erinnernde Erträge in Form stabiler Kupons und [[Dividende]]n. Prototypen solcher Finanzanlagen waren unter anderem die fünf- und zehnjährigen deutschen [[Staatsanleihe]]n, auch[FILLWORD?] [[Aktie]]n der Energieversorger – wie [[EON]] oder [[RWE]], der Autobauer [[Volkswagen]] sowie auch[FILLWORD?] [[Kreditinstitut|Finanzinstitute]] wie die [[Deutsche Bank]] und die [[Commerzbank]].<ref>[https://www.boerse-online.de/nachrichten/fonds/von-witwen-und-waisen-1001141995 Von Witwen und Waisen, BÖRSE ONLINE 11.04.16]</ref>

=== Waisen von Versailles ===
"Waisen von Versailles"[QUOTATION?] nannte der britische Historiker Richard Blanke die nach dem verlorenen [[Erster Weltkrieg|1. Weltkrieg]] und dem [[Friedensvertrag von Versailles]] unter polnische Herrschaft geratenen Deutschen – ''Orphans of Versailles''. Dabei bezog er sich auf den Umstand, dass beinah über Nacht sich die Deutschen nicht mehr als Teil der herrschenden Schicht in einem starken und wirtschaftlich hoch entwickelten [[Nationalstaat]] wiederfanden, sondern als verletzliche und beargwöhnte [[Minderheit]].<ref>[http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelgeschichte/d-76574294.html Die Waisen von Versailles, SPIEGEL ONLINE, 25.01.2011]</ref>

=== Chinesische Restwaise ===
In Japan haben ''Chinesische Restwaisen'', die bisher nicht im japanischen [[Familienbuch (Deutschland)|Familienregister]] geführt werden, im Rahmen eines vom [[Familiengericht]] geführten Prozesses die Möglichkeit, die japanische [[Staatsbürgerschaft]] zu erlangen.<ref>[https://educalingo.com/de/dic-ja/shsekikyoka-shinhan Definition von しゅうせききょか‐しんぱん - Chinesische Restwaise im Wörterbuch Japanisch]</ref>

== Siehe auch ==
* [[Dauerheime für Säuglinge und Kleinstkinder in der DDR]]
* [[Vormundschaft|Mündel]]
* [[Waisenrente]]

== Literatur ==
* Bode, Sabine: ''Kriegsenkel. Die Erben der vergessenen Generation'', Klett Cotta Verlag, 7. Auflage, Stuttgart 2010 ISBN 978-3-608-94550-8.
* Fuhrman, Erna: ''Ein Kind verwaist. Untersuchungen über Elternverlust in der Kindheit'', Klett Cotta Verlag, Stuttgart 1977 ISBN 978-3-12-902680-9.
* Graeber, H.: ''Misshandelte Zukunft – Erschütternder Erlebnisbericht eines Heimkindes im Nachkriegsdeutschland'' 2006
* Hillmert, S.: ''Halbwaisen müssen schneller auf eigenen Füßen stehen.'' In: Zeitschrift für Familienforschung, Heft 1/2002, S.&nbsp;44–69
<!---* [[Henry James]]: ''[[Die Drehung der Schraube]]'' (dt. von Ingrid Rein), Manesse Verlag, Zürich (2010) ISBN 978-3-7175-2330-7 das ist ein Roman--->
<!---* Johnson, A.: ''Das geraubte Leben des Waisen Jun Do'', Suhrkamp Verlag, Berlin 2013 ISBN 3-518-46425-6 --->
* Kaplan, S.: ''Kinderchirurg Dr. [NBSP]Alfred Jahn und die Waisenkinder von Kigali'', Eckstein Iatros Verlag, Nierstein 2004 ISBN 3-937439-38-2
* Plotsidem, M.: ''Waisen und Sozialwaisen in staatlichen Fürsorgeeinrichtungen in der Ukraine'': Rechtliche Lage und verschiedene Modelle
* Rieländer, M.: ''Sozialwaisen – Kleinkinder ohne Familie Auswirkungen von Hospitalismus''. Für eine Zeitschrift der „Gesellschaft für Sozialwaisen“ e.&nbsp;V. (GeSo) Münster 1982
* Schulz, H.; Radebold, H.; Reulecke, J.: ''Söhne ohne Väter. Erfahrungen der Kriegsgeneration'', Christoph Links Verlag 2013 ISBN 978-3-86284-228-5
* Spitz, R.: ''Children with inferior histories: Their mental development in adoptive homes''. In: Journal of General Psychology, 72, 1948. S.&nbsp;283–294
* Stambolis, B.: ''Töchter ohne Väter. Frauen der Kriegsgeneration und ihre lebenslange Sehnsucht'', Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2012 ISBN 978-3-608-94724-3

== Weblinks ==
{{Wiktionary|Waise}}
{{Commonscat|Orphans|Waise}}

* [https://www.youtube.com/watch?v=xk2kMA8-pMI ''Die Kinder Der Flucht – Wolfskinder – Ostpreußen – 2 Weltkrieg''. 3sat 28. April 2012 (Video)]
* [http://www.mpib-berlin.mpg.de/de/presse/2002/11/halbwaisen-muessen-schneller-auf-eigenen-fuessen-stehen Halbwaisen müssen schneller auf eigenen Füßen stehen – Pressemitteilung Max-Planck-Institut für Bildungsforschung]
* [https://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/sendung/br/russland-waisen-100.html ''Russland. Waisen als politische Waffe''; ARD 10. Februar 2013 (Video)]
* [http://www.spiegel.de/video/vor-20-jahren-die-strassenkinder-von-st-petersburg-video-1163495.html ''Straßenkinder in St.&nbsp;Petersburg'' Spiegel TV (Video)]
* {{Webarchiv | url=http://www.ndr.de/geschichte/chronologie/nachkriegszeit/unseregeschichte227.html | wayback=20131005015122 | text=''Unsere Geschichte. Als der Krieg uns die Eltern nahm'', NDR 19. November 2012 (Video)}}
* [https://www.youtube.com/watch?v=qao9nojmMeA ''Verlassene Kinder der DDR'' – Doku Teil 1 (Video)]
* [https://www.youtube.com/watch?v=aMC1Ie0g70g ''Verlassene Kinder der DDR'' – Doku Teil 2 (Video)]
* {{HLS|16588|Waisen|Autor=Gerrendina Gerber-Visser, Monika Imboden}}
* [http://www.n-tv.de/mediathek/sendungen/auslandsreport/Waisen-sind-Menschenhaendlern-ausgeliefert-article702282.html Waisen sind Menschenhändlern ausgeliefert. Leichte Beute in Haiti. n-tv 29. Januar 2010]
* [https://www.youngwings.de/ YoungWings. Die Onlineberatungsstelle für trauernde Kinder und Jugendliche. Ein Projekt der Nicolaidis YoungWings Stiftung]
* [https://vimeo.com/58708724 Die vergessenen Kinder von Strüth – Ein jüdisches Waisenhaus in Franken]

== Einzelnachweise ==
<references />

{{Normdaten|TYP=s|GND=4139277-2}}

[[Kategorie:Entwicklungspsychologie]]
[[Kategorie:Jugendhilferecht]]
[[Kategorie:Kind (Bezeichnung)]]
[[Kategorie:Kinder- und Jugendhilfe]]
[[Kategorie:Sozialgeschichte]]
[[Kategorie:Sozialpsychologie]]

Erläuterungen

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Eventuell falsches Apostroph, im Deutschen "'" statt "’". Siehe auch Apostroph#Typografisch korrekt und Wikipedia:Typografie#Weitere Zeichen.
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